Andalusien - Das Kochbuch

von Emma Lee, José Pizarro (Fotograf/-in)
Rezension von Manfred Weiss | 09. Oktober 2019

Andalusien - Das Kochbuch

Andalusien, der heiße Süden Spaniens. Mischbecken maurischer und christlicher Kultur. Sowohl in Architektur, als auch in Kultur und Küche. Oliven, Fisch und Schinken. Stierkampf, Flamenco und Sherry. Zeit für einen Blick in die Kochtöpfe. ¡Ole!

“Andalusien - Das Kochbuch” bietet genau das, was der Titel verheißt: andalusische Speisen in vielen verschiedenen Varianten, gegliedert nach den Hauptkategorien Fleisch, Fisch, Gemüse und Desserts. Auf eine eigene Vorspeisensektion wird verzichtet, da sich vermutlich, in kleinerer Menge serviert ohnedies manche der Speisen auch als Vorspeisen eignen würden.

 Rabo de toro

Nach einem sehr kurzen Vorwort, das sich weniger auf Essenskultur und Speisen bezieht als auf die generellen Eindrücke des Autors zu Andalusien, kommt José Pizarro dann auch sofort zur Sache. Das erste Gericht ist gleich ein andalusischer Klassiker: geschmorter Ochsenschwanz und als mögliche Resteverwertung dann die Ochsenschwanz-Croquetas.
Beim Ansehen des Buches springt aber fast noch vor den Rezepten zu den diversen Speisen die Bebilderung durch die Fotografin Emma Lee ins Auge. Zahlreiche Bilder zu Städten, Landschaften, Menschen mischen sich zwischen die reine Essensfotografie. Leider ohne weitere Erläuterung zu den Aufnahmen.
Abgerundet wird das Buch durch vier Vorschläge des Autors für Andalusische Menüs und einige Restauranttipps für alle, die neben dem selber kochen doch auch die andalusische Küche einmal vor Ort in Andalusien probieren wollen.
Manche der Essenskombinationen gehen aber auch über das traditionell Andalusische hinaus, wie etwa die geräucherten Sardinen mit Salmorejo (Seite 104). Unverfälscht sind dafür die Huevos de la Flamenca (Seite 138).

Sevilla, Cádiz und Málaga

Alle vorgestellten Rezepte sind gut nachkochbar, auch wenn, wie so oft bei fremdländischer Küche, manche der Zutaten bei uns nur schwer zu finden sein werden. Etwa die für Sevilla so typischen Schnecken, wie sie für die Schnecken mit Chili, Tomate & Knoblauch (Seite 109) benötigt werden.
Auffallend ist auch die für die andalusische Küche eher untypische, sehr umfassende Desserts-Sektion. Da gibt es dann aber auch alles von einem Rezept für eine interessante Bitterorangenmarmelade (Seite 186) bis zum spanischen Klassiker Churros und zum Abschluss noch einen Kaktusfeigen-Margerita (Seite 228). Aber auch Kaktusfeigen sind eine Zutat, die in unseren Regionen nur schwer zu bekommen ist.
Jedes Rezept ist mit einigen individuellen Bemerkungen des Autors eingeleitet, die sich teilweise nur auf das Gericht selbst beziehen, teilweise aber auch eine kleine Geschichte darum herum erzählen oder warum er gerade dieses Rezept ausgewählt hat.
Dem Buch fehlt jedoch ein Teil mit generellen Anmerkungen rund um die Andalusische Esskultur, die sehr stark von den berühmten Tapas als kleine Serviermenge geprägt ist und dem spätnächtlichen Abendessen. Auch wenn das dann und wann in den kurzen Vorbemerkungen zu den einzelnen Speisen Beachtung findet, wären solche generellen Betrachtungen doch auch interessant gewesen.

“Andalusien - Das Kochbuch” bietet eine bunte Vielfalt an nachkochbaren Rezepten der andalusischen Küche mit großartiger Bebilderung weit über das Kochen hinaus. Neben den Rezepten selbst erfährt man allerdings nur punktuell und spärlich etwas zur andalusischen Essenskultur. Aber das Kochbuch macht Lust und Hunger aufs Selberkochen und natürlich auch ein wenig auf Andalusien selbst. Und das soll ja vermutlich sein Zweck sein.

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