Blind

von Joe Hill
Rezension von Stefan Cernohuby | 12. Oktober 2009

Blind

Ein altes Sprichwort sagt: „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.“ Was bei Fußballern, Schifahren, Formel 1-Piloten und Präsidenten aber gang und gäbe ist, kann auf die Welt der Literatur nicht eins zu eins umgelegt werden. Denn nur sehr selten schafft es ein Autor aus dem Schatten seines berühmten Vaters zu treten. Sowohl bei J.R.R. Tolkien, als auch Frank Herbert rührt die Bekanntheit ihrer Söhne meist daher, die unvollendeten Werke ihrer verstorbenen Väter zu Ende geführt zu haben. Joe Hill hat da ganz offensichtlich andere Pläne.

Er ist nämlich der Sohn eines nicht gerade unbekannten Autors namens Stephen King. Ein Name, der im ganzen Roman, inklusive Vor- und Nachwort nicht einmal fällt. Und das hat Gründe. Recherchiert man ein wenig, findet man schnell heraus, dass Joe nicht an seinem Vater gemessen werden will und nach dem ersten Zusatz eines Magazins, das unter einen seiner Artikel „Joseph King ist der Sohn des Bestsellerautors Stephen King“ schrieb, dessen Nachnamen in der Welt der Literatur einfach abgelegt hat. Durchaus nachvollziehbar.
„Blind“, oder „Heart-shaped box“, wie sein Debütroman im englischen Original heißt, handelt von einem alternden Rockstar, den die Geister der Vergangenheit buchstäblich einholen. Nachdem er im Internet einen Geist ersteigert hat, stellt er fest, dass es sich bei diesem um den Stiefvater einer Ex-Freundin handelt, die sich selbst das Leben genommen hat. Will sich ihre Familie jetzt auf diese Weise rächen?
Nachdem Danny, Judes Sekretär, Selbstmord begeht und der geisterhafte Wahrsager und Hypnotiseur versucht, ihn in seiner eigenen Garage durch Kohlenmonoxidvergiftung zu töten, wird dem Musiker der Ernst der Lage erst richtig bewusst.
Eine Flucht, quer durch die Staaten, beginnt. Jude Coyne und seine Freundin Georgia suchen krampfhaft nach einer Möglichkeit den wütenden Geist loszuwerden und lassen dabei eine Spur der Verwüstung hinter sich zurück. Mit der Angst und dem Geist im Nacken spüren sie, dass ihre Zeit langsam abläuft.

Joe Hills Debütroman legt von der ersten Seite an ein rasches Tempo vor. Er verzichtet auf eine lange Einleitung und wirft den Leser direkt ins Leben des Rockstars Jude Coyne. Allerdings fehlt dem Roman in dieser Hinsicht ein wenig Substanz. Obwohl die Handlung flott voranschreitet, spielt außer den handelnden Personen kaum etwas anderes eine Rolle. Was den Aspekt Horror angeht, dieser ist durchaus vorhanden und in gewissen Situationen läuft dem Leser in jedem Fall ein kalter Schauer über den Rücken. Aber Schrecken und Furcht sind nicht unbedingt als zentrale Themen des Romans zu bezeichnen, wie man es eigentlich erwarten würde.
Vielmehr Faszination üben die Rückblicke in Judes - oder Justins, wie sein bürgerlicher Name lautet - Leben aus. „Blind“ ist eigentlich kein reiner Horrorroman, sondern eine Art „Auf der Flucht“ mit Gruselanteilen. Nicht dass diese Tatsache den Roman schlechter mache würde, er liest sich mehr als flüssig und ist auch stilistisch sehr gut gelungen. Als Debütroman ist er durchaus bemerkenswert und lässt hoffen, dass sich Joe Hill über die kommenden Jahre entwickelt, damit weitere, noch bessere Romane folgen können.

„Blind“ von Joe Hill stellt ein beeindruckendes Romandebüt des bereits zweiten schreibenden Sprösslings von Stephen King dar. Das Werk überzeugt zwar nicht unbedingt durch seinen Gruselfaktor, es hat aber durch den rasanten Erzählstil und seine erfrischende Schreibweise auch mehr zu bieten als reinen Horror. Ein wenig Inspiration und geniale Ideen mehr und seine nächsten Romane heben ihn aus der Masse der „Ein-Roman-Hit-Schreiber“ heraus. Wollen wir hoffen, dass ihm das gelingt.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Erschienen:
    09/2008
  • Umfang:
    432 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • Altersempfehlung:
    14 Jahre
  • ISBN 13:
    9783453565128
  • Preis:
    9,99 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Gewalt:
  • Gefühl:
  • Erotik:

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