Ein Korb voller Köpfe

von Joe Hill, Leomacs (Illustration)
Rezension von Stefan Cernohuby | 06. November 2020

Ein Korb voller Köpfe

Wenn jemand mit einem Korb und einer Kapuze unterwegs ist, denkt man mitunter an etwas düstere Geschichten, Waldwege und böse Wölfe. Joe Hill hat in seiner neuen Graphic Novel, die im eigenen DC-Sublabel „Hill House Comics“ erschienen ist, eindeutig Schlimmeres vor. „Ein Korb voller Köpfe“ verspricht bereits durch Titel und Autor eine blutige Erzählung.

Der Sommer 1983 ist sonnig und warm in Maine. Spätsommer, die Hormone kochen. June und Liam haben eine Sommerromanze, aus der sich mehr entwickeln könnte. Doch dann geht alles drunter und drüber. Aus der Shawshank-Strafanstalt sind einige Gefangene entflohen und Liam, der gerade frisch bei der Polizei ist, will bei der Suche nach den Verbrechern helfen. Doch vorerst besuchen die beiden die Geburtstagsfeier des Polizeichefs, bis dort mehrere Männer in Sträflingsuniformen auftauchen und das Wetter kippt. Eine Flutwelle kündigt sich an, Liam wird verstümmelt und entführt, June ist auf sich allein gestellt, muss vor den Verbrechern fliehen. Sie ergreift dabei eine alte Wikinger-Axt aus der Sammlung des Polizeichefs, der ein großer Sammler ist. Und irgendwie gelingt es ihr – mehr durch Glück und Zufall als durch Absicht – einem sie verfolgenden Verbrecher damit den Kopf abzuschlagen. Beide sind gleichermaßen entsetzt und überrascht, dass der Mann immer noch am Leben ist, also zumindest sein Kopf. Und da sie diesen nicht zurücklassen will, nimmt sie ihn in einem Korb mit. Doch hinter der ganzen Geschichte mit den entflohenen Sträflingen steckt noch mehr, und so bleibt es auch nicht bei jenem einen Kopf. Aber woraufhin läuft das Ganze hinaus?

Was benötigt eine gute Geschichte? Joe Hill macht es vor. Eine stimmungsvolle Location, ein geheimnisvolles historisches Artefakt, eine mutige und verzweifelte Protagonistin sowie eine abstruse, düstere Handlung. Und ja, sowohl das Format als auch für die Länge des Werks ist die Geschichte eine perfekte, runde Angelegenheit. Es ist ein Comic, der keine Fortsetzung benötigt, der keine Vorgeschichte braucht und dessen Charaktere einfach normale Menschen sein, die eine Gratwanderung am Rande des Wahnsinns erleben – und nicht alle überleben. Das macht das Gesamtergebnis so gelungen. Es wirkt nicht gekünstelt, gezwungen oder überzeichnet und integriert dabei auch noch eine humorvolle Note. Man kann hier nur davon ausgehen, dass Joe Hill sein Storytelling einfach vom Besten gelernt hat. Und auch die beiden Zeichner Leomacs und Riccardo la Bella machen ihre Arbeit stimmungsvoll und routiniert. Man darf gespannt sein, was das eigene Label in Zukunft bedeuten wird und ob es die hier geweckten Erwartungen erfüllen kann, insbesondere auch in Zusammenarbeit mit anderen Autoren. „Ein Korb voller Köpfe“ ist in jedem Fall eine Graphic Novel, wie sie sein soll.

Details

  • Autor/-in:
  • Originaltitel:
    Basketful of Heads
  • Verlag:
  • Erschienen:
    10/2020
  • Umfang:
    184 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • Altersempfehlung:
    16 Jahre
  • ISBN 13:
    9783741620126
  • Preis:
    20,00 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Gewalt:
  • Gefühl:
  • Erotik:
  • Illustration:

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