Joker/Harley: Psychogramm des Grauens


Band 2
von Kami Garcia, Jason Badower, Mico Suayan, Annette Kwok
Rezension von Gabriel Zupcan | 05. Juli 2021

Joker/Harley: Psychogramm des Grauens

Dr. Harleen Quinzel ist eine toughe Profilerin aus Gotham und auf der Spur eines grauenvollen Serienkillers. Er arrangiert seine Opfer als minutiös geplante Kunstinstallationen. Ist es der Mann, der als „Joker“ bekannt ist…? In einer Parallelwelt-Graphic Novel ist die alptraumhafte Welt von Gotham City etwas böser und realistischer.

Ein weiteres Mal entführt uns DCs Black Label in eine superdüstere Parallelwelt (ja, noch düsterer als das reguläre Gotham!), in der diverse gothamer Größen aufeinander losgelassen werden. Diesmal ist die Protagonistin Harley Quinn, die ihr Clownskostüm in den normalen Serien gelassen hat. Stattdessen trägt sie cooles Blond und eine schwarze Lederjacke. Als abgebrühte Profilerin in Diensten des GCPD hat sie mit einem Serienkiller zu kämpfen, der seine Opfer wie Puppen behandelt, die er neu zusammensetzt und in öffentliche Installationen verwandelt. Harley Quinn hat noch eine persönliche Geschichte mit dem Mörder zu klären, verdächtigt sie diesen doch, dass er seinerzeit auch ihre Mitbewohnerin ermordet hat. Auf der anderen Seite lernen wir den jungen John Kelly kennen – das ist der Name des Jokers. Traumatisiert in seiner Jugend, hat er eine soziopathische Seite entwickelt, und geht als cooler Goth-Clown auf die Jagd nach seinen Opfern. Allzu komisch ist dieser Joker nicht. Aber dafür sehr angsteinflößend. Im zweiten Teil von Psychogramm des Grauens kommt Harley ihrer Nemesis viel näher als sie sich wünschen würde.

In letzter Zeit scheint es besonders viele Comics rund um den Joker im Albumformat zu geben. So viele, dass man beinahe das Gefühl bekommt, das Thema muss doch endlich ausgelutscht sein. Wie oft kann man die Geschichte um einen irren Mörder mit Comedy-Tick noch erzählen? Anscheinend ganz schön oft. Denn jede dieser Geschichten ist auf ihre eigene Art originell und interessant. So auch in „Joker/Harley: Psychogramm des Grauens“. Hier kommt das Geschehen in Form eines edel erzählten Psychothrillers daher. Die Panels wechseln zwischen Schwarz-Weiß und Farbe, Gegenwart und Flashbacks in die Vergangenheit. Die Figuren sind mit fotorealistisch angehauchter Präzision wunderschön gezeichnet. Die Geschichte wird nicht nur mit herkömmlichen Mitteln des Comic-Mediums erzählt. Als der Joker auf Harleys Fallakte stößt, bekommt man diese seitenweise zu sehen und zu lesen. Viele Schnipsel, Berichte, Bilder und Notizen. Die Seiten quellen über vor Details. Hinzu kommt, dass Autorin Kami Garcia von einem echten Forensiker unterstützt wurde, so dass sich diese Berichte durchaus „echt“ anfühlen. Generell wirkt die Welt in der die Graphic Novel spielt, wie eine zwar sehr düstere, aber realistischere Version von DCs Gotham City. Abseits der bunten Superhelden-Kostüme und auch abseits von Batman. Dieser wird zwar erwähnt, aber hält sich zum Zeitpunkt der Geschichte anscheinend nicht in Gotham auf. Man fühlt sich an die Interpretation aus Christopher Nolans Batman-Trilogie erinnert. Nicht zufällig ist wohl der Joker visuell stark an eine junge Version von Heath Ledger angelehnt. Die Autorin geht sehr geschickt mit dem reichen Hintergrund der Gothamer Unterwelt um. Viele bekannte DC Protagonisten sind in die Geschehnisse verstrickt. Und diese sind überaus komplex, wie das Opferdiagramm das Harley selbst zeichnet, beweist. Wie es sich für einen waschechten Detektiv-Thriller so gehört.

Sollte man ausnahmsweise genug haben von den verregneten Straßenschluchten von Gotham City, dann sollte man tatsächlich hiervon die Finger lassen und zu „My little Pony“ oder ähnlichem Material greifen. Begeistert man sich hingegen für finstere Verbrechen und das Böse das Menschen innewohnt, findet man in dieser Graphic Novel spannende Unterhaltung, auch wenn man generell mit Superhelden gar nichts anfangen kann.

Details

Bewertung

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