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They Might See Dolphins

von Shane Ó Fearghail
Rezension von Stefan Cernohuby | 19. Juli 2016

They Might See Dolphins

Es gibt viele Dinge, die man im Alltag der Großstadt normalerweise sieht. Autos, Häuser, Straßenbahnen, denen einen oder anderen Baum und ab und zu einen Hund. Delfine gehören in der Regel nicht zum gewohnten Anblick von Städtern. Doch Shane Ó Fearghail hat mit dem Titel seines neuen Albums auch gleichzeitig eine Behauptung aufgestellt. „The Might See Dolphins“ lautet selbiger. Wir haben uns dem Selbstversuch unterzogen.

Shane Ó Fearghail ist ein irischer Singer-Songwriter aus der Nähe von Dublin, der sein erstes Album „The Watcher & The Comet“ unter dem Namen „Caruso“ veröffentlicht hat. Vier Jahre später erschien sein zweites Album „Everything You Need Is Here“ bereits unter seinem eigenen Namen. Nachdem er seinem Vierjahreszyklus treu geblieben ist, ist das neue Album „They Might See Dolphins“ mit Hilfe einer Crowdfunding-Finanzierung in Passau und Wien aufgenommen worden. Auf ihm findet man elf Songs, die man stilistisch aufgrund unterschiedlicher Einflüsse schwer einordnen kann. „Alternative Folk“ trifft es allerdings ganz gut.

Leichtfüßig und durch zahlreiche Background-Sängerinnen unterstützt, beginnt der Tonträger mit „Forever on Your Side“. Ein perfektes Lied, um negative Stimmung abzubauen.
Nicht ganz so euphorisch geht es in „Read Between the Lines“ zu. Das ist wohl dem Thema des Liedes geschuldet, das auch durch Streicher unterstützt wird.
Man sollte meinen, dass ein Lied, in dem die Phrase „Stop pushing me“ fällt, wenig gute Stimmung verbreiten kann. Doch das Gegenteil ist der Fall. Schon der einsetzende Rhythmus lässt den Hörer mitwippen, Gitarre und der Text mit kreativ eingesetzter Reimform machen das Lied zu einem Höhepunkt des Albums.
„Elastic“ lässt dann entgültig die Mundwinkel nach oben zucken. Wenn es um ein Mädchen und sein Fantasielieder geht, die vom Wunsch handeln, auch in einer Welt voller Plastik elastisch zu sein – kann man einfach nicht schlecht gelaunt bleiben.
Wenn die ersten Klänge zu „Know Where to Start“ erklingen, glaubt man sich in ein einem traurigen Popsong zu befinden, den man bereits irgendwo im Radio gehört hat. Stimmlich und gesanglich erinnert das Lied im Dreivierteltakt an einige langsamere Nummern von Mick Hucknall, jedoch ohne dessen Hang zum Bombastischen. Definitv ein weiteres Highlight auf diesem Album.
Etwas offensiver ist der Grundton in „Gael (Stand up and Be Counted)“. Aber nachvollziehbar, denn es gibt genügend Gründe, um für etwas aufzustehen - auch wenn es heutzutage die wenigsten tun.
„Let’s leave alone“ ist ruhig, getragen und ein wenig traurig, bleibt aber nicht so im Ohr hängen wie „The Last Trees“, dessen Melodie sich sofort festsetzt. Denn obwohl das Lied eigentlich kein fröhliches Thema hat, kann man sich dem Rythmus nicht entziehen.
Ein Ausflug in ganz andere Gefielde ist „Chalk“. Trotz des Einsatzes traditioneller Folk-Instrumente ist ein Song entstanden, deren Charakter beinahe eine Mischung aus „Muse“ und „Placebo“ darstellt. Ein Lied mit überraschendem aber angenehmem Gänsehaut-Feeling.
Irische Stimmung verbreitet dagegen wieder „Faerie Tree“, sowohl aufgrund der im Lied erzählten Geschichte, aber auch wegen der irischen Begriffe, also in „Gaeilge“, wie der einheimische Term lautet. Das ist das Lied, das man als ehestes als klassischen Folk bezeichnen würde.
Das Werk schließt mit der traurigen Ballade „As I lay down“, die sehr langsam im Raum verklingt und sich dabei knapp sieben Minuten Zeit lässt.

Die Frage welche Musik er eigentlich mache, beantwortete Shane Ó Fearghail uns mit einem nachdenklichen Gesichtsausdruck. Er sagte „World Music, and a bit Irish Folk“. Das trifft den Stil des Albums relativ gut. Man erkennt anhand seiner Musik die Wurzeln des irischen Künstlers. Sie findet sich in zahlreichen Elementen wieder, aber das Album geht mit seinen unterschiedlichen Facetten weit über klassische irische Musik hinaus. Man spürt Einflüsse unterschiedlicher musikalischer Strömungen, die er allesamt verarbeitet hat, obwohl wir keine Delfine gesehen haben. Seine Stimme schafft es einerseits Geschichten zu erzählen, andererseits auch durch ihre Präsenz zu fesseln. Und auch ohne die Vorgänger zu „They Might See Dolphins“ zu kennen ist der Tonträger ein Album, das man bedenkenlos empfehlen kann.

„They Might See Dolphins“ ist das dritte Studio-Album von Shane Ó Fearghail, einem irischen Künstler mit Wahlheimat Wien. Ein Tonträger, der zwar irische Einflüsse aufweist, aber dennoch eine viel größere Bandbreite an musikalischen Genres bereist. Da wir überraschend zu diesem Album gekommen sind, freuen wir uns umso mehr, dieses nun ohne Einschränkungen empfehlen zu können. Hier lohnt sich der Sprung ins kalte Wasser.

Tracklist

1. Forever on Your Side
2. Read Between the Lines
3. Push
4. Elastic
5. Know Where to Start
6. Gael (Stand up and Be Counted) [Explicit]
7. Let's Leave Alone
8. The Last Trees
9. Chalk
10. Faerie Tree
11. As I Lay Down

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