Mortal Engines

Mortal Engines - Krieg der Städte

von Philip Reeve
Rezension von Stefan Cernohuby | 03. Januar 2019

Mortal Engines - Krieg der Städte

Wie oft hört man von Verwandten melancholische Erzählungen über Bezirksteile großer Städte: „Früher war das noch ein eigenes Dorf, jetzt gehört es zur Stadt.“ Die Tatsache, dass sich Metropolen immer weiter ausbreiten und sich ihr Umland einverleiben, mag die initiale Motivation hinter Philip Reeves „Mortal Engines – Krieg der Städte“ gewesen sein. Doch was sich letztendlich daraus entwickelt hat, ist etwas ganz anderes.

Über ein Jahrzehnt hat sich die große Traktionsstadt London auf einer kalten, feuchten Insel mit dem Namen Großbritannien vor anderen, größeren Städten verborgen. Nun ist sie wieder unterwegs, um kleinere Städte zu verspeisen, zu verarbeiten und ihre Bewohner zu versklaven. Tom ist nur einer derer, die am Erfolg mitarbeiten. Er ist kein wichtiger Entdecker, wie Mr. Valentine, und auch kein Gentleman, der sich Valentines Tochter Katherine so nähern könnte, wie er es gerne würde. Doch das Schicksal schlägt in Form einer Frau namens Hester Shaw zu. Diese will Valentine töten und Tom folgt ihr unfreiwillig, als ihn Valentine kurzerhand aus der Stadt wirft. Gejagt von einem Stalker namens Shrike begleitet er Hester, die noch einen Alternativplan hat. Es scheint so, dass es wirklich besser gewesen wäre, London, ihren Oberbürgermeister Crome und seine rechte Hand Valentine aufzuhalten. Denn spätestens als mit einer uralten Waffe die Panzerstadt Bayreuth vernichtet wird, ist klar, dass die Herrscher von London Ambitionen haben, die sich nicht nach den ursprünglich edlen Konventionen des Städtedarwinismus bremsen lassen …

Wir leben in einer Welt großer Städte voller Menschen. Das würde sich ändern, wenn alle Städte auf Ketten, Rollen oder Rädern umherkurven würden und versuchen, einander zu fressen. Zumindest dies hat Philip Reeve mit seinem Roman „Krieg der Städte“ aus der Reihe „Mortal Engines“ klar gemacht. Darüber hinaus hat er einen Kampf ums Überleben, mit großen Plänen und himmelhohen Ambitionen skizziert, der seinesgleichen sucht. Realismus sucht man hier allerdings, selbst im Kontext üblicher postapokalyptischer Literatur, vergebens. Luftschiffe, gewaltige Kiefer an Städten. Piratenvororte, die stationäre Siedlungen fressen wollen – hier gibt es nur Fressen oder Gefressen werden. Leider geht das ein wenig auf Kosten der Handlung. Denn die teils durchaus interessanten Charaktere finden kaum Zeit sich zu etablieren, bevor sie wieder im Vergessen versinken. Es gibt eine Menge Anspielungen an andere literarische Gestalten – teils sicherlich mit voller Absicht, teils vielleicht zufällig. Aber wenn ein Shrike unaufhaltsam auf der Jagd nach etwas ist, ein Mister Pomeroy bereits etwas senil wirkt und irgendwo eine Miss Potter durch die Gänge streift, fühlt man sich nicht nur namenstechnisch mit der Kulisse vertraut. Doch auch wenn Peter Jackson sich entschieden hat, eine Verfilmung des Werks zu produzieren, bedeutet das nicht automatisch, ein Werk wie den Herrn der Ringe vor sich zu haben – denn dazu geht der erste Roman zu wenig in die Tiefe, offenbart zu wenig von der Welt, in der das Werk angesiedelt ist und bleibt somit leider durchschnittlich.

„Krieg der Städte“ – der erste Band der Reihe „Mortal Engines“ versucht den Leser anhand einer actionreichen und rasanten Geschichte von der Welt, in der das Werk angesiedelt ist, zu überzeugen. Leider funktioniert das nur eingeschränkt, da vieles im Unklaren bleibt und nur Momentaufnahmen dem Untergang geweihter Traktionsstädte präsentiert. Vielleicht ändert sich das Bild in den Folgebänden, doch der erste Teil der Reihe ist nicht wirklich herausragend.

Details

Bewertung

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