Mord im Weißwurst-Stüberl

von Michaela Küpper, Marlies Müller
Rezension von Stefan Cernohuby | 09. Mai 2018

Mord im Weißwurst-Stüberl

Mord kann so viel mehr bedeuten als einfach nur eine nüchterne CSI-Ermittlung, eine hölzerne Tatort-Inszenierung oder eine ins Wasser gefallene SoKo-Donau-Schiffsverfolgung. Ein „Mord im Weißwurst-Stüberl“ kann zum Beispiel einen Anlass für geselliges (und zünftiges) Zusammensein darstellen. Er kann einen Abend voller kulinarischer Schmankerl aus Bayern bedeuten, ein Krimispiel, ein Kochbuch oder gar alles zusammen. Zumindest wenn man zu dem Spielepaket aus dem Gmeiner Verlag greift.

Schlemmen, Spielen & ErmittelnSchlemmen, Spielen & Ermitteln

Zum zweiten Mal bieten Gmeiner Spiele, genauer gesagt die beiden Autorinnen Michaela Küpper und Marlies Müller, Spielern die Möglichkeit auf einen ausgefüllten Abend mit Essen, Trinken, bärigen Diskussionen und wilden gegenseitigen Anschuldigungen. Doch zuerst zu dem Hintergrund. Wie jedes Jahr treffen sich die berüchtigtsten Halunken Bayerns, Deutschlands und Österreichs gemeinsam bei der Neutralität in Person – dem für sein blau-weiß-kariertes Taschentuch bekannten Flori Beidlschneider. Doch nicht immer werden Weißwürste vor 11 Uhr verspeist, denn etwas dämpft die Festivitäten. Flori eröffnet den anderen, dass jemand „Die Patin“ Elfriede Butterweck gemeuchelt hat – genauer gesagt sie von einem Balkon geschubst. Da nur die hier Anwesenden in Frage kommen, war wohl einer von ihnen der Mörder. Und die müssen sich das nun untereinander ausmachen: Frauenheld Hansi Hinterwimmer, Kurpfuscher Doktor (?) Alfons Oberhammer, die erstaunlich internationale Vroni Gasslhuber, die nicht immer ganz so schnelle Freifrau von Filzmoos, das fischige, messerspielende Nordlicht Fisimatenten-Focke, die östliche Moneten-Mandy und die altbekannte, offenbar in allen Kreisen präsente Tante Helga.

Anschuldigungen, Lager, Weißbier und GemütlichkeitAnschuldigungen, Lager, Weißbier und Gemütlichkeit

Nun wurden in einem lockeren Korsett einzelne vorgegebene Wahrheiten und Unwahrheiten verkündet. Man behauptete, wiegelte ab, empörte sich – und so weiter und so fort. Der Name Flori Beidlschneider führte bei unserem Test in Wien zu gewisser Heiterkeit, hierbei benötigt es aber ein wenig regionale Fachkenntnis. Findet man aber heraus, was der Wiener als „Beidl“ bezeichnet, wird man vielleicht etwas rot. Spannend an der geführten Partie war, das sich – komplett im Gegensetz zum „Mord in der Villa Mafiosa“ – keine eindeutige Linie bei den Beschuldigten bildete. Zwar wurde am Schluss per Mehrheit der richtige Verantwortliche gefunden, aber das war ein hartes Stück Rollenspiel – besonders da die Mitspieler natürlich alle in den für sie passenden Dialekten sprechen wollten. So wurde gesächselt, gefischelt und natürlich auch eine Menge gebairt. Zwischen den verschiedenen Anschuldigungen und der Bildung verschiedener Lager blieb immer noch Zeit genug für das eine oder andere Weißbier, eine gemütliche Verteidigungsrede und eine Diskussion über Sport unter Halunken. Und auch das enthaltene Kochbuch ist mehr als brauchbar. Es wäre zwar sicher überdimensioniert, alle verfügbaren Gerichte nachzukochen, aber das Werk liefert eine Menge Ideen, die man sonst kulinarisch nicht unbedingt im Fokus hat.

Letztendlich war für alle etwas dabei. Der Hauptzweck war nicht, den Mörder zu fassen – das Ergebnis des Spiels war ohnehin unfassbar – sondern gemeinsam einen schönen Abend zu verbringen, Spaß zu haben, zusammen bayrische Schmankerln zu verspeisen, die passenden Getränke dazu zu genießen und sich auf das nächste Spiel der Reihe zu freuen – so wie in unserem Fall. Allen, die ihren Freunden zu einem Spielabend einladen wollen, der garantiert gelingt, können das mit „Mord im Weißwurst-Stüberl“ machen. Es lohnt sich!

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