Wählt Loki

von Langdon Foss, Paul McCaffrey (Illustration)
Rezension von Stefan Cernohuby | 29. August 2017

Wählt Loki

Wie wäre es, wenn die USA einen Präsidenten hätte, der gewissermaßen immer lügt, wenn er nun den Mund aufmacht? Einen Präsidenten, der sich nicht darum schert, wie Parteipolitik gemacht wird. Was wäre, wenn die USA einen Präsidenten hätten, der eine ganz eigene Vorstellung internationaler Politik hätte und mit den Medien im Dauerzwist läge? Einen Präsidenten wie Loki, den Prinz der Lügen! Wer jetzt einen anderen Namen erwartet hätte, hält uns vermutlich für Fake News. Traurig.

Als Loki nach einer Rettungsaktion von einer Reporterin gefragt wird, welchen Kandidaten für die US-Wahl er wählen würde, lautet seine Antwort, beide wäre Lügner. Angesichts der Tatsache, wer diese Äußerung tätigt, nagelt ihn die Reporterin fest und schlägt ihm vor, doch selbst für das höchste Amt des Landes zu kandidieren. Kurz entschlossen stimmt Loki zu, denn seine aktuelle Inkarnation ist tatsächlich in Amerika geboren und darf sich den Wählern stellen. Das löst vor allem unter Superhelden nicht unbedingt Begeisterung aus. Doch Loki verspricht, Amerika wieder gesund zu machen. Als er sich jedoch plötzlich für unpopuläre Politik stark macht und andere Nationen vor den Kopf stößt, nimmt man an, dass sein Stern sinken würde. Doch das tut er nicht. Bis irgendjemandem auffällt, dass Loki nur alles anders machen will, aber keinen wirklichen Plan hat. Dann verliert er – dann MUSS er verlieren. Denn wie wäre das, wenn ein Lügner ohne Plan, ohne Ahnung und vor allem ohne jeglichen Anstand Präsident der Vereinigten Staaten würde. Undenkbar, oder?

Natürlich ist das Werk reine Fiktion, liebe Leser, glaubt uns. Denn es ist wohl sehr weit hergeholt, dass jemand aus Lust am Unruhestiften, einem übersteigerten Ego und einem charismatischen und überzeugenden Äußeren für die amerikanische Präsidentschaft kandidiert. Gott sei Dank! Obwohl Loki ja ein Gott ist und in den USA Religionsfreiheit herrscht. Autor Christopher Hastings hat diese völlig an den Haaren herbeigezogene Geschichte erdacht. Ein guter Mann, auch wenn er hier etwas dick aufträgt. Wer würde schon jemanden unterstützen, der sich vor laufenden Kameras über eine Reporterin lustig macht und toleriert, dass Männer in Kapuzen seltsame Rituale in seinem Namen durchführen? Lächerlich. Die Illustrationen von Langdon Foss und Paul McCaffrey ergänzen die Geschichte hervorragend und sind gewissermaßen das letzte Trumpf-Ass des Comic. Man kann nur froh sein, dass sich Clowns wie Loki am Ende immer zurückziehen und nie an der Spitze eines Staates auftauchen. Sonst wäre die Welt am Ende. Period.

Liberal, überparteilich, gerecht und ehrlich. Nichts davon wäre Loki, wäre er Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, selbst wenn er es vorher versprochen hätte. So kann man nur froh sein, dass „Wählt Loki“ einfach nur ein witziges Stück Phantastik ist, das im Marvel-Universum angesiedelt ist. Denn niemand braucht einen notorischen Lügner an der Spitze eines Staats. Das könnt ihr uns glauben.

Details

Bewertung

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