Ein Dandy in Aspik

von Drerk Marlowe
Rezension von Stefan Cernohuby | 21. Februar 2024

Ein Dandy in Aspik

Spionage und Gegenspionage sind so alt wie die Zeit, dennoch assoziiert man die Hochblüte der Geheimagenten mit der Zeit des Kalten Kriegs. Damals, als die Supermächte in der Nachkriegszeit versuchten, sich wirtschaftlich zu erneuern und ihre Politik in besetzten Gebieten zu etablieren, gab es genug Raum für Infiltration und verdeckte Operationen. Auch Derek Marlowe erkannte dies und schrieb einen Roman, der sich mit einem anderen Aspekt der Spionage beschäftigte: Doppelagenten. „Ein Dandy in Aspik“ hatte darüber hinaus einen sehr ungewöhnlichen Protagonisten.

Alexander Eberlin ist kein Held. Er ist kein sonderlich warmherziger oder spannender Zeitgenosse. Für alle anderen ist nur offensichtlich, dass er Geld hat, gutes Essen und teure Anzüge mag und das macht ihn geheimnisvoll und interessant, bei Männern wie Frauen. Er lebt in London und nur die Personen, die direkt mit ihm zusammenarbeiten, wissen, dass er ein Agent der Briten ist. Ein Bürohengst, der selten hinter seinem Schreibtisch hervorkommt. Doch dabei handelt es sich um eine Lüge. In Wahrheit ist er ein russischer Doppelagent namens Krasnevin und damit beauftragt, britische Agenten zu töten. Seit zehn Jahren ist er in London und mittlerweile ist ihm der Enthusiasmus für seine Aufgabe abhandengekommen. Als er seine Kontaktleute bittet, ihn wieder zurück nach Moskau zu holen, lehnen diese kategorisch ab. So stellt er sich auf weitere beinahe ereignislose Jahre in der Fremde ein, bis er plötzlich einen Auftrag der Briten mit höchster Priorität erhält. Er soll einen Doppelagenten finden und ausschalten. Einen Agenten, der britische Agenten tötet und der vermutlich in Berlin operiert. Einen Agenten namens Krasnevin.

Der Autor begab sich sowohl mit seiner Handlung auch mit der Charaktergestaltung seines Protagonisten auf dünnes Eis. Denn obwohl die Situation im Laufe des Romans immer verfahrener wird, ändert Eberlin alias Krasnevin sein Verhalten nicht. Er wird nicht sympathischer, er wird kein bisschen heroischer. Zwar gibt es zwischendurch Personen, die ihm vertrauen wollen und eine Frau, die vermutlich sogar mehr im Sinn hat als das. Doch auch diese lässt er nicht näher an sich heran. Wenn jemand stirbt, geschieht das eher beiläufig und die Emotion, die am häufigsten vorherrscht, ist Angst. Besonders als der wichtigste Gegenspieler auf den Plan tritt, ein Maulwurfjäger namens Gatiss.
Es gibt Werke aus der gleichen Zeitperiode, die bekannter sind als „Ein Dandy in Aspik“, wie beispielsweise „Der Spion, der aus der Kälte kam“. Doch die Rolle und Darstellung des Protagonisten war überraschend und innovativ. Auch Lesende von heute können so überrascht und wider Erwarten von der Handlung gefesselt werden. So ist das Werk vermutlich nicht der spannendste aller Spionageromane und sicherlich nicht jenes, bei dem man die stärksten Bindungen zum „Helden“ verspürt aber dennoch eines, das man als Kenner und Fan des Genres unbedingt gelesen haben sollte.

„Ein Dandy in Aspik“ ist ein Spionageroman aus dem Jahr 1967 von Derek Marlowe. Er ist hinsichtlich des Hintergrunds des Protagonisten, seiner Doppelagententrolle und besonders wegen seiner charakterlichen Zeichnung einzigartig. Diese Ingredienzien machen das Werk definitiv empfehlenswert. Denn obwohl der Roman einige Klischees bedient, ist er dennoch ein Meilenstein des Genres, den man als Fan desselben unbedingt gelesen haben sollte.

Details

  • Autor*in:
  • Originaltitel:
    A dandy in aspic
  • Übersetzer*in:
    Erika Nosbüsch
  • Verlag:
  • Erschienen:
    01/2024
  • Umfang:
    256 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • ISBN 13:
    9783942788748
  • Preis (D):
    22,00 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Gewalt:
  • Gefühl:
  • Erotik: