Cluedo

von Parker
Rezension von Stefan Cernohuby | 18. Februar 2010

Cluedo

Egal ob in der High-Society der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts oder der Gegenwart, Skandale hat es immer und überall gegeben. Morde sind allerdings ein kleines bisschen problematischer, vor allem wenn man selbst zu den Verdächtigen zählt. Dieses Thema hat auch "Cluedo", eines der bekanntesten Rätsel- und Kombinationsspiele des letzten halben Jahrhunderts aus dem Hause Parker (Hasbro). Von selbigem ist nun eine neue Version erschienen, die zahlreiche Neuerungen mit sich zu bringen scheint.

Reich, schön und vor allem berühmt zu sein, ist gar nicht so einfach. Besonders, da man stets darauf achten muss, all das, was man erreicht hat, zu verteidigen. Vieles davon baut auf kleineren oder größeren Lügen, Beziehungen oder Gefallen. Auf wackligen Konstrukten, die durch einige wenige wohl gewählte Worte zum Einsturz gebracht werden können. Da kann man schon nachvollziehen, wenn auf einer Party einem Gast irgendwann einmal die Sicherungen durchbrennen. Damit man allerdings selbst nicht das nächste Opfer ist, sollte man sich beeilen, den Fall aufzuklären...
Wie schon in früheren "Cluedo"-Versionen besitzt auch die aktuelle einen Spielplan mit zahlreichen Räumen - diese wurden allerdings ein wenig abgewandelt. Neu sind unter anderem Veranda, Wellnessraum und Heimkino. Auch die möglichen Mordwaffen haben sich verändert. Es gibt keinen Schraubenschlüssel oder Rohr mehr - nein, man geht mit der Zeit. Hantel, Baseballschläger und Gift sind nun potentielle Todbringer. Nicht zuletzt haben sich die Persönlichkeiten gewandelt. Verschwunden sind alle Adelstitel, jeder bekommt nun einen Vornamen, einen Beruf und eine kleine aber gemeine Charakterbeschreibung.
Dann geht das Spiel selbst los. Je eine Karte wird aus dem Stapel der Charaktere, der Mordwaffen und der Räume gezogen und ergibt nun die Zusammenstellung von Mörder, Waffe und Tatort. Diese werden - ohne sie anzusehen - in den gelben ""Cluedo""-Umschlag gesteckt. Die übrigen Karten werden an die Spieler verteilt. Danach stellt man die Figuren nach Farbe auf ihre Starfelder und würfelt los. Man spaziert von Raum zu Raum und kann dort einen Verdacht äußern. Dieser setzt sich aus Spieler, Mordwaffe und eben diesem Raum als Tatort zusammen. Haben die anderen Spieler eine (oder mehrere) dieser Karten auf der Hand, müssen sie dem Äußerer des Verdachts eine davon zeigen. So geht das Spiel reihum und nach dem Ausschlussverfahren kann jeder Spieler langsam aber sicher feststellen, wer der Mörder war.
In alten Versionen des Spiels wäre es das gewesen - aber hier kommen die Neuerungen zum Tragen. Jeder Spieler hat eine Spezialfertigkeit, die er einmal im ganzen Spiel einsetzen kann. Tom Grün zum Beispiel kann einen Verdacht über einen Raum äußern, in dem er gar nicht steht. Des Weiteren gibt es Komplottkarten. Diese erhält man über Fragezeichen auf dem Spielfeld (bei denen man sofort anhält), oder immer dann, wenn von einem Mitspieler ein Verdacht geäußert wurde, der den eigenen Spieler betrifft. Problematisch daran ist, dass es hilfreiche Komplottkarten gibt - diese kann man statt des Würfelns einsetzen - aber auch Uhrkarten. Derer gibt es acht Stück und wenn man die achte zieht, wird man das nächste Opfer des Mörders und ist naturgemäß aus dem Spiel.
Anklage erheben kann jeder Spieler nur einmal im Spiel und zwar im Schwimmbad. (Nunja, irgendwo muss man das wohl machen. Dort kann man den Mörder zumindest gleich ertränken.) Hat man mit der Anklage Recht, so hat man gewonnen. War sie falsch, kann man nicht mehr gewinnen.

"Cluedo" war schon immer eine spannende Angelegenheit. Schon allein das Grundprinzip des Spiels, das auf Kombinatorik, Intuition und ein bisschen Glück setzt, macht den Ausgang schwer vorhersehbar. Durch Spezialaktionen und Komplottkarten kann man nun noch einige Tricks nutzen, um schneller an das gewünschte Ziel, natürlich die Entlarvung des Mörders, zu gelangen. Auch die Uhrkarten sind grundsätzlich keine schlechte Idee, verhindern sie doch, dass sich die Spieler zu lange Zeit lassen, wenn es ums Sammeln von Fakten geht. Doch dieses Prinzip hat einen großen Fehler. Angenommen der eigene Charakter ist der Mörder und man zieht selbst die achte Uhrkarte, so wird man das nächste Opfer des bösen Mannes und ist aus dem Spiel. Das ist etwas unlogisch, da man sich selbst wohl nicht als Zeuge beseitigen würde. Da die achte Karte immer wieder in den Komplottkartenstapel zurückkommt, können daher alle Spieler vom Mörder ausgelöscht werden. Hier wäre es sinnvoll für eine Zusatzregel zu plädieren, die aussagt, dass wenn der Mörder die achte Uhrkarte zieht und bereits weiß, dass er selbst der Mörder ist, diese einfach auf der Hand behält. Oder man lässt optional die Uhrkarten weg.
Abgesehen davon ist die neue Version von ""Cluedo"" hervorragend gelungen. Das Spielfeld sieht toll aus, die Mordwerkzeuge wirken glaubwürdig (wenn auch nicht so klassisch, wie in früheren Varianten) und auch die vorgefertigten Notizzettel sind gut verwendbar. Selbst die Spielfiguren sind nicht mehr jene teilweise unansehnlichen Hütchen in unterschiedlichen Farben, sondern aus transparentem Plastik geformte aufrecht stehende Plättchen mit einem Fragezeichen in der jeweiligen Farbe. Selbst der neue Standort - eine Jet-Set Villa für Prominente, wirkt glaubhaft, genauso wie auch die neue Hintergrundgeschichte der Charaktere. So werden erstmals Ideen ins Spiel eingebracht, warum eigentlich ein Mord passieren "musste".
Insgesamt ist das Spiel daher sehr gut gelungen, ist mit drei Spielern genauso witzig wie mit sechs und hat nur den einen erwähnten kleinen Fehler.

Auch in der neuen Version erweist sich "Cluedo" als spannendes Ratespiel für drei bis sechs Spieler. Mit neuen Möglichkeiten seine Züge zu vereinfachen und immer noch ein Ass im Ärmel zu haben, bietet es erfreuliche Abwechslung. Ein kleines regeltechnisches Manko gibt es zwar, doch über dieses kann man großzügig hinwegsehen.

Details

  • Autor/-in:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    07/2008
  • Umfang:
    diverse Spielmaterialien
  • Typ:
    Spiel
  • ASIN:
    B001AAK1Y4
  • ISBN 13:
    5010994642365
  • Spieldauer:
    60-90 Minuten

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Spieltiefe:

Könnte Ihnen auch gefallen: