Geschichten unter dem Weltenbaum

von Lothar Mischke
Rezension von Stefan Cernohuby | 15. März 2010

Geschichten unter dem Weltenbaum

Einen grünen Daumen zu besitzen, ist wohl der Traum vieler Gärtner. Denn nicht alle sehen ihre Lieblinge gesund und munter gen Himmel schießen. Nicht selten segnen Pflanzen viel zu früh das Zeitliche. Doch es gibt auch andere Exemplare der Flora. Bäume die Jahrhunderte lang leben und sogar Eintritt in das Reich der Legenden finden. "Geschichten unter dem Weltenbaum", herausgegeben von Lothar Mischke, ist ein Werk, das sich nicht nur klassischen Mythen widmet.

Ein Baum besitzt drei große Abschnitte. Wurzel, Stamm und Krone. In diese unterteilt sich auch die Anthologie, wobei mit den insgesamt 19 Geschichten aus botanischer Sicht von unten begonnen wird. Von Blumen und speziellen Wurzeln erzählt Johannes Harstick in "Die siberne Rose" und beginnt damit das Buch auf ziemlich dynamische Art.
"Schabernack" von Kira Licht berichtet, wie der Titel vermittelt, von einem harmlosen Streich, der keinem wehtut, aber dennoch unterhält. An dieser Stelle würde man gerne annehmen, dass es in dieser Tonart und in dieser Qualität das ganze Buch so weitergeht.
"Das Herz des Jägers" von Vanessa Kaiser und Thomas Lohwasser ist aber nur eine von mehreren der folgenden Geschichten, die den Leser wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Denn allerspätestens auf der zweiten Seite ist dem versierten Fantasyleser bereits klar, wie diese Erzählung enden muss.
Kommen wir weiter zum Stamm. Dort zieht Ruth M. Fuchs mit "Ein Tropfen Weisheit" eine beliebte Nebengestalt der nordischen Mythologie für ihre Geschichte heran, nämlich den Eichkater Ratatöskr. Ein guter Beginn für diesen Teil des Buchs.
"Der mieseste Job der Welt" ist derjenige, den Horst sein eigen nennt. Thomas Matterne gelingt es trotz dessen Eintönigkeit eine unterhaltsame Geschichte aus dem Thema zu machen. Diese und einige weitere Geschichten machen den Stamm zum lesenswertesten Teil des Buchs.
"Von toten und lebenden Helden" ist der Titel der ersten Geschichte über die Kronenregion des Weltenbaums. Mark Stefan Tänzers zweite, in diesem Band vertretene Kurzgeschichte ist auch für den letzten Bereich ein guter Start und erzählt von der Überschneidung verschiedener Mythen.
Doch so ganz "Unaussprechliche Freuden" bereitet einem die darauf folgende Geschichte von Karl Plepelits nicht. Seine Engel und Teufel wollen nicht ganz ins Konzept passen, genauso wie zwei der folgenden Elfen-Geschichten. Auch die "Ragnaroek"-Geschichte von Astrid Rauner vermag dem Leser nicht den notwendigen Kick aus dem Buch hinaus zu verpassen.

Grundsätzlich hat die Anthologie ein gemeinsames Thema oder besser gesagt, drei Unterthemen, die sich zu einem einzigen Hauptthema zusammenfügen. Genauso wie Wurzel, Stamm und Krone untrennbare Elemente eines kompletten Baums darstellen, soll die Mischung und die Vielfalt der Erzählungen ein farbenprächtiges und vielfältiges Endergebnis darstellen. Doch irgendwo hapert es am Konzept. Denn auch wenn von Anfang an klar ist, dass sich die Anthologie keineswegs nur um die nordische Mythologie dreht, ist die Position der einzelnen Erzählungen im Gesamtbild sehr vage. Auch die Bandbreite der Qualität der Kurzgeschichten ist relativ wechselhaft, was aber nichts mit der Themenbezogenheit zu tun hat. Die wenigen Illustrationen, die den einzelnen Abschnitten vorangehen sind eher Geschmackssache. Sie wirken ein wenig ungelenk und halbprofessionell. Doch dies könnte auch Absicht sein. Rein vom Preis her ist die Anthologie nicht zu kritisieren, da man nur 12,80 Euro für knapp unter 300 Seiten zahlt, was bei Kurzgeschichtensammlungen noch ziemlich moderat ist. Trotzdem ist die Anthologie "Geschichten unter dem Weltenbaum" - die Tatsache eingerechnet, dass sie definitiv einige sehr gute Erzählungen enthält- insgesamt mittelmäßig gelungen. Fantasyfans werden mit ihr zwar keine Enttäuschung erleben, doch wer sich dem Genre eher fremd fühlt, sollte hier lieber zu einem anderen Buch greifen.

"Geschichten unter dem Weltenbaum" wissen die Autoren des Fantasy-Forums zu berichten. In der gleichnamigen von Lothar Mischke herausgegebenen und von Torsten Low verlegten Anthologie bündeln sie all jene Erzählungen. Doch leider ist der Gesamteindruck nicht ganz so gut, wie die Qualität einiger besonderer Kurzgeschichten. Zwar stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis für den Umfang des Buchs, doch aufgrund der starken Schwankungen der einzelnen Werke und den eher rudimentären Zusammenhängen, kann das Buch trotzdem nur als durchschnittlich gelungen bezeichnet werden.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    02/2010
  • Umfang:
    300 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • ASIN:
    3940036048
  • ISBN 13:
    9783940036049
  • Preis:
    12,9 €

Bewertung

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