Gin Tama

Unter Naturlockenträgern gibt es keine bösen Menschen

von Hideaki Sorachi
Rezension von Stefan Cernohuby | 19. Juni 2009

Unter Naturlockenträgern gibt es keine bösen Menschen

In vielen Kulturkreisen gibt es bestimmte körperliche Merkmale, die als erstrebenswert gelten und andere, die einen auf der Attraktivitätsskala für das andere Geschlecht - oder potentieller Partner allgemein - eher sinken lassen. Während es sich bei uns dabei eher um Körpergröße, Sommersprossen oder zu große Nasen dreht, so rangieren im fernen Japan - so seltsam es klingt - Leute mit Naturlocken auf der gleichen Wertetabelle ganz unten. So hat es Sakata Gintoki besonders schwer, da er zusätzlich die Gesetze der Welt, in der er lebt, nicht akzeptiert.

Seit Japan und seine Hauptstadt Edo (Tokyos klassischer Name) von "Amanto" genannten Aliens übernommen wurde, ist es insbesondere den Samurai schlecht ergangen. Sie wurden in den Hintergrund gedrängt und das Tragen von Schwertern wurde allgemein verboten.
So geht es naturgemäß auch Shimura Shinpachi, der mit seiner Schwester ein Dojo geerbt hat, also eine Kampfsportschule. Eine ziemlich brotlose Angelegenheit, da es kaum noch jemanden gibt, der sich mit Kampf beschäftigt.
So schlagen sich die beiden mehr schlecht als recht durchs Leben, bis Shinpachi aufgrund eines gewalttätigen Ausbruchs des zuckersüchtigen Gintori seinen Job verliert. Da der "freischaffende" Shinpachi allerdings hilft, seine Schwester aus den Klauen eines Kredithais zu befreien, der sie in seinem fliegenden Bordell beschäftigen wollte, gehen die Beiden fortan gemeinsam auf Auftrags- und Arbeitssuche. An diesen mangelt es wirklich nicht, auch wenn die Helden weiter am Existenzminimum vegetieren. Sie sollen ein entflohenes außerirdisches Schoßtier fangen, das etwa die Ausmaße von Godzilla hat. Nachdem dieser Auftrag fehlschlägt, stoßen sie auf eine Außerirdische, die wie ein junges Mädchen aussieht, aber die Kräfte von mehreren Männern besitzt. Diese wird von einer Verbrecherbande gejagt. Nachdem die beiden Freischaffenden der jungen Yato - wie ihr Volk heißt - helfen, schließt sie sich ihnen an. Das und ihr ungezügelter Hunger nach Reis sind allerdings alles andere als hilfreich, was ihre finanzielle Situation angeht. Als sie dann noch in den Beginn eines Widerstandskampfes gegen die Amanto stolpern, bei denen alte Bekannte von Gintori beteiligt sind, beginnt die Situation langsam aber sicher zu eskalieren...

Was kann man von einem Manga erwarten, dessen erster Band den Untertitel "Unter Naturlockenträgern gibt es keine bösen Menschen" trägt? In jedem Fall Action, ein wenig Gewalt und viele bemerkenswert unernste Zitate. Zusätzlich ist das im wöchentlichen japanischen "Shunen Jump"-Magazin erstmals erschienene Manga sehr selbstironisch. So lässt der Held Gintori seine Freunde in Lebensgefahr schweben, weil er sich um jeden Preis das neueste Exemplar des... nunja "Shonen Jump"-Magazins kaufen will.
Die einzelnen Episoden aus dem Leben der drei Helden kippen sehr schnell von Ironie in teilweise ernste Situationen, um danach wieder einfach nur zum Lachen zu sein. Zum Beispiel besteht ein Kämpfer gegen fünf Gegner ohne dabei auch nur einen Kratzer abzubekommen, um danach von einem harmlosen Mädchen mit einer Ohrfeige zu Boden gefegt zu werden.
Aber so kontrovers und amüsant, wie Charaktere und Geschichte sind, machen gerade die Selbstironie der Erzählung und die Mischung aus Samurai- und simplen Schlägererzählung den Reiz des Mangas aus. Obwohl man eigentlich nicht weiß, in welche Richtung sich die Handlung weiterentwickeln wird, kann man auf viele turbulente Begegnungen zwischen Realität und Gintori gespannt sein. Allen Fans des Genres kann die in Japan bereits über 17 Millionen Mal verkaufte Serie bedenkenlos empfohlen werden.

Gin Tana aus dem Hause "Shonen Jump", bei uns von Tokyopop erhältlich, kann viele Ingredienzien vorweisen, die zu einem ordentlichen Manga gehören. Einen reizbaren, nach Süßigkeiten süchtigen Schwertkämpfer, eine Alien-Besatzungmacht, die den Samurai das Tragen eines Schwertes verboten hat, sowie haarsträubende und selbstironische Handlung. Allen Fans dieser Mixtur kann "Gin Tana - Unter Naturlockenträgern gibt es keine bösen Menschen" nur empfohlen werden.

Details

  • Autor/-in:
  • Serie:
  • Band:
    1
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    01/2007
  • Umfang:
    208 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • ISBN 13:
    9783867190015
  • Preis:
    6,5 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Gewalt:
  • Gefühl:
    Keine Bewertung
  • Erotik:
    Keine Bewertung
  • Illustration: