Die Magier von Montparnasse

von Oliver Plaschka
Rezension von Stefan Cernohuby | 15. Juni 2010

Die Magier von Montparnasse

Zwischen Magie und Bühnenmagie gibt es zahlreiche Unterschiede. Während Magie das Unmögliche möglich macht, gaukelt Bühnenmagie dasselbe vor. Doch wenn sich in einer Welt voller echter Magie ein ihrer Kundiger vorgibt, nur ein Taschenspieler zu sein, kann es zu zahlreichen Komplikationen kommen. Von einem solchen Fall erzählt der Roman "Die Magier von Montparnasse" von Oliver Plaschka.

Ravi hat einen Beruf, der von außen argwöhnisch betrachtet wird. Denn der Bühnenzauberer ist alles andere als ein gewöhnlicher Blender. Als er bei einem gefährlichen Bühnentrick dazu gezwungen ist, seine Assistentin mit Hilfe echter Magie zu retten, kommen die Ereignisse in Gang, begleitet von anderen Magiern. In einem Gasthof in Montparnasse fällt Ravis Partnerin Blanche nicht nur in eine Art Dornröschenschlaf, es geschieht auch ein Mord und ein Tag beginnt, der scheinbar nicht enden will. Dies alles stellt eine große Bewährungsprobe von Ravi in den Augen jener anderer Magier dar, die einer im Hintergrund agierenden Gesellschaft angehören. In diese Vorkommnisse involviert sind Justine, eine junge Kellnerin und Gaspard, ein aufstrebender junger Schriftsteller, der seinem großen Idol ein Manuskript präsentieren möchte. Auch der Inhaber des Jardin und seine Frau sowie drei weitere Gäste werden von den Ereignissen ergriffen und von ihnen für immer verändert, obwohl gewisse Details restlos aus ihrem Gedächtnis getilgt werden. Schlussendlich ist aber alles anders als ursprünglich angenommen. Etwas, was auch für die beteiligten Magier nicht unproblematisch ist.

Oliver Plaschka hat es sich beim Verfassen des Romans keineswegs leicht gemacht. Er erzählt nicht in der dritten Person, sondern in der ersten. Und als zusätzliche Schwierigkeit ist beinahe jedes Kapitel wieder aus einer anderen Perspektive geschrieben als das vorherige. Ravi, Justine und selbst der Gasthofbesitzer Alphonse erhalten Kapitel. Dies ist ein ziemlich gewagtes Stilmittel, das aber trotzdem funktioniert. Problematischer ist da schon der Spannungsbogen des Romans. Da der Tag an dem die Ereignisse passieren, gewissermaßen immer wieder von neuem beginnt, spitzen sich die Ereignisse erst gegen Ende wirklich zu. Ansonsten hat Oliver Plaschka darauf gesetzt, durch geschickte Ablenkungsmanöver von den offensichtlichen Ereignissen abzulenken. Es handelt sich also um ein Verwirrspiel mit vielen unterschiedlichen Informationen und Andeutungen, die erst ganz zum Schluss aufgelöst werden. Dies alles sind gute Ansätze, die auch gut ausgeführt sind. Als problematisch erweist sich jedoch das Gesamtbild. Die vielen unterschiedlichen Perspektiven, der teilweise Verzicht auf den Spannungsbogen zugunsten eines groß angelegten Komplotts und des metaphorischen Paukenschlags am Ende des Romans setzen sich nicht zu einem perfekten Ganzen zusammen. So erhält der Leser zwar eine unterhaltsame Lektüre, der jedoch an gewissen Ecken und Enden jener Biss fehlt, der das Buch wirklich außergewöhnlich machen würde. Das ist schade, kann man doch das Potenzial der Idee und auch das schriftstellerische Talent des Autors klar erkennen. Aus diesen Gründen ist "Die Magier von Montparnasse" leider nur ein durchschnittliches Fantasywerk geworden, das aber den Vergleich mit vielen anderen derzeit am Markt befindlichen Romanen nicht zu scheuen braucht.

Oliver Plaschka hat in den letzten Jahren bereits mit "Fairwater oder Die Spiegel des Herrn Bartholomew" im Bereich der Phantastik Aufmerksamkeit erregt. Mit "Die Magier von Montparnasse" versucht er sich an einem Husarenstück. Einem Fantasyroman, der in historischem Ambiente angesiedelt ist, einen verborgenen Metaplot hat und dabei aus Sicht unzähliger Personen erzählt wird. Leider ist das Gesamtbild der verschiedenen Ingredienzien nicht so hervorragend, wie es die Ausführung der einzelnen Aspekte ist. Insofern ist das Ergebnis leider nur ein durchschnittlicher Roman, der sich nicht so deutlich von anderen Werken absetzen kann, wie das Potenzial verheißen würde, das in ihm steckt.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    03/2010
  • Umfang:
    428 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • ASIN:
    3608938745
  • ISBN 13:
    9783608938746
  • Preis:
    21,9 €

Bewertung

  • Gesamt:
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  • Humor:
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    Keine Bewertung

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