Kings and Crosses

Kings and Crosses


Voluntas Tua
von János "Sinonimo" Mészáros, Levente "Levi" Németh (Illustration)
Rezension von Gabriel Zupcan | 09. Januar 2018

Kings and Crosses

Der Beginn des Hochmittelalters: eine Zeit, als sich große Königreiche konsolidieren, die später das Gesicht von Europa auf Jahrhunderte prägen werden. Doch auch die alten Stammesloyalitäten spielen nach wie vor eine Rolle und nicht jeder hat den christlichen Gott als den einzig wahren Gott akzeptiert.

Die ungarische Graphic Novel „Kings and Crosses“ entführt uns in das 11. Jahrhundert auf das Gebiet des neuen Königreiches Ungarn. Bevor noch Wilhelm der Eroberer England unterwerfen kann und Papst Urban II. zum Ersten Kreuzzug aufruft, entsteht ein Königreich, geführt vom Stamm der Magyaren in Mitteleuropa. Fürstensohn Stephan, der zukünftige erste König Ungarns, ist dabei das Land zu vereinen und seine Bewohner für das neu übernommene Christentum zu bekehren. Nicht alle sind bereit einfach so den alten Göttern abzuschwören, so auch ein alter Häuptling der Petschenegen. Als er sich nicht beugt, lässt Stephan ihn hinrichten. Der Stamm unter dem neuen Häuptling fügt sich dem magyarischen König und nimmt die neue Religion an. Es folgt ein Zeitsprung von 35 Jahren. Stephan ist in Konflikt mit dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, Konrad II. Eine Armee von Reichsrittern unter Konrads Sohn, dem Prinzen Heinrich wird in einem Sumpfgebiet von Ungarn verfolgt. Mit der Hilfe zweier petschenegischer Kundschafter, die ihre Loyalität für Geld verkaufen, gelingt es Heinrich jedoch aus dem Sumpfgebiet zu entkommen. Bei Wien stoßen die Armee des Reiches und die verfolgende Armee des Königreiches Ungarn unter Kronprinz Emmerich in einer Schlacht aufeinander, die das weitere Schicksal der Mächte entscheiden wird.
„Kings and Crosses“ steht in der Tradition europäischer, historischer Comics. Ein Genre das insbesondere unter franko-belgischen und italienischen Autoren sehr populär ist. In diesem Bereich ist „Kings and Crosses“ ein interessanter Ausreißer, weil es eine Perspektive und eine Epoche zeigt, die dem Leser im deutschen (und vor allem englischen) Sprachraum vermutlich nicht so vertraut ist. Ursprünglich ein Kickstarter-Projekt für den ungarischen Markt, erschien „Kings and Crosses“ ebenfalls auf Englisch und öffnete somit die Türen für internationale Rezeption. Die Graphic Novel kommt in edlem Hardcover daher und verfügt über eine eigene App. Mit dieser können Schauplätze und Charaktere aus dem Comic dreidimensional erweckt werden. Sie ist zum Verständnis der Handlung jedoch nicht notwendig.

Abseits davon ist „Kings and Crosses“ jedoch genre-typische Kost. Die handelnden Personen sind vor allem hohe Adelige und ihre jeweiligen Entouragen, die meisten davon sind echte historische Persönlichkeiten. Die Geschichte hält sich mit einigen Interpretationsfreiräumen sehr nahe an die historischen Ereignisse, was begrüßenswert ist, denn die Historie ist oftmals spannend genug, ohne dass man sie zusätzlich aus dramaturgischen Gründen verdrehen muss. Der Fokus wechselt zwischen den beiden sich bekämpfenden Seiten hin und her, ohne eine davon zu den Helden zu stilisieren. Bevor es jedoch wirklich spannend werden kann, ist der Band leider aus.
Die detaillierten Zeichnungen von Levi fangen die Zeit des frühen Hochmittelalters gut ein. Die Kleidung und Ausrüstung der Ritter ist historisch plausibel. Etwas schade ist es, dass die Kolorierung etwas zu sehr ocker-stichig gehalten wurde. Ein kräftiger Spritzer Farbe hätte dem mittelalterlichen Abenteuer auf keinen Fall geschadet.

Insgesamt erfindet „Kings and Crosses“ das Historiencomic nicht neu und bewegt sich auf vertrauten Pfaden. Aber es bietet ein Szenario, dass noch unverbraucht ist und viele Fans des frühen Hochmittelalters interessieren könnte. Für einen ersten Teil war das ein solider Schritt, jetzt warten wir auf mehr.

Details

Bewertung

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