Rocky Beach


Eine Interpretation
von Christopher Tauber, Hanna Wenzel
Rezension von Stefan Cernohuby | 24. November 2020

Rocky Beach

Bei manchen Orten ist nicht ganz klar, wie sie eigentlich zu ihrem Namen kommen. Und manchmal wird ein solch offensichtliches Geheimnis erst viele Jahre nach der ersten Verwendung des Begriffs aufgeklärt. Wobei es sich bei „Rocky Beach“ um eine Interpretation der möglichen Zukunft eines der größten Detektivtrios der Geschichte handelt. Christopher Tauber und Hanna Wenzel haben ein Noir-Abenteuer erschaffen, dass sich definitiv an Erwachsene richtet,

Eine fremd gewordene Heimatstadt

Rocky Beach hat seine beste Zeit hinter sich. Krumme Geschäfte blühen an allen Ecken und Enden, die Polizei ist nur zu oft darin involviert. Als Peter Shaw, seines Zeichens Versicherungsagent, zurück nach Rocky Beach kommt um dort einen mutmaßlichen Versicherungsbetrug aufzuklären, erkennt er seine frühere Heimatstadt kaum. Alles ist heruntergekommen, er erkennt so gut wie niemanden mehr. Bob Andrews kommt aus anderen Gründen zurück nach Rocky Beach. Er ist Drehbuchschreiber einer Krimireihe namens „Crime Watch“ und hätte gerne eine Folge in seiner Heimatstadt. Dort wird er von der Polizei aber nicht gerade willkommen geheißen. Der einzige, der in der Stadt geblieben ist, ist Justus Jonas, der eine Buchhandlung übernommen hat und dort offenbar eine Nische gefunden hat, in welcher er nicht gestört wird. So richtig glücklich wirkt er jedoch auch nicht. Insbesondere als sich Bob in ihre alte Zentrale schlecht, die jetzt auf dem Grundstück eines Gangster-Clans vor sich hin rostet. Als es um verschwundene Bürgerrechtler und potenzielle Selbstmorde geht, spitzt sich die Lage zu und die drei Freunde müssen noch einmal Detektiv spielen. Doch diesmal wird scharf geschossen.

Rocky Beach

Ein Comeback nach vielen Jahren

Themen, die in der Reihe „Die drei ???“ kaum bis gar nicht behandelt wurden, waren Alkoholismus, Sex und Medikamentenmissbrauch – zumindest nicht hinsichtlich seiner Protagonisten. Doch in der vorliegenden Graphic Novel, die rein in Schwarz und Weiß gehalten wurde, ist alles anders. Viel Zeit ist vergangen, viel passiert. Drei Freunde haben sich auseinandergelebt, unterschiedliche Entscheidungen im Leben getroffen und Fehler gemacht. Einer ist am Leistungsdruck gescheitert, der andere dem Alkohol zugetan, der dritte schluckt Pillen wie andere Süßigkeiten. Hier stellt sich für alle die Charakterfrage: Ist von den drei Detektiven genug übrigen, um noch einmal Ordnung ins Chaos zu bringen, Spuren zu folgen und einen Kreislauf aus Gewalt und Tod zu durchbrechen? Man ahnt es irgendwie.
Spannend ist, dass der Autor es sich nicht nehmen lässt, sowohl Elemente der originalen englischsprachigen Serie aufzugreifen, als auch der deutschsprachigen Übersetzungen. Die Illustrationen von Hanna Wenzel sind eckig, kantig und der Geschichte angemessen. Das ganze ergibt eine Graphic Novel, die sich an all jene Erwachsenen richtet, die in ihrer Jugend gerne von den drei Detektiven in Rocky Beach gelesen haben. Das Ergebnis ist toll, aber dennoch ein harter Bruch mit der Vergangenheit. Allerdings passiert dies weit besser als jene Vergangenheitsbewältigung eines österreichischen Autors, der Ähnliches versucht hat.

Rocky Beach

„Rocky Beach“ mit dem Untertitel „Eine Interpretation“ von Autor Christopher Tauber und Illustratorin Hann Wenzel wirft drei Protagonisten zurück in die Stadt ihrer Kindheit, als sie dort als bekannte Detektive tätig waren. Doch vieles ist anders. Gewalt, Blut und Korruption stellen sie vor weit größere Probleme als in ihrer Kindheit. Die fraglos gelungene Umsetzung könnte es den Lesern jedoch schwermachen, sich wieder an die Bücher aus ihrer Kindheit zu wagen.

Details

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Gewalt:
  • Gefühl:
  • Erotik:
  • Illustration:

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