Erasmus Emmerich

Erasmus Emmerich & Die Maskerade der Madame Mallarmé

von Katharina Fiona Bode
Rezension von Stefan Cernohuby | 05. August 2016

Erasmus Emmerich & Die Maskerade der Madame Mallarmé

Schon seit einigen Jahren hat sich die Faszination für ein fiktives, alternatives Dampfzeitalter einen Fixplatz in der Literatur gesichert. Jenes Subgenre der Phantastik nennt sich Steampunk, besitzt es Fantasy-Elemente nennt man es auch Steamfantasy. Bei Art Skript Phantastik, einem Verlag, der für eine Vorliebe für dampfende Literatur bekannt ist, ist nun der erste Band von „Erasmus Emmerich“ erschienen. Der volle Titel lautet „Erasmus Emmerich & die Maskerade der Madame Mallarmé“.

Tatsächlich enthält das Buch allerdings drei Werke, rund um den titelgebenden Helden. Es handelt sich um zwei Kurzgeschichten, die bereits in Geschichtensammlungen erschienen sind. Eingeführt wird der Erasmus Emmerich durch die Erzählungen einer anderen Person, die von ihm berichten. „… & der Messing-Türknauf“ und „… & der zinnoberrote Zinnsoldat“ geben einen ersten Einblick in das Leben und Wirken des exzentrischen Ermittlers und seiner Assistentin Marie. Denn obwohl der hervorragende Detektiv und mittelprächtige Erfinder Fälle löst, ist sein Fokus oft ein anderer als die Allgemeinheit erwarten würde. Denn nicht die Rettung der Menschheit oder des Reichs stehen an erster Stelle, mitunter ist das Verschwinden eines störenden Messingknaufs schon genug.
Dann jedoch beginnt der Hauptfall in diesem Werk. In ihm geht es nicht nur um die Ermordung von Trollen und die Anschuldigungen der titelgebenden Madame Mallarmé, die der Qualmfee Marie einen Mord anhängen will. Es geht um explodierende Erfindungen, bastelnde Maler, eine gut informierte Frau Oppenheimer, des Öfteren um Bismarcks Bart, ein seufzendes Universum und ein gewaltiges Wal-U-Boot namens Wobbly Dick. Doch auch gute Manieren, selbst angesichts des Bösen, sind für das Gesamtbild keineswegs zu vernachlässigen.

Gleich eines vorab: Erasmus Emmerich ist kein konventioneller Charakter und genauso wenig ist die Lektüre gewöhnlich. Das beginnt mit dem Vorwort, den einleitenden Kurzgeschichten und dem Schreibstil selbst. Auch das Cover und die Innengestaltung des Werks spielen dem Gesamtkonzept in die Karten. Was weder der Protagonist noch der Leser sofort zu finden scheinen ist der Handlungsfaden, der manchmal eher lose verfolgt wird, aber was kann man von einem Ermittler erwarten, dessen Hauptaugenmerk mehr auf einer äußerlichen Unordnung als am Leben von Bismarck zu liegen scheint? Auch der Wohnsitz in einer Nummer 2-2-1-C scheint, weist schon darauf hin, dass es die eine oder andere Anspielung auf andere Literaturgenres gibt – und dieses Statement ist ziemlich untertrieben. Dennoch funktioniert die Mischung sehr gut, genauso wie das Konzept den Leser zu überraschen. Denn man kann nur selten voraussehen, aus welcher Ecke der nächste Gag abgefeuert wird oder welchen mutigen, seltsamen und manchmal auch exzentrischen Schritt der Erfinder, Ermittler und Gentleman als nächstes unternimmt. Leser, die ihre Literatur nicht ganz so ernst nehmen müssen, Freunde von Steampunk und -fantasy sowie experimentierfreudige Literaturgenießer können hier ohne schlechtes Gewissen zugreifen.

„Erasmus Emmerich & Die Maskerade der Madame Mallarmé“ enthält nicht nur den gleichnamigen Fall, sondern auch zwei bereits früher erschienene Kurzgeschichten von Katharina Fiona Bode. Hier steht jedoch nicht nur der Protagonist im Mittelpunkt, sondern die ganze Welt, in der seine Geschichten angesiedelt sind. Denn aus Humor, Steamfantasy und unerwarteten Wendungen ist hier eine gefährliche Mischung entstanden. Eine, die wir nicht nur Fans des Genres empfehlen können.

Details

Bewertung

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