Werwölfe

von Ted Alspach
Rezension von Stefan Cernohuby | 01. Oktober 2009

Werwölfe

Kreaturen aus Mythologien können sich entweder in der modernen Zeit durchsetzen, oder sie verschwinden beinahe völlig aus dem Gedächtnis der Menschen. Im Gegensatz zu vielen anderen Wesen hat sich der Werwolf fest einen Platz in unseren Erinnerungen erkämpft. In den Reihen verschiedener grusliger Monster, die auch in Filmen behandelt werden, befindet er sich gemeinsam mit Vampiren, Zombies und Mumien ganz weit vorne. So ist es auch kein Wunder, dass Spiele die sich Werwölfen widmen, mitunter recht häufig und auch ähnlich erscheinen. Das uns vorliegende Exemplar stammt von Pegasus Spiele und trägt den schlichten Titel "Werwölfe".

Das grundsätzliche Spielprinzip ist denkbar einfach. Es benötigt einen Moderator, eine Gruppe "normaler" Leute - also die Dorfbevölkerung -, eine Seherin und natürlich die Bösewichte: Die Werwölfe. In verschiedenen Phasen kommen nacheinander die Wölfe, die Seherin und dann die ganze Dorfbevölkerung an die Reihe. Getrennt werden die Phasen dadurch, dass alle Spieler auf Aufforderung ihre Augen schließen müssen. Die Wölfe suchen sich immer ein Opfer aus, das getötet werden soll. Dabei deuten sie stumm auf die betreffende Person, was der Moderator notiert. Die Seherin versucht hingegen herauszufinden, wer die Werwölfe sind. Jede Runde deutet sie auf einen der Dorfbewohner und kann so seine Aura lesen. Am Tag, also wenn alle wach sind, wird darüber beratschlagt, wer potentiell ein Werwolf zu sein scheint. Die Bevölkerung stimmt darüber ab und lyncht den Verdächtigen. Gewonnen hat dann je nach Fortschritt jene Gruppe, die am Schluss überlebt. Also entweder die Wölfe, die alle Einheimischen töten konnten, oder aber die Dorfbewohner, die rechtzeitig vor ihrer Auslöschung alle Wölfe eliminieren konnten.
Da dies aber relativ einfach ist und nicht unbedingt den Kauf eines Spiels rechtfertigen würde (die für diese Spielvariante notwendigen Utensilien kann man in fünf Minuten selbst herstellen), würde das "Werwölfe", das laut eigener Angabe auf einem traditionellen russischen Volksspiel aufsetzt, natürlich etwas erweitert. So erhalten die Spieler auch Karten, die sie als besondere Dorfbewohner ausweisen. Diese haben bestimmte Vor- oder Nachteile, arbeiten auf ein eigenes Ziel hin oder versuchen sogar, von anderen Spielern getötet zu werden. Eine alte Vettel verflucht gerne Nachbarn, die sie nicht mag, eine Lykanthropin trägt schlafende Werwolfgene in sich und ein Gerber gewinnt nur wenn er getötet wird und ein Liebespaar versucht gemeinsam zu überleben. Selbst wenn es sich dabei um einen Werwolf und einen Menschen handelt. So wird die ganze Materie etwas komplexer und die Spielziele sind nicht ganz so einfach zu erreichen, wie ursprünglich gedacht - denn schließlich gibt es dann auch mehrere.

Wem das Spiel irgendwie bekannt vorkommt und in seinem Schrank kramt, um nach "Die Werwölfe von Düsterwald" zu suchen, der kann sich die Mühe sparen. Das Spiel klingt nicht nur ziemlich ähnlich, es handelt sich tatsächlich in groben Zügen um dasselbe. Erklärt wird das damit, dass die Vorlage (wie schon erwähnt) ein russisches Volksspiel ist und dementsprechend Allgemeingut darstellt, wodurch es auch keine Probleme mit dem Urheberrecht geben kann. Ob man sich dieser Schlussfolgerung anschließt oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen. Auf jeden Fall rücken das Spielprinzip und der Spielspaß ins Zentrum des Interesses und nicht die übersetzte Variante einer schottischen Abwandlung desselben. Das Spiel selbst ist für eine große Gruppe an Spielern geeignet. 5 bis 68 Spieler können sich am Spaß beteiligen. Die kurz beschriebene einfache Variante ist gut dazu geeignet, Erstspieler an den Spielmechanismus zu gewöhnen. Hat man schon einmal eine Partie gespielt, fällt es nicht schwer, sich an die kompliziertere Variante zu gewöhnen. Allerdings sollte man als Moderator definitiv einen erfahrenen Spieler bestimmen, sonst kann die Angelegenheit sehr schnell in ein gewaltiges Chaos ausarten.
Die verschiedenen Charaktere mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten können das Spiel zwar trotzdem ziemlich verkomplizieren, doch das wird durch die unterhaltsamen Situationen, die dadurch entstehen, mehr als aufgewogen. Ob Bürgermeister, Leibwächter, Freimaurer oder Liebespaar - jedes zusätzliche Element bringt auch zusätzlichen Spielspaß. Allerdings wurde in diesem Fall ein Spiel mit maximal 14 Spielern getestet. Wie sich eine Partie mit 68 Leuten tatsächlich spielen lässt, ist zumindest ein wenig fraglich. Zudem ist die Chance natürlich auch höher, dass jemand schummelt. wenn es mehr Spieler gibt. Ein wenig Vertrauen ist also unabdingbar. Schlussendlich kann man aber sagen, dass man für einen vergleichsweise bescheidenen Preis ein wirklich gutes Spiel erhält, dem voraussichtlich auch einige Erweiterungen folgen werden.

"Werwölfe" von Ted Alspach, das bei Pegasus Spiele erschienen ist, stellt eine Neuinterpretation eines klassischen russischen Spiel dar, das sich von einigen ähnlichen Erscheinungen nicht allzu sehr unterscheidet. Trotzdem ändert das nichts am Spaßfaktor des Spiels. Wer eine große Gruppe an Gästen hat und ein unterhaltsames und spannendes Spiel aus dem Schrank zaubern möchte, liegt bei "Werwölfe" auf keinen Fall falsch.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    04/2009
  • Umfang:
    diverse Karten
  • Typ:
    Spiel
  • ASIN:
    3939794252
  • Spieldauer:
    30-90 Minuten

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Spieltiefe:
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