Die Rache der Feder

von Stefan Cernohuby (Hrsg.)
Rezension von Janett Cernohuby | 31. Oktober 2015

Die Rache der Feder

Den Wunsch jemandem etwas heimzuzahlen, kennt wohl jeder von uns. Rache. Es ist ein Ventil, um angestautem Ärger freien Lauf zu lassen. Um Frust abzubauen. Und um zu zeigen, dass niemand so mit einem umgehen darf. Doch Vergeltung sollte wohl überlegt werden. Kreativ sein. Wir alle wissen, dass das geschriebene Wort sehr, sehr gefährlich sein kann und die Feder eine weit gefährlichere Waffe als das Schwert. Davon sind zumindest zehn Autoren überzeugt und schufen die Anthologie "Die Rache der Feder".

Sehr geschickt und raffiniert ist es einer Verlegerin gelungen, zehn Autoren für ein Buchprojekt zu gewinnen. Dabei lief nicht immer alles legal ab und letztendlich war die Verlegerin in einer Situation, in der sie die Autoren nicht nur unter Druck setzen konnte, sondern regelrecht erpresste.
Doch mit Autoren sollte man sich nicht anlegen, da ihre Rache grausam sein kann. Sehr grausam, denn wie bereits erwähnt, ist die Feder mächtiger als das Schwert.
Und so entstand dieses Buch. Ein Buch mit zehn Kurzgeschichten, die auf den ersten Blick nichts gemeinsam haben. Zehn Kurzgeschichten aus unterschiedlichen Genres, die nur unterhalten wollen. Und zehn Kurzgeschichten, die versteckte Botschaften beinhalten, welche der Verlegerin zum Verhängnis werden sollen…

Stefan Cernohuby und Navina Kleemann brachten zehn Autoren an einen Tisch und schufen diese Anthologie. Ein Buch, welches auf den ersten Blick zehn unterhaltsame und spannende Geschichten enthält, welche aus ganz unterschiedlichen Genres stammen. Erst auf den zweiten Blick sieht man, dass mehr hinter den Geschichten steckt. Ein (fiktiver) Rachefeldzug gegen eine (fiktive) Verlegerin. Die Verbindung der einzelnen Geschichten findet man erst bei genauerem Hinsehen. Dann werden die Anspielungen deutlich, die wie Brotkrumen im Buch versteckt sind. Anspielungen auf Internetblogs, auf E-Mail-Adressen und auf eine originelle Hintergrundgeschichte. Doch genau hierin liegt auch die Schwäche des Buches. Es ist sehr anspruchsvoll und ganz gewiss nicht zum Lesen für zwischendurch. Tut man nämlich dies, hat man genau das, was die angebliche Verlegerin wollte: Eine Geschichtensammlung mit unterhaltsamen Beiträgen. Dadurch geht natürlich der Sinn verloren und man fragt sich am Ende, was denn der Klappentext nun mit den einzelnen Geschichten überhaupt zu tun hat. Leider führt auch die erste Kurzgeschichte den Leser ein wenig auf eine falsche Fährte. Sie ist zweifellos witzig, skurril und die beste Geschichte im Band, doch stilistisch passt sie so gar nicht zu den anderen. Denn bei diesem Buch muss man zwischen den Zeilen lesen. Keine Sorge, das ist nicht sonderlich schwer. Den ersten Hinweis auf versteckte Botschaften findet man schon im Namen der Protagonisten. Waren die Autoren wirklich so einfallslos, dass sie für die handelnden Figuren keine neuen Namen erfinden konnten und stattdessen auf ihre zurückgriffen? Oder hat das vielleicht einen ganz anderen Hintergrund? Und warum kommt in jeder Erzählung die Sprache auf Rache? Warum wird immer wieder eine Feder erwähnt und was hat es mit diesem Blog auf sich? Antworten findet man nur, wenn man genau diesen Brotkrumen folgt. Wem das nicht gelingt, dem liefert Stefan Cernohubys abschließende Geschichte Antworten auf einige Fragen.
Neben diesem äußerst originellen Metaplot finden sich im Buch aber sehr gut geschriebene Kurzgeschichten. Eine, oder besser gesagt zwei sehr interessante Geschichten sind "Galadriels Spiegel" Teil eins und zwei. Geschrieben wurden diese von Philipp Bobrowski und Claudia Toman, jedoch erzählen die beiden Autoren aus der Sicht des jeweils anderen.
Genial witzig ist Gitta Edelmanns "Echt verdächtig", in der vier aufgeweckte Kinder eine Räuberbande hochnehmen, während ihre Mutter ausgeschaltet mit Zahnschmerzen im Bett liegt. Auch die anderen Autoren - etwa Carsten Zehm mit seinem hochmotivierten, Kriminalfälle lösenden Krimiautor oder Navina Kleemann mit ihrer himmlisch-loyalen Ermittler - steuern sehr unterhaltsame Beiträge bei, die zu Lesen nicht nur Spaß machen und unterhalten, sondern die gerne auch etwas länger hätten sein dürfen. Weil sie so gut waren.

Zusammengefasst ist "Die Rache der Feder" eine unterhaltsame Anthologie mit Tiefgang. Um zu verstehen, was hinter dem Titel, hinter den unterschiedlichen Erzählungen steckt, muss man zwischen den Zeilen lesen, auf Hinweise achten und diesen folgen. Dann bietet sich dem Leser ein Gesamtbild, das die aus unterschiedlichen Genres stammenden Geschichten miteinander verbindet.

Details

Bewertung

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