Wabi-sabi


für Künstler, Architekten und Designer
von Matthias Dietz, Leonard Koren
Rezension von Michael Seirer | 07. September 2017

Wabi-sabi

Bücher für Fotografen gibt es viele. Bücher, die sich nicht um Foto-Technik und Software drehen, schon weniger. Und Bücher, die den Blick des Lesers auf die Welt zu verändern versuchen, sind rar. “Wabi-sabi für Künstler, Architekten und Designer” ist so ein Buch und will dem Leser die zentralen Ideen des wabi-sabi erläutern.

Das unscheinbare Buch ist im Wasmuth Verlag erschienen und mit 91 Seiten überschaubar. Gleich in der Einleitung erzählt der Autor, dass man wabi-sabi, das im Kern auf Zen-Lehren basiert, nur von Meistern persönlich erlernen kann. Insofern ist es ein schwieriges Thema für die Buchform. Nach einem geschichtlichen Abriss der Entstehung (Anleihen aus dem Taoismus, der Zusammenhang mit der Tee-Kunst und die Vollendung durch SEN no Rikyû) werden zentrale Werte des wabi-sabi erläutert: Alle Dinge sind vergänglich, alle Dinge sind unvollkommen und alle Dinge sind unvollständig. Der Autor versucht die Aufmerksamkeit des Lesers auf unscheinbare und leicht zu übersehende Details zu lenken. Die stofflichen Qualitäten von wabi-sabi werden im folgenden Kapitel durch viele Aspekte konkretisiert und durch manch überraschendes Beispiel veranschaulicht. Ein Beispiel: Lehm und Papier haben eine größere innere wabi-sabi-Qualität als Gold und Silber.

Das Buch beinhaltet 24 Fotografien inklusive einem Fotonachweis mit erklärenden Worten und ausführlichen Anmerkungen.

 

Viele der schwer zu verstehenden Passagen werden durch konkrete Beispiele und passende Bilder begleitet. Dabei ist das Design und Druckqualität nahezu das Gegenteil von den sonst üblichen Fotobüchern auf dem Markt: klein, unscheinbar, matt und nicht Hochglanz. Im Verkaufsraum von Buchhandlungen kanns sich das Buch wohl nur schwer durchsetzen.

Die Unscheinbarkeit und das Achten auf das Schwindende, das Flüchtige und die kleinen Dinge, die man oft übersieht, stehen im krassen Gegensatz zu dem aktuellen Instagram-Hype. Dort werden Like-erhaschende Handybilder mit möglichst monumentalen Motiven und farblich schreienden Farben gepostet. Über wabi-sabi Bilder scrollt man wahrscheinlich hinweg, ohne sie zu beachten. Auch wenn die Abbildungen gewöhnungsbedürftig sind, oft nicht scharf (Absicht!).

Das Buch ist mit knapp über 90 Seiten nicht gerade dick - viele Sätze sind aber intensiv, bedeutsam und verlangen nach Pause und Kontemplation nach dem Lesen. Tut man das nicht, wird man dem Wesen von wabi-sabi nur langsam und mühevoll näherkommen. Selbst beim Schreiben der Rezension und dem wiederholten Durchblättern des Buches sind neue Sätze und Inhalte klar geworden. Als unbedingte Ergänzung sei der zweite Band des Autors zu dem Thema empfohlen: "Wabi-Sabi - Woher? Wohin? Weiterführende Gedanken"

Was sich uns jedoch nicht ganz erschlossen hat: Warum wurde der Untertitel “für Künstler, Architekten und Designer” gewählt? Eine Verbindung oder Querverweis zu Kunst, Architektur und Design konnte im Buch nicht gefunden werden - obwohl es wahrscheinlich durchaus spannend gewesen wäre, sie anhand von konkreten Kunstwerken/Bauten und Objekten zu veranschaulichen. 

Für wabi-sabi Anfänger ohne Vorwissen ist das Buch eine gute Einführung in die Thematik. Der Autor hat wabi-sabi in seiner Gesamtheit gut erfasst und erläutert, für einen Neuling ist die konzentrierte, oft abstrakte Darstellung der Themen jedoch schwer zu verdauen.

Details

  • Originaltitel:
    Wabi-Sabi for Artists, Designers, Poets & Philosophers
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    09/2007
  • Umfang:
    91 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • ISBN 13:
    9783803030641
  • Preis:
    15,00 €

Bewertung

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