Wonder Woman - Göttin des Krieges

Kriegswunden

von Meredith Finch, David Finch (Illustration)
Rezension von Stefan Cernohuby | 25. März 2016

Kriegswunden

In einer immer noch weitgehend männlich dominierten Gesellschaft mag das Konzept eines Matriarchates seltsam anmuten, doch schon in der Antike gab es zumindest mythologische Vorbilder. Ein Vorzeigebeispiel für eine von Frauen regierte Gesellschaft sind die Amazonen. Und deren Königin ist gleichzeitig eine Heldin eines DC-Comics. „Wonder Woman“ ist eine Comic-Reihe, die es seit den 1950er Jahren gibt, die aber kürzlich stark überarbeitet wurde. Der erste Sammelband ist nun auch auf Deutsch erschienen.

Diana ist nicht gerade eine passionierte Tänzerin, aber sie tanzt auf verschiedenen Hochzeiten. Als Mitglied der Justice League kämpft sie mit Batman, Superman und dem ganzen Rest der Truppe um die Sicherheit der Welt, als Königin der Amazonen und Göttin des Krieges muss sie ihre Leute beschützen, zu der seit ihrer Anordnung auch wieder Männer gehören. Doch ihre oftmalige Abwesenheit und die Rückkehr der Männer macht traditionalistische Elemente in der Amazonen-Bevölkerung nervös, wütend und unzufrieden. So wird Diana zu einem Duell gefordert, für das sie sich aber nicht durch Training vorbereitet, sondern durch Gespräche mit ihren Freunden, eine Mission und dadurch, dass sie in sich geht. Dabei kann sie allerdings einige Ereignisse nicht mehr stoppen, die bereits in Bewegung sind. Etwas, das für die neue Königin des Krieges mehr als frustrierend ist.
Die zweite Geschichte erzählt den Hintergrund einer Antagonistin, die sich bei dem was sie tut völlig im Recht fühlt.

Wer an Wonder Woman denkt, der hat dabei verschiedene Bilder im Kopf. Die meisten davon werden sich um ein kurzes Röckchen, ein dem amerikanischen Sternenbanner nachempfundenes Kostüm und eindrucksvolle weibliche Attribute drehen – ja, vielleicht sogar noch um ihre Armreifen und ihr Lasso zum Fesseln. Aber irgendwie war Wonder Woman seit den 50er Jahren eher optischer Aufputz als die tragende Protagonistin. Das hat sich mit dem „New 52“-Universum geändert. Nachdem sie Ares getötet hat und nun auch noch den Krieg verkörpert, ist sie sowohl durch ihre Fähigkeiten als auch in der Anwendung selbiger von ihren früheren Inkarnationen deutlich zu unterscheiden. Man könnte auch sagen, nach so vielen Jahrzehnten ist Wonder Woman nun endlich erwachsen geworden – oder sind es ihre Autoren und Zeichner geworden? Egal. Der vorliegende Band, der inmitten der aktuellen Ereignisse angesiedelt ist, illustriert das gut und ist sogar in der Lage, langjährige Zweifler an der Reihe zu überzeugen.

„Kriegswunden“ ist der erste Band der Reihe „Wonder Woman – Göttin des Krieges“. Und so kriegerisch und blutig Titel und Serie klingen, geht es auch im Comic zu. Da darüber hinaus aber auch Geschichte und Illustrationen passen, überzeugt der Band sogar hartgesottene Gegner der Amazonenkönigin. Insofern können wir das Werk empfehlen – und nicht nur Frauen oder Lack-und-Leder-Fetischisten.

Details

Bewertung

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