Märzveigerl und Suppenbrunzer

von Elsbeth Wallnöfer
Rezension von Stefan Cernohuby | 15. Juni 2014

Märzveigerl und Suppenbrunzer

Sprache ist etwas Lebendiges, mit starker regionaler Ausprägung. Das kann man nirgendwo besser erleben als beim Gesichtsausdruck einer Person, die bei einem gehörten Satz in der (eigentlich) eigenen Sprache genau gar nichts verstanden hat. Um diese Barrieren ein wenig abzubauen und den Ursprung bestimmter Begriffe, die in der Alpenrepublik Österreich weit verbreitet sind, näher zu beleuchten, hat Elsbeth Wallnöfer ein Buch verfasst. "Märzveigerl und Suppenbrunzer - 555 Begriffe aus dem echten Österreich".

Nach einem vorgestellten Stichwortverzeichnis beschreibt die Autorin in einem Vorwort, dass es sich mit diesem Buch längst nicht um den ersten Versuch handelt, Kultur aus regionalen Ausprägungen eines Landes in einem breiten Spektrum zu präsentieren. Ein solcher wurde bereits von Kronprinz Rudolf von Habsburg unternommen. Der Schwerpunkt des vorliegenden Werks ist jedoch ein anderer, was durch die unterschiedlichen Abschnitte klar wird.
Orte und Stereotype sind wichtig, wenn man Regionen kennen will. Das erste Kapitel widmet sich solchen Topoi", die zwar einerseits tatsächliche Orte beschreiben, aber andererseits auch Begrifflichkeiten, die in den festen Sprachschatz eingegangen sind. Ob es sich nun um Bahö handelt - und den möglicherweise darauf folgenden Häfn -, das klassische Sechzehnerblech oder den immer mehr aussterbenden Greißler, hier kann man nachsehen, was es damit auf sich hat.
Um ein Land besser zu verstehen, ist es auch eine gute Idee, sich den lokalen Gebräuchen zu widmen. So hat man mit diesem Buch eine Sammlung von Begriffen, die mit Sicherheit auch viele Österreicher nicht aus dem Stehgreif erklären könnten. Während Adventsinger noch nachvollziehbar sind, könnte es bereits beim Almabtrieb Verständnisprobleme geben. Neben Gschnas und Perchten findet man hier noch eine Menge interessanter Erklärungen.
Nach einem kurzen Abschnitt über Kleidung, Tracht und Mode geht es stilecht mit Essen und Trinken weiter. Hier werden nicht nur Klassiker wie Eitrige und Kaiserschmarrn behandelt, sondern auch alternative österreichische Bezeichnungen und die spezielle Verwendung bestimmter Nahrungsmittel finden ihren Platz - siehe Reparaturseidl.
Während sich ein eigener Abschnitt den regionalen Bezeichnungen von Landschaften, architektonischen oder ortstypischen Erscheinungen widmet, folgt danach ein Kapitel, das stark gekürzte Zusammenfassungen von bedeutenden Bräuchen, sakralen Überlieferungen, relevanten Orten und (dabei) auftretenden Akteuren behandelt.
Das letzte Kapitel mag einige Leute verwirren, denn es hebt in einem doch offenbar bereits so anderen Sprachraum noch einmal das Regionale hervor. Regionales, wie es sogar in Österreich nur in beschränktem Umfeld verbreitet oder bekannt ist.

Was kann man nun über "Märzveigerl und Suppenbrunzer" schreiben, das dem Buch gerecht wird? Zuerst sollte man bei der zugrunde liegenden Idee und dem Konzept anfangen. Es ist definitiv eine gute Idee, ein Werk zu konzipieren, dass mehr sein soll als ein "Deutsch-Österreichisch" Wörterbuch, denn ohne weitere Erläuterungen ist eine solche Zusammenstellung eher nur als witzig gemeines Geschenk ohne tieferen Sinn nutzbar. Die Kategorisierung der einzelnen Kapitel ist hier jedoch bestimmt bereits eine schwierige Aufgabe gewesen, da verschiedene Begriffe natürlich in unterschiedlichen Abschnitten auftauchen könnten. Dann ist da natürlich die Vollständigkeit, bei welcher der Autorin schon im Vorfeld klar gewesen sein muss, sie nicht erreichen zu können. Und dann sind da Begriffe, bei denen sich Leser fragen warum sie nicht vorhanden sind und andere, die von den Lesern in Frage gestellt werden können. Okay, das Märzveigerl ist interessant. Aber heißt es nicht Gespritzter statt Spritzer? Und warum steht nirgendwo, was ein Drahdiwaberl ist? Zugegeben, das sind Punkte, über die man diskutieren könnte und bei denen vielleicht auch das Verlagslektorat ein wenig die Hände mit im Spiel hatte. Was aber zumindest dem Verfasser dieser Rezension eher missfallen hat, waren zwei andere Kleinigkeiten. Die erste besteht darin, dass bei gewissen "Fakten" wie der sogenannten Verbannung des Nikolo aus städtischen Kindergärten nur der allgemeine Tenor wiedergegeben wird, aber keine tatsächlichen Hintergründe recherchiert wurden. Die andere Kleinigkeit ist, dass die Autorin unterschwellig ihre eigene Meinung zu einer Veranstaltung oder eine Situation mit einbringt - was nicht immer unpolitisch ist. Hier hätte man schon zu Beginn klar stellen können, dass eine gewisse Färbung vorhanden ist.

"Märzveigerl und Suppenbrunzer - 555 Begriffe aus dem echten Österreich" von Elsbeth Wallnöfer ist ein interessantes Nachschlagewerk. Doch obwohl man es hoch über klassischen "Deutsch-Österreichisch"-Wörterbüchern einstufen muss, gibt es doch noch einige kleinere Mankos, über die man nicht völlig hinwegsehen kann. Insofern ist das Werk zwar durchaus gelungen, aber kein "Must Have" für den Kenner der österreichischen Seele.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    05/2014
  • Umfang:
    215 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • ASIN:
    3702507493
  • ISBN 13:
    9783702507497
  • Preis:
    24 €

Bewertung

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  • Anspruch: