Das Schlangenschwert

von Sergej Lukianenko
Rezension von Janett Cernohuby | 25. Januar 2009

Das Schlangenschwert

Leben ist - davon wollen uns viele Religionen und Philosophen überzeugen - etwas Wertvolles, wofür es sich zu kämpfen lohnt. Aber was, wenn man in einer fernen Zukunft nur dann leben darf, wenn man auch liquide genug ist? Kritische Personen werden anmerken, dass es heute auf gewisse Art und Weise auch nicht anders ist. Mag sein, aber Sergej Lukianenko beginnt seinen Roman "Das Schlangenschwert" dennoch mit einer etwas extremeren Variation dieses Themas.

Als eines Tages den Eltern des 13jährigen Tikkirej die Nutzungsrechte für die Lebenserhaltungssysteme entzogen werden, entscheiden sich diese von ihrem Verfassungsrecht gebrauch zu machen und zu sterben. Durch ihren Verzicht auf das Leben ermöglichen sie es ihrem Sohn weiterhin zur Schule zu gehen, eine Ausbildung zu absolvieren um schließlich selbst sein Überleben zu sichern. Für Tikkirej bricht eine Welt zusammen und ihm ist klar, dass er nicht mehr auf seinem Heimatplaneten leben will. Also heuert er auf einem Raumtransporter als Modul - die Vernetzung seines Gehirns mit dem Bordcomputer - an und erhofft sich, auf einem wirtlicheren Planeten zu landen. Er gelangt nach Neu-Kuweit und lernt dort den Kapitän Stasj kennen. Doch auch hier kann Tikkerej nicht lange bleiben, denn die Bewohner des Planeten Inej greifen Neu-Kuweit an. Stasj entpuppt sich als ein Mitglied des Sternenritter-Ordens der Phagen und nimmt Tikkerej mit nach Avalon. Auch weiht er den Jungen in die Geheimnisse der Phagen ein, zu denen auch ihre mächtige und geheimnisvolle Waffe, das Schlangenschwert, gehört. Bei diesem Schwert, das eher einer Peitsche ähnelt, handelt es sich um eine halb lebendige Waffe, die mit ihrem Träger verschmilzt. Schlangenschwerter suchen sich ihren Träger selber aus und einmal angeschlossen, behalten sie ihre Macht nur so lange, wie auch ihr Träger lebt. Durch eine Laune des Schicksals schließt sich eine solche Waffe Tikkerej an. Von nun an hilft er den Phagen als Spion und kehrt zurück nach Neu-Kuweit. Dort soll er Informationen über die Pläne der Machthaber von Inej sammeln. Doch was steckt wirklich hinter dem Auftrag der Phagen?

Sergej Lukianenko beweist mit diesem Roman einmal mehr sein Können. Bereits in seinem Prolog schafft er es, dem Leser die bedrückenden und traurigen Lebensumstände von Tikkerej vor Augen zu führen. Diese Situation bessert sich keineswegs, als es dem Jungen gelingt, von seinem Heimatplaneten auszuwandern und ein neues Leben zu beginnen. Immer wieder holen ihn tragische Ereignisse ein, lassen ihm scheinbar keine Gelegenheit, ein Leben wie ein ganz normaler Teenager zu führen. Oft fragt sich der Leser, ob Tikkerej überhaupt glücklich sein und eine unbeschwerte Kindheit genießen darf. Zu schnell musste er erwachsen werden und lernen, Verantwortung zu übernehmen. So traurig dies auf den Leser wirkt, so stolz ist man auch auf die Leistung des Jungen. Er verschließt nicht die Augen vor dem Leben, ist zwar oft naiv - was man im Alter von 13 Jahren auch sein darf -, lernt jedoch sehr schnell, für sein Handeln Verantwortung zu übernehmen.
Schon sehr bald wird dem Leser auffallen, dass sich Sergej Lukianenko mit seinem Roman an einigen anderen Werken verschiedenster Genre orientiert. So erinnert die umgangssprachliche Bezeichnung für die Phagen Dschedai sehr an Star Wars, ebenso die zentrale Waffe des Buches, das Schlangenschwert, an Indiana Jones Peitsche. Jedoch sollte man dies nicht als Kopieren oder Einfallslosigkeit abwerten, denn der Autor bringt durchaus sehr viele eigene Ideen und Kreativität in sein Werk ein. Interessant sind auch die Anspielungen und das "auf die Schaufel nehmen" gegenwärtiger Gesprächsthemen, wie beispielsweise der katholische Dschihad oder die Vielehe auf dem Planeten Neu-Kuweit, auf dem ein Mann bis zu drei Frauen heiraten darf.
"Das Schlangenschwert" ist ein Buch, das man nicht eindeutig einer bestimmten Altergruppe oder einem Genre zuordnen kann. Geführt wird es als Jugendroman, was es aufgrund seiner Sprache durchaus ist. Besonders zu Beginn wird dies sehr deutlich. Doch im Verlauf der Handlung wächst nicht nur der Protagonist an seinen Erfahrungen, auch die Sprache verändert sich, reift mit dem Jungen heran. Somit werden also nicht nur Jugendliche sondern auch Erwachsene Spaß am Lesen haben.
Gleiches gilt auch für das Genre. Zu sagen, es ist nur Fantasy oder nur Science-Fiction, ist oberflächlich und unzutreffend. Vielmehr ist es eine gute Mischung aus beiden Genres.

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Zusammengefasst ist "Das Schlangenschwert" ein weiterer ausgezeichneter Roman aus der Feder Sergej Lukianenkos. Mit ihm beweist der russische Schriftsteller einmal mehr, dass er zu Recht zu den Top-Autoren in den Bereichen Fantasy und Science-Fiction gezählt wird. Daher kann ich dieses Buch nur weiterempfehlen!

Details

  • Autor/-in:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    02/2007
  • Umfang:
    639 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • ISBN 13:
    9783407809933
  • Preis:
    19,9 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
    Keine Bewertung
  • Gewalt:
  • Gefühl:
    Keine Bewertung
  • Erotik:
    Keine Bewertung

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