Star Trek

Die Gesetze der Föderation

von Keith R. A. DeCandido
Rezension von Stefan Cernohuby | 16. August 2010

Die Gesetze der Föderation

Wenn es um Gesetzestexte oder gar die Verfassung eines ganzen Staatenbundes geht, reagieren viele Menschen berechtigter Weise mit Argwohn oder Desinteresse. Zu untransparent, zu langatmig und gleichzeitig zu langweilig erscheint jeder einzelne Aspekt dieser Aufzählung. Dies hat Keith R. A. DeCandido aber trotzdem nicht davon abgehalten, einen "Star Trek"-Roman zu schreiben, der sich genau mit diesem Themen beschäftigt. Kann ein solcher Wälzer den etwas voreingenommenen Leser überzeugen?

Wie viele Personen benötigt man, um einen Staatenbund mit über einhundertfünfzig Welten zusammenzuhalten? Wenn es nach der Sternenflotte geht, genau eine, nämlich die Präsidentin der Föderation. Nan Bacco war bereits vor ihrer Wahl zur Präsidentin eine äußerst unkonventionelle planetare Gouverneurin. Dies hat sich bis zum heutigen Tag keinesfalls geändert. Sie ist so schmerzhaft ehrlich, dass sie sogar Klingonen sympathisch ist, hält einen Tag im Monat für persönliche Gespräche mit ihrer Bevölkerung reserviert und ist ganz nebenbei ein so großer Baseball-Fan, dass sie kein einziges Spiel ihrer Lieblingsmannschaft verpasst. Doch ihre Amtszeit beginnt trotz ihrer Vorzüge unter keinem guten Stern. Eine Gruppe Remaner startet nach einem fingierten Asylgesuch einen Selbstmordangriff gegen eine Sternenbasis der Föderation, die Klingonen und die Romulaner rasseln mit dem Säbel, was vom Zusammenbruch des romulanischen Reichs gefolgt wird. Und zu schlechter Letzt endet auch ein viel versprechender Erstkontakt mit einem diplomatischen Desaster. Kann die Präsidentin diese schwierigen Hürden meistern und ihre Mannschaft ganz nebenbei noch zum Gewinn der Meisterschaft motivieren?

Keith R.A. DeCandido hat sich einer denkbar schweren Aufgabe gestellt. Er schreibt über Begebenheiten im Star Trek Universum, die nicht auf einem Raumschiff, einer Raumstation am Rande eines Wurmlochs oder inmitten eines Krieges stattfinden, sondern nur an unzähligen diplomatischen Fronten. Dass dies etwas weniger Nervenkitzel erzeugt als der Dominion-Krieg ist selbstverständlich. Dennoch ist es ihm geglückt, eine Geschichte von einer Frau zu erzählen, die ihre Verantwortung ernst nimmt, eine große Aufgabe vor sich hat und davor dennoch nicht vor selbiger zurückschreckt. Als Person ist ihm die streitbare Föderationspräsidentin sehr gut gelungen und auch die diplomatischen Zwischenfälle bergen einige Brisanz in sich. Einzig und allein die Tatsache, dass bis auf externe Berichte und einige hitzige Gespräche auf Konferenzen keine "wirkliche" Action gibt, könnte das Werk einigen Fans klassischer "Star Trek"-Romane vermiesen. Am Schreibstil des Autors und der Qualität der Erzählung gibt es genauso wie an der Handlung nicht viel auszusetzen. Einzig und allein die Länge des Werks scheint mit über 450 Seiten möglicherweise etwas überdimensioniert. Wahre Fans des Universums, die nicht nur auf schnelle Action aus sind, werden an diesem Buch auf jeden Fall ihre Freude haben. Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis geht mit 14 Euro durchaus in Ordnung.

Keith R .A. DeCandido hat schon mehrfach gezeigt, dass er in der Lage ist, äußerst spannende Romane zu schreiben. Mit "Die Gesetze der Föderation" beweist er darüber hinaus, dass er auch in der Lage ist, eine nicht ganz so spannende Materie ebenfalls fesselnd auszuformulieren. Insofern ist das Werk zwar nicht vor jene Fans interessant, die auf Kämpfe und Action aus sind, allen anderen kann man es jedoch bedenkenlos ans Herz legen. Auch der Preis des Buchs ist für die Länge angemessen.

Details

Bewertung

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    Keine Bewertung

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