Die unendliche Geschichte

von Michael Ende
Rezension von Stefan Cernohuby | 01. November 2014

Die unendliche Geschichte

Ein altes Sprichwort lautet, dass sich Geschichte immer wiederholt. In den meisten Fällen bezieht sich diese Aussage auf negative Ereignisse, aus denen die Menschheit nichts lernt. Doch zum Glück gibt es auch gegenteilige und positive Erscheinungen, darunter einen der beliebtesten und erfolgreichsten Romane der deutschen Literaturgeschichte. Konkret handelt es sich dabei um Michael Endes Meisterwerk "Die unendliche Geschichte". Bei Thienemann ist jetzt eine neue Ausgabe des Klassikers erschienen, bei der es sich um eine Neuauflage der Originalversion handelt.

Bastian Balthasar Bux ist ein typischer Außenseiter. Er ist weder sportlich, noch gut in der Schule. Und auch zuhause erhält er nicht viel Aufmerksamkeit, da sein Vater viel zu viel arbeitet. Als er sich eines Tages bei der Flucht vor einigen ihn drangsalierenden Klassenkollegen in ein Antiquariat flüchtet, hat er keine Ahnung, dass hier das größte Abenteuer seines Lebens beginnen wird. Als der Besitzer des Ladens abgelenkt ist, ergreift Bastian kurzerhand ein Buch, das ihn fasziniert. Sein Titel lautet "Die unendliche Geschichte" und sein Einband wird von einer Art Medaillon verziert, das aus zwei Schlangen besteht. Auf dem Speicher der Schule beginnt Bastian das Buch zu lesen. Es handelt von einem Land namens Phantásien, dessen Kindliche Kaiserin erkrankt ist. Ein junger Krieger namens Atréju wird ausgeschickt, um ein Heilmittel zu finden. Seine Reise ist lang und beschwerlich, er verliert dabei sein treues Pferd Artax an die Sümpfe der Traurigkeit und erlangt nur Hinweise auf die nächste Station seiner Reise - das weit entfernte Südliche Orakel. Ein Menschenkind, das nicht aus Phantásien stammt, soll der Königin einen Namen geben. Und schließlich stellt sich heraus, das es Bastian ist, der diese Aufgabe übernehmen soll. Urplötzlich liest er keine Geschichte mehr, sondern befindet sich mitten in ihr. Doch mit der Namensvergabe hat seine Reise durch Phantásien erst begonnen. Er erhält AURYN, das ihm ermöglicht, alle seine Wüsche zu erfüllen und das Land dadurch nach seinen eigenen Wünschen zu gestalten. Doch es ist eine Tätigkeit, die sich andere gerne zunutze machen wollen und die auf Kosten seiner eigenen Erinnerung ausgeübt wird. Das macht Freunde zu Feinden und es ihm nahezu unmöglich, Phantásien wieder zu verlassen.

Vieles an Michael Endes Roman aus dem Jahr 1979 ist faszinierend. Seine Entstehungsgeschichte, seine Ausrichtung, seine Mission. In einer Zeit verfasst, in der in Deutschland phantastische Literatur als "Fluchtliteratur" aus der Realität angesehen wurde, in der seine Romane ohnehin als überlang abgestempelt wurden und in der seine Gestaltungswünsche mit Seideneinband und Illustrationen extravagante Wünsche waren, wurde das Werk zu einem Bestseller. Es erzählte von einer Welt der Fantasie, in der alles erlaubt (Siehe die Aufschrift von AURYIN: "Tu was du willst") und alles möglich ist. Ganz im Gegensatz zu den Kritikern, die das Werk und auch allgemein Endes phantastische Erzählungen niemals akzeptierten, nahmen Leser jüngerer Generationen das Buch begeistert auf. Mit Recht, denn Ende ist es gelungen, eine eigenständige, in sich konsistente Welt zu erschaffen, auch ohne großartige Anleihen an die damaligen Vorreiter des Genres. Einzig und allein das letzte Drittel des Romans zieht sich in die Länge, was damals wohl auch der Hauptgrund war, dass in der Verfilmung lediglich die erste Hälfte des Romans herangezogen wurde. Dieser Punkt führte letztendlich auch zu einer völligen Ablehnung des Films durch Michael Ende. Würde es sich um ein Werk aus jüngerer Zeit handeln, ohne den Hintergrund der Entstehung und den Zauber, den es auf seine Leser ausübt, könnte man ihm möglicherweise einige Punkte abziehen. Doch letztendlich würde auch das wieder durch die Illustrationen und illustrierten Anfangsbuchstaben von Roswitha Quadflieg aufgewogen, die dem Roman in ihrer Eleganz und gleichzeitigen Schlichtheit ein beinahe zeitloses Flair verleihen. Dementsprechend ist die uns vorliegende Neuauflage der Originalausgabe ein wertvolles Stück Literaturgeschichte, das jeder, der die Phantastik mag, unbedingt sein Eigen nennen sollte.

Dass "Die unendliche Geschichte" mittlerweile zu den Klassikern der deutschen Literaturgeschichte gehört, ist eine Tatsache. Die im Thienemann Verlag erschienene Wiederbelebung der Originalausgabe aus dem Jahr 1979 ist aber nochmals ein Schritt weiter. Denn sowohl Bindung, als auch Illustrationen Textgestaltung hat es nachher in dieser Form nicht mehr gegeben. Wer dieses Buch noch nicht in seinem Besitz hat, sollte daher unbedingt zugreifen.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    09/2014
  • Umfang:
    502 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • ASIN:
    3522202031
  • ISBN 13:
    9783522202039
  • Preis:
    24,9 €

Bewertung

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