Freddie Mercury - Die Biografie

von Lesley-Ann Jones
Rezension von Stefan Cernohuby | 09. September 2016

Freddie Mercury - Die Biografie

Einer Persönlichkeit, die immer in der Öffentlichkeit steht, kann man eigentlich nicht wirklich nahe kommen. Vor allem, wenn die Person, die hinter dem wahrgenommenen äußeren Schein steckt, ganz anders ist, als nach außen dargestellt. Auch vom ehemaligen Queen-Sänger Freddie Mercury gibt es zahlreiche unterschiedliche Schichten, die in der Vergangenheit von verschiedenen Menschen beleuchtet wurden. „Freddie Mercury – die Biografie“ von Journalistin Lesley-Ann Johnes versucht die Ikone aus unterschiedlichen Blickwinkeln darzustellen, aber hauptsächlich als Mensch.

Die Biografie geht, vor allem zu Beginn, nicht chronologisch an die wichtigen Ereignisse im Leben von Freddie Mercury heran. Tatsächlich beginnt sie mit einem Zusammentreffen zwischen der erzählenden Journalistin und dem Star in einer Bar. Danach geht es zum größten Augenblick von Queen, zumindest wenn es nach der Autorin geht, nämlich dem Auftritt bei Live Aid, den nicht nur über 300.000 Menschen im Wembly Stadion, sondern insgesamt beinahe 2 Milliarden Menschen auf der ganzen Welt sahen.
Auch wenn Freddie Mercury, geboren als Farrokh Bulsara, nie viel über seine Herkunft sprach, ist selbige ziemlich abenteuerlich. Denn er wurde als Sohn zweier britisch-indischer Parsen auf der Insel Sansibar geboren. Als Kind einer streng zoroastrischen Familie wuchs er inmitten von Moslems im damaligen Sultanat auf, seine Familie floh inmitten der Revolutionswirren nach London. Dort musste er nicht nur auf ein Internat, sondern näherte sich auch der Musik an. Seine ersten Kontakte zu Bands, seine Begleitung der sich gerade erst formierten Queen – zu Beginn ohne aktive Rolle – über seine Frauenbeziehungen bis hin zum erforschen seiner Homosexualität werden behandelt. Jedes Thema bekommt einen anderen Blickwinkel um die verschiedenen Facetten Freddies – unterstützt durch dessen eigene Zitate und von anderen, die sich um ihn drehen. Mit dem Verlauf des Buchs wird zeitlich weniger gesprungen und es geht trotz verschiedener Perspektiven immer mehr in tatsächlicher Chronologie an die Ereignisse heran. Es berichtet von Erfolg, Krankheit, Tod und letztendlich Legendenstatus.

Das Werk, das erstmals 1997 auf dem Markt erschien, wurde in der aktuellen Ausgabe um zahlreiche Statements und Informationen erweitert, die in der früheren Version entweder noch nicht bekannt oder eben noch nicht passiert waren. Und obwohl das Buch nicht die „offizielle“ Biografie ist, merkt man dem Werk an, dass es versucht, viele Aspekte anders zu beleuchten, als es Vorgänger gemacht haben. So bezieht sich das Buch unter anderem auf die offizielle Biografie und auch auf das Buch, das von Freddies Lebenspartner verfasst wurde. Es räumt mit häufigen Fehlzitaten, geschönten Ereignissen und übertrieben idyllischen Darstellungen anderer Autoren auf. Es konzentriert sich auf den Menschen hinter Freddy Mercury, der seine Vergangenheit als Farrokh Bulsara niemals völlig hinter sich lassen konnte – und wenn es nur wegen der Schuldgefühle war, anders zu sein als ihn seine Eltern hätten haben wollen. Exzesse, ungeschützter Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern, seine hauptsächliche Ernährung durch Kaviar und Champagner, sein Kokainkonsum, nichts wird ausgelassen. Seine Beziehung zu zwei Frauen in seinem Leben und vielen Männern finden ebenfalls Platz, ohne die Gestalt Freddie Mercurys zu entmystifizieren. Queen-Fans, Kenner und Sammler sollten hier unbedingt zugreifen.

„Freddie Mercury – Die Biografie“ ist die überarbeitete Version des gleichnamigen Werks von Lesley-Ann Johnes, das schon in den späten 1990er-Jahren erschienen ist. Doch gerade jene Aktualisierungen. Jene Informationen, die erst viel später zu Tage traten und auch die Ereignisse und Erlebnisse der Personen, die Freddie hinterlassen hat, sind bemerkenswert. Dementsprechend ist die Biografie nicht nur all jenen zu empfehlen, die ohnehin schon Queen-Fans sind und alle deren Songs kennen. Es öffnet ein Fenster zu einer bemerkenswerten Persönlichkeit, die man hiermit besser kennenlernen kann.

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