Europa isst vegan

von Mark Reinfeld
Rezension von Janett Cernohuby | 23. Juni 2015

Europa isst vegan

Der vegane Lifestyle hat uns voll im Griff. Ein veganes Café nach dem anderen schmückt die Straßenbilder; vegane Supermärkte öffnen ihre Türen, Yoga Conventions mit veganer Gastronomie locken Besucher und selbst der Einkaufsmarkt um die Ecke hat wenigstens ein kleines Regal mit veganen Produkten. Kaum einer kann sich der veganen Welle entziehen, die Europa gepackt hat. So ist es kein Wunder, wenn wir seit Neuestem in den Regalen der Buchhandlungen ein Kochbuch mit dem Titel "Europa isst vegan" finden

Vegan ist In, Vegan ist chique und Vegan kochen gar nicht so schwer, wie man meint. Schon der alte Pythagoras predigte seinen Schülern die vegetarische Ernährungsweise - wenn man dem Vorwort des Autors blind glaubt, und auch "coole Typen" wie Leonardo da Vinci, Pierre Gassendi oder Thomas Tryon fanden Gefallen an der Veggie-Szene. Und wie sieht die moderne, vegane Küche Europas heute aus? In einem Streifzug von Italien nach Frankreich, über Spanien und Portugal nach Großbritannien und Irland, zurück nach Griechenland und Deutschland und quer durch das restliche Europa erhalten wir einen vielseitigen, tiefen Einblick in die fleischlose Küche unseres Kontinents. Gnocchi, Minestrone, Schoko-Haselnuss-Crêpes, Lavendeltrüffel, Gazpacho, Virgin Sangria, Tapas, Irish Stew, Käsetoast, Baked Beans auf Toast, gefüllte Weinblätter, Gyros, Deutscher Kartoffelsalat, Bratwurst mit Sauerkraut, Borschtsch, Polnische Wurstsuppe, Kohlrouladen, Böhmische Obstknödel oder grüne Smoothies lassen nicht nur jedem Veganer das Wasser im Mund zusammenlaufen, sondern machen auch Lust, sofort nachgekocht zu werden.

Vegan essen bedeutet keineswegs Verzicht. Das predigt die vegane Szene immer wieder und wird in diesem Kochbuch bewiesen. Denn hier finden sich zahlreiche Rezepte, deren fleischliche Namen erst einmal gar nicht vegan klingen. Doch ein Blick in die betreffenden Rezepte zeigt, dass man hier auf Fleischersatz wie Tofu oder Tempeh zurückgreift. Vegane Wurst gibt es schon lange und so muss man wirklich auf nichts verzichten - außer den echten Fleischgeschmack. Aber bekanntlich schmecken die veganen Alternativen ja viel besser.
Und so bietet das vorliegende Kochbuch nicht nur 150 Spezialitäten aus unterschiedlichen europäischen Küchen, es zeigt auch auf, wie man klassische und traditionelle Fleischgerichte vegan nachahmen kann. Und wie schaut es mit neuen Rezepten aus? Bisher noch nicht dagewesene Gerichte, die nicht etwas nachmachen wollen, sondern mit einem neuen Geschmack überraschen wollen? Sie gibt es auch im Buch, doch können sie leicht übersehen werden. Das ist schade, denn gerade hierin, in der Verwendung von Gemüse und Obst liegt eigentlich ihre Stärke, und nicht im Imitieren von Fleisch, um lediglich mehr Fans für seinen Lifestyle zu gewinnen. Doch wirkliche Offenbarungen bleiben aus. Bei diesem Buch steht eindeutig die Quantität im Vordergrund. Möglichst viele Rezepte zusammentragen, aus möglichst vielen Ländern.
Die Gerichte selbst sind leicht nachzukochen. Natürlich benötigt man für sie die typischen veganen Lebensmittel, die man am besten im veganen Supermarkt besorgt. Hier hat man alles zusammen und muss nicht lange danach suchen.
Die Anleitungen zu den unterschiedlichen Rezepten sind gut strukturiert. Eine Liste zeigt an, welche Zutaten benötigt werden. Daneben erklärt eine schrittweise Anleitung, wie man das Gericht zubereitet. Koch- und Garzeiten sowie Temperaturen sind immer angegeben und oftmals runden Empfehlungen des Chefkochs oder mögliche Variationen die Rezepte ab. Es gibt nicht nur Speisen im Buch, die von Vorsuppen über Hauptgerichte bis hin zu kleinen Snacks reichen, sondern auch Getränke. Ein Aufstellung zu den veganen Spezialprodukten, Kräuter- und Gewürzkunde, Tipps und Tricks und wissenswertes über vegane Weine und Biere runden das Buch ab.

"Europa isst vegan" ist somit eine umfangreiche Sammlung von fleischlosen Spezialitäten aus Italien, Frankreich, Deutschland, Griechenland und zahlreichen anderen europäischen Ländern. Es sind einfach nachzukochende Gerichte, wenngleich sie oftmals traditionelle Fleischgerichte nachahmen, anstatt neue, innovative Ideen zu liefern. Für eingefleischte Veganer ist dieses Buch aber ein wichtiges Standardwerk, an dem sie nicht vorbeigehen sollten.

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