Atlas literarischer Orte


Von Wunderland bis Mittelerde
von Cris F. Oliver, Julio Fuentes (Illustration)
Rezension von Stefan Cernohuby | 27. März 2019

Atlas literarischer Orte

Man kann sich nicht überall auskennen. Beziehungsweise braucht man manchmal einen gewissen Ansatzpunkt um sich zu erinnern, wie ein bestimmtes Land oder eine Stadt aussehen oder was ihre Sehenswürdigkeiten sind. Nicht anders verhält es sich um phantastische und literarische Orte. Wer kann schon aus dem Stegreif über die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Narnia oder die Geschichte von Oz dozieren? Und es gibt schließlich noch mehr literarische Orte. Viele von ihnen findet man im „Atlas literarische Orte – Von Wunderland bis Mittelerde“.

Warum war das Jahr 1984 nicht ideal und wo muss man hin, wenn man es bereisen will? Warum sollte man bei einer Reise zum Mittelpunkt der Erde besser feuerfest sein? Und wo bekommt man es mit fliegenden Affen und dutzenden Romanen zu tun? Dies sind Fragen, die schon in den ersten Abschnitten des Buchs beantwortet werden. Genauso erhält man Informationen darüber, wie man nach Nimmerland kommt, welches Stockwerk in Willy Wonkas Schokoladenfabrik man besser nicht besuchen sollte und welche Katze eines Wunderlands man vermutlich irgendwann einmal unvermeidlich treten möchte. Einige Kapitel überspringend kann man Asteroiden sehen, auf denen man Vulkane gründlich kehren sollte, lange Fahrten zu feurigen Bergen, an die Grenzen von Phantásien und in Magierschulen unternehmen, durch Wandschränke treten, opiumsüchtige Detektive besuchen, langzöpfige Mädchen treffen, eine Höhle voller Fledermäuse aufsuchen und vieles mehr.
Die Inhalte sind eine Zusammenstellung aus Prosa, Beschreibung, Geschichtsinformationen und amüsanten Anekdoten. Immer wieder gibt es Blöcke mit Wissenswerten, zum Teil vergleichbar mit dem Angeberwissen anderer Sachbände, und Illustrationen, die man gleichermaßen als Karte, wie auch als Kunstwerke interpretieren könnte und wohl auch sollte.

Atlas literarischer Orte

Natürlich wissen Tolkien-Experten mehr über Mittelerde, als sich in diesem Band befindet. Und auch Batman-Fans kennen die Geschichte ihres dunklen Ritters genauer. Aber irgendwo bei Aslan hört dann das Wissen eines Narinia-Quereinsteigers auf. Und vielleicht hat man gewisse „Bis(s)“-Geschichten nie gelesen, möchte aber dann doch verstohlen etwas über die Welt herausfinden? Wem musste man die Tribute in Panem eigentlich entrichten? Das kann man sich sowohl auf den Illustrationen, die alle in Blau und Rot gehalten sind, beziehungsweise noch das Weiß der Seite besitzen, näher ansehen. Und man kann weitgehend ernst gemeinte aber dennoch amüsant verfasste Texte dazu lesen und sich wichtige „Bullet Points“, mit denen man in Gesprächen zur Materie auftrumpfen könnte, merken. Warum hat Arthur Conan Doyle Holmes getötet? Wie schreibt man in Lilliput? Und wie sieht es in Tinkerbells Privatgemach aus? Alles Informationen, die man aus diesem Werk von Cris F. Oliver ziehen kann, das durch die bereits erwähnten Illustrationen von Julio Fuentes kongenial ergänzt werden. Das macht das Werk nicht nur für jene interessant, die sich ohnehin in den meisten literarischen Welten zurechtfinden, sondern auch für diejenigen, die das Werk als Kunstwerk sehen oder einen allgemeinen Eindruck verschiedener literarischer Welten gewinnen wollen, um herauszufinden, welche wohl für sie am besten geeignet wäre. Sehr empfehlenswert.

Atlas literarischer Orte

Cris F. Oliver und Julio Funtes haben mit dem „Atlas literarischer Orte“ ein Werk geschaffen, das man unterschiedlich verwenden, interpretieren und auch mögen kann. Wissenswertes zu den bekanntesten literarischen Welten wird ergänzt durch kunstvoll gestaltete und etwas alternativ wirkende in Rot und Blau gehaltene Illustrationen. Letztendlich ist das Buch ein Quell des Wissens und der Lesefreude gleichermaßen, weswegen man es bedenkenlos empfehlen kann.

Atlas literarischer Orte

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Bewertung

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