Das ist das Bauhaus!


50 Fragen 50 Antworten
von Gesine Bahr, Halina Kirschner
Rezension von Michael Seirer | 16. April 2019

Das ist das Bauhaus!

Das Bauhaus wird heuer 100 Jahre alt. Eine Vielzahl von Publikationen und Veranstaltungen rücken bekannte und weniger bekannte Entwicklungen, Persönlichkeiten und Werke in der Geschichte des Bauhauses wieder ins Rampenlicht. Einen etwas unüblichen Zugang zur Thematik findet sich im Buch “Das ist das Bauhaus” von Gesine Bahr und Halina Kirschner. Sie beleuchten in 50 Fragen und 50 Antworten wesentliche Aspekte aus der Geschichte des Bauhauses.

Neben offensichtlichen Fragen wie “Warum heißt das Bauhaus ‘Bauhaus’?“, “Was wollte das Bauhaus eigentlich?” oder “Warum war alles so glatt, klar und kalt?” gehen einige Fragen auch auf die Erzeugnisse der Bauhauswerkstätten ein, wie zum Beispiel “Was  ist das bestverkaufte Bauhausprodukt?” oder “Was sind Bauhausklassiker?” (Die Wagenfeld-Lampe, Marcel Breuers Stahlrohrstuhl “B3” oder der Freischwinger “MR 20" von Mies van der Rohe). Es finden sich jedoch auch tiefer gehende Fragestellungen wie “Wie politisch war das Bauhaus?” oder “Inwiefern hat es das Bauhaus geschafft, die Gesellschaft zu verändern?“. Bei der Frage “Brauchte das Volk keinen Luxus?” und welche Ausrichtung das Bauhaus dahingehend haben sollte, werden beispielsweise die konträren Standpunkte von Direktor Walter Gropius und Direktor Hannes Meyer gegenübergestellt. Gropius stand hier für “Was ist das Wesen der Dinge?” und Meyer fokussierte auf “Was braucht der Mensch?“. Aber auch persönliche und interne Liebschaften und Streitigkeiten fanden den Weg in das Buch - dazu finden sich Kapitel wie “Gab es Bauhauskinder?” oder “Wenn das Bauhaus so uneinheitlich war, gab es nicht auch Streit?” Das Kapitel “Zahlen, Zahlen, Zahlen” listet einige bemerkenswerte Statistiken zum Bauhaus auf. Über das abschließende Quellenverzeichnis lassen sich Zitate und Aussagen nachlesen und vertiefen.

Das Buch besteht neben den Texten ausschließlich aus Illustrationen, die in den Bauhausfarben Rot, Gelb und Blau gehalten sind. Ihre Gestaltung ist oft witzig, sie bringen Abwechslung ins Buch und fügen sich gut ins Gesamtbild ein. Trotzdem wird einem Leser ohne Vorwissen oftmals ein Bild zum Text fehlen - beispielsweise wenn es um das Bauhausgebäude in Dessau geht oder um die bestverkauften Bauhausklassiker. Strukturell ist das Buch eine einzige, lange Liste von Fragen, die zwar abwechslungsreich sind, aber in sich eher willkürlich sortiert wirken. Wer sich also noch wenig Ahnung vom Bauhaus hat und sich in das Thema einarbeiten möchte, dem sei zum Start ein anderes Werk eher empfohlen. Positiv zu erwähnen ist, dass das Buch nicht nur auf Personen und Errungenschaften des Bauhauses fokussiert, sondern auch mit den Grundprinzipien einhergehende Entwicklungen aufzeigt. Beispielsweise war zu Beginn der Frauenanteil der Studierenden bei erstaunlichen 50%. Walter Gropius schrieb in seinem Manifest auch dass “… jede […] Person, ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht” studieren dürfe. Trotzdem wurde erst 1927 die erste Frau Werkstättenleiterin - und zwar von der Weberei.

Dass das Bauhaus noch lange nicht ins Museum gehört, zeigen viele aktuelle Bauprojekte, Veranstaltungen und auch Buchprojekte - besonders zum 100-jährigen Jubiläum. Einen etwas anderen Zugang zum Bauhaus und seinen Protagonisten wählten Gesine Bahr und Halina Kirschner: Sie erklären das Phänomen “Bauhaus” an Hand von 50 Fragen und erklären in ihren kurzen und prägnanten Antworten, was das Bauhaus so außergewöhnlich machte und noch immer macht.

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