Ein Vertrag mit Gott


Mietshausgeschichten
von Will Eisner
Rezension von Stefan Cernohuby | 22. Mai 2017

Ein Vertrag mit Gott

Glaube treibt manchmal seltsame Auswüchse. Wenn man an etwas lange und fest genug glaubt, kann man – bewusst oder unbewusst – sein Leben danach ausrichten. Das ist eine der Geschichten, die in „Ein Vertrag mit Gott“ behandelt werden. Dieser Band beleuchtet die zweite Hälfte der Schaffensperiode von Kultcomicautor Will Eisner, in welcher er das Genre Graphic Novel aus der Taufe hob. Grund genug für uns, sich dem Werk zu widmen.

Nach einer kurzen Biografie folgt ein illustriertes Vorwort, in dem knapp vier Monate vor seinem Tod die Entstehungsgeschichte und den Fokus der vorliegenden Geschichten näher erläuterte. Denn alle handeln von der gleichen Nachbarschaft – und fast alle von dem gleichen fiktiven Mietshaus in der genauso fiktiven Dropsie Avenue in der New Yorker Bronx. Dann beginnen die eigentlichen Geschichten. Das Werk beginnt mit der der Titelgebenden Erzählung „Ein Vertrag mit Gott“, in dem ein Mann über eine Ungerechtigkeit Gottes seinen Glauben verliert – weil dieser einen Vertrag, den er mit ihm als Kind geschlossen haben will, nicht eingehalten hat. Was er dann tut, ist nicht sehr gottgefällig.
„Der Straßensänger“ ist nur eine sehr kurze Erzählung. In ihr geht es um Moral, um Chancen und auch das Vergeben derselben.
„Der Super“ handelt von einem deutschen Hausmeister (Superintendent), der von allem im Haus gefürchtet und gehasst wird. Und doch erlaubt er sich eine Schwäche, die ihm letztlich das Leben kostet.
Nach einer Geschichte, die sich um Urlaube verschiedener Gesellschaftsschichten mit ebenso verschiedenen Absichten dreht, beginnt der zweite große Handlungsbogen.
Beinahe 140 Seiten ist die Länge des Buchs „Lebenskraft“, das sich in zahlreiche Unterkapitel gliedert. Es handelt von einigen Familien, die in den 1930ern leben und überleben müssen. Das Auf und Ab reißt viele in den Abgrund und lässt aus Illegalem plötzlich den einzig möglichen Weg werden.
„Dropsie Avenue“ ist die letzte große Geschichte, die gleichzeitig ein Prequel und ein Sequel für die das Mietshaus und seine Umgebung darstellt.
Ein Nachwort schließt den Band ab.

Mit dem über 500 Seiten starken Sammlung der ersten Graphic Novels von Will Eisner, zusammen mit den Hintergründen und Erklärungen hätte der Käufer dieses Werks im Grund einen beeindruckenden und tollen Band erworben. In unserem Fall muss man das HÄTTE leider groß schreiben. Denn irgendjemand im Layout oder im Druck hat es geschafft, dass die kompletten Seiten 483 bis 508 ein zweites Mal im Buch vorhanden sind. Und zwar auf den Seiten 365 bis Seite 396. Das macht diese Seiten sowohl komplett unlesbar als auch den Kompletteindruck kaputt. Natürlich könnte es sich bei dem uns vorliegenden Werk um einen bedauerlichen Fehldruck handeln – und es könnte ein riesiger Zufall sein, dass gerade wir dieses eine kaputte Exemplar erhalten haben. Oder man muss davon ausgehen, dass alle Bücher aus der gleichen Charge betroffen sind.
Das ist sehr schade, denn das Werk von Will Eisner ist bereits ein Stück Zeitgeschichte. Er verarbeitet darin eigene Erinnerungen, lässt fiktive Orte realer werden als tatsächlich existierende. Die Bilder als Träger einer Handlung, die sich aber selbst nicht in den Mittelpunkt stellen, waren eine herausragende Neuerung – die Geburtsstunde einer Literaturform, die heute immer noch im Aufschwung ist. Insofern: toller Inhalt, schlechter Druck.

„Ein Vertrag mit Gott – Mietshausgeschichten“ ist eine Sammlung der ersten Graphic Novels von Comicgott Will Eisner. Obwohl der Inhalt über jeden Zweifel erhaben ist, kann man das gleiche in unserem Fall leider nicht vom Druck des Buchs behaupten. Denn hier wurden schlimme Fehler begangen, die einen Gutteil des Werks unleserlich machen. Insofern kann unser Fazit für Aufmachung und Gesamteindruck leider nur negativ ausfallen.

Details

Bewertung

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  • Gefühl:
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  • Illustration: