Pforten der Nacht

von Brigitte Riebe
Rezension von Janett Cernohuby | 22. April 2009

Pforten der Nacht

Das 14. Jahrhundert war für Europa eine schicksalsträchtige Epoche. Neben dem Verfall von Kaiser- und Papsttum war es vor allem die Pest, die jenes Jahrhundert stark prägte. Eine Krankheit, die in Europa wütete und rund ein Drittel der Bevölkerung dahinraffte. Dies ist die Zeit, in der auch Brigitte Riebes Roman "Pforten der Nacht" angesiedelt ist.

Nach dem viel zu frühen Tod ihrer Mutter, ist Anna noch als Kind zur Halbwaisen geworden. Ihr Vater heiratete erneut, doch mit ihrer Stiefmutter versteht sich das Mädchen nicht sonderlich gut. Tagein, tagaus hilft sie in der Schankstube, doch werden ihre Mühen nicht anerkannt. Ganz anders ergeht es da dem Kaufmannsohn Johannes. Als Sprössling einer reichen und angesehenen Kaufmannsfamilie hatte er nicht nur eine wohlbehütete Kindheit, er soll nun bei einer befreundeten Familie in Italien in die Lehre gehen. Freuen kann sich Johannes darüber aber nicht richtig. Der junge Jude Esra kann ebenfalls auf eine ereignisreiche Kindheit zurückblicken. Nachdem dem frühen Tod seiner Eltern wächst er wohlbehütet bei seiner Tante und seinem Onkel auf.
So unterschiedlich die drei Jugendlichen und ihre bisherigen Leben auch waren, sie haben eine Gemeinsamkeit. Sie sind seit vielen Jahren eng miteinander befreundet und besiegeln diese Freundschaft nun mit Blut. Doch das Leben und seine schicksalhaften Wendungen halten für die Freunde jede Menge Prüfungen bereit und ihre Freundschaft droht darunter zu zerbrechen. Doch der Ausbruch der Pest in Köln lässt die drei jungen Menschen erneut zueinander finden und schweißt sie eng aneinander.

"Pforten der Nacht" ist ein bunter, angenehm zu lesender Unterhaltungsroman vor historischem Hintergrund. Er schildert das harte Leben im Spätmittelalter und wie Geburt und Herkunft über den Lebensweg bestimmten. Detailgenau und atmosphärisch schildert Brigitte Riebe das tägliche Leben im Köln des 14. Jahrhunderts. Dabei gewährt sie dem Leser einen Einblick in fast jede alltägliche Situation. Ob nun die Essensgewohnheiten, die Heilkunst, das Leben im Kloster bis hin zum Leben im Judenviertel, alles beschreibt sie sehr genau. Doch dabei schleichen sich auch schon die ersten Schwachpunkte ein. Denn um so viele verschiedene Situationen so ausführlich darzustellen, lässt sie zahlreiche Handlungsstränge und Personen in den Roman einfließen. Einem jeden werden kurze Passagen gewidmet, ehe dann mitunter sehr abrupt zur nächsten gesprungen wird. Dieses geht sehr zu Lasten der Handlung und der Charaktere. Denn dem Leser ist es kaum möglich, eine engere Beziehung zu den Figuren aufzubauen, sich mit ihnen zu identifizieren und sich in sie hineinzuversetzen. Das führt letztendlich dazu, dass man die Handlung zwar mit einer gewissen Neugier und mit Interesse verfolgt, jedoch kann man nie richtig tief in sie eintauchen. Dadurch lässt auch so mancher Schicksalsschlag und so manche dramatische Wendung den Leser verhältnismäßig kalt. Erst beim Ausbruch der Pest bessert sich dies etwas, da die Handlung hier frischen Wind bekommt.
Doch trotz dieser negativen Punkte, kann das Buch vor allem eines: Mit zahlreichen Ereignissen und Handlungsmaterial aufwarten. Egal ob Vergewaltigung, Kindsmord, Intrigen - es wird kein Verbrechen und kein Laster ausgelassen. Zudem gibt es noch den einen oder anderen Abstecher in die Machtverhältnisse jener Epoche.

Somit liegt mit "Pforten der Nacht" insgesamt ein durchschnittlich historischer Roman vor. Auch wenn man nicht völlig eine Verbindung zu den Handlungsfiguren aufbauen kann, wird doch so mancher begeisterte Leser dieses Genres an dem vorliegenden Werk seine Freude haben.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    01/2009
  • Umfang:
    511 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • ISBN 13:
    9783453352315
  • Preis:
    8,95 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Gewalt:
  • Gefühl:
  • Erotik:

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