Arrion

von Tanja Rast
Rezension von Stefan Cernohuby | 14. Januar 2016

Arrion

Der Tod ist die Grenze, an der unsere Wahrnehmung der Existenz endet. Auch wenn verschiedene Weltreligionen behaupten, eine Antwort auf das Mysterium danach gefunden zu haben, ist nicht klar, was beim Übergang passiert. Dies gilt allerdings nicht für fiktive Fantasywelten. Denn in Tanja Rasts Roman „Arrion“ gibt es sogar eine Berufsgruppe, die sich darum kümmert, dass ruhelose Seelen ins Jenseits finden.

Geistersängerin Neve streift nach der Trennung von ihrer Mutter durchs Land, um wie diese gequälten Seelen beim Verlassen dieser Welt zu helfen. Denn Schuld, Wut, Hass und Liebe sind Gefühle, die selbige davon abhalten können, die nächste Welt zu erreichen. Für diese verlorenen Seelen singt Neve ihr Lied und ermöglicht ihnen so, loszulassen. Als sie jedoch die ehemalige Festung von Kyelle betritt, in der eine Seele ungewöhnlich stark nach Erlösung ruft, hat sie keine Ahnung, dass dies ihr Leben für immer verändern wird. Denn sie trifft auf den ehemaligen Beschützer der Festung, den Ritter Arrion. Im Gegensatz zu anderen Seelen ist er jedoch kein verwaschener oder durchsichtiger Fleck, er wirkt völlig real, wenngleich er von anderen Menschen nicht wahrgenommen wird. Als sie angegriffen wird, wird er plötzlich stofflich und kommt ihr zur Hilfe. Und als sie für ihn singt, löst er sich nicht auf, stattdessen begleitet er sie als Beschützer auf ihrer Reise. Das wird auch schnell notwendig, als sie daraufhin von Schergen des Herrschers verfolgt wird, dessen besten Schutz gegen Angreifer sie abspenstig gemacht hat. Und gleichzeitig beginnt sie sich trotz der ruppigen, von sich eingenommenen Art in Arrion zu verlieben. Denn der Geist ist ein Bild von einem Mann, gebaut wie ein Hengst, er versprüht genug Testosteron für drei Männer – nur ist er leider eben tot. Und wenn sie einander zu nah kommen – was er permanent versucht – stinken sie für einander nach fauligem Fisch und fühlen sich glibberig und kalt an. Und doch haben sie gemeinsam ein Schicksal zu erfüllen...

In einer Welt, in der Geistersängerinnen geschätzte Mitglieder der Gesellschaft sind, die ihr Wissen stets an ihre Töchter weitergeben und sich die Männer um selbige zu zeugen einfach selbst suchen, könnte man meinen, dass Emanzipation großgeschrieben wird. Doch nicht jeder respektiert die Rolle, geschweige denn Frauen. Und auch Arrion ist ein Musterbeispiel eines Machos, der nie genug Frauen haben kann – oder besser konnte. Die Geschichte funktioniert trotzdem. Sie ist spannend und kurzweilig. Die düsteren Pläne, denen die beiden im Laufe der Geschichte auf die Spur kommen, sind angemessen böse und auch das Erforschen der stärker werdenden Fähigkeiten von Neve ist gut beschrieben. Allerdings bewundert sie sehr oft Arrions toll entwickelten Muskeln, die breiten Schultern und die kleinen Härchen in der Bauchnabelgegend. Und wenn es für das ganze Buch ein „Unwort“ zu benennen gäbe, ist es das „Fischproblem“. Von den leichten erotischen Problemen sollte man sich aber nicht abschrecken lassen, denn das Werk ist trotzdem lesenswert. Man fragt sich von Beginn an, welche Wendung die Geschichte nehmen wird und ob es überhaupt ein gutes Ende geben kann. Wer herausfinden will ob dem so ist, der muss den Roman selbst lesen.

„Arrion“ von Tanja Rast ist ein Fantasyroman mit einigen romantisch-erotischen Untertönen. Er ist trotzdem spannend, unterhaltsam und in einer glaubwürdigen und durchdachten Welt angesiedelt. Insofern kann er allen Fans des Genres empfohlen werden, die sich nicht am oftmaligen Erwähnen von Fischgeschmack stören. Denn abgesehen von diesem kleinen Detail ist das Werk wirklich empfehlenswert.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Genre:
  • Erschienen:
    08/2015
  • Umfang:
    320 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • ISBN 13:
    9783958692114
  • Preis:
    12,90 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Gewalt:
  • Gefühl:
  • Erotik: