Die Rettung der Regenwürmer

von Theresa Prammer
Rezension von Stefan Cernohuby | 07. Dezember 2013

Die Rettung der Regenwürmer

Der Alltag kann eine schwierige Angelegenheit sein, vor allem wenn man weder mit sich selbst im Reinen, noch mit seinem Äußern zufrieden ist. Da man in der Kindheit steckengeblieben ist, sich immer noch den gleichen Personen unterordnet und keinen einzigen Schritt zur Selbstverwirklichung unternimmt, bietet das Leben kaum Perspektiven. Außer es geschieht etwas, das einen aufrüttelt, wie etwa im Roman "Die Rettung der Regenwürmer" von Theresa Prammer.

Angelika Neuhauser ist der Prototyp jener Frau, die man als "graue Maus" bezeichnen würde. Sie ist Single, ordnet sich in der Arbeit stets ihren Kolleginnen unter, wird bei Beförderungen regelmäßig übergangen und wagt auch nicht dagegen aufzubegehren. Mit den Männern hat sie ebenfalls kein Glück, woran nicht zuletzt auch ihre markanten Fußknöchel schuld sind, für die sie sich schämt und dementsprechend schüchtern jegliche Gelegenheit für nähere Bekanntschaften verpasst. Doch eines Tages wird ihr Leben auf den Kopf gestellt. Nicht nur, dass sie frühmorgens auf dem Dach ihres Hauses aufwacht und von der Feuerwehr gerettet werden muss, einige von ihr laut ausgesprochene Wünsche werden umgehend wahr. Nein, ihr stellt sich auch ein seltsamer Mann vor, der ihr Himmelsbote sein will - und darüber hinaus noch Francis Albert Sinatra. Er beginnt nicht nur damit, ihren Alltag zu hinterfragen, sondern schubst sie auch einige Male in eine andere Richtung, metaphorisch gesprochen. Das führt nicht nur zu einer spontanen sexuellen Begegnung, ihrer Kündigung und dicker Luft zwischen ihr und ihrer Mutter, sondern auch zu neuen beruflichen und persönlichen Chancen. Was sie allerdings nicht weiß: Frank Sinatra steht selbst am Abstellgleis. Mit einem mächtigen Feind im Himmel darf der ehemalige Sänger, Entertainer und Schauspieler weder singen, noch auf einen Dauerplatz im Himmel hoffen. Das hat unter anderem auch damit zu tun, dass seine Methoden - wie schon zu Lebzeiten - nicht immer ganz sauber sind. So muss er sich während seiner Arbeit Intrigen aus Himmel und Hölle erwehren und kann seine große Liebe Ava Gardner nicht mehr in die Arme schließen. Da Sinatra zum wiederholten Mal mit den himmlischen Behörden Probleme bekommt, ist die Antwort auf die Frage, ob sich Angie - wie die Protagonistin fortan genannt wird - tatsächlich von ihrer Vergangenheit lösen kann, mehr als ungewiss.

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, potenzielle Käufer für ein Buch zu interessieren. Einer davon ist ein markanter und möglicherweise seltsamer Titel, worunter "Die Rettung der Regenwürmer"" definitiv fällt. Als Folge jenes Namens werden diese Bücher öfters zu Hand genommen und dabei wird auch der Klappentext gelesen. Und wenn in selbigem Frank Sinatra vorkommt, der aus dem Jenseits zurückkehrt, um der Protagonistin zu helfen, ist das sicher für die gleiche Zielgruppe interessant, deren Aufmerksamkeit auch schon vom Titel erregt wurde. Im Fall des Rezensenten hat es definitiv funktioniert. Die Handlung des Buchs ist nicht unbedingt an jeder Stelle nachvollziehbar, besonders wenn es um verstorbene und himmlisch-höllische Persönlichkeiten geht, aber das stört den Gesamteindruck nicht. Zu amüsant ist es, die Protagonistin dabei zu verfolgen, ihr eintöniges Leben umzukrempeln und dabei trotz übersinnlicher Hilfe kaum ein Fettnäpfchen auszulassen. Dass gerade Frank Sinatra für die Autorin der Retter in der Not wurde, ist vermutlich eine persönliche Vorliebe der Autorin und Schauspielerin. In jedem Fall passt der alte Schwerenöter mit den Mafia-Kontakten hervorragend. Leser die humorvolle Literatur bevorzugen, kommen hier auf jeden Fall auf ihre Kosten. Nicht nur eine ordentliche Portion Wiener Charme umgibt die Handlung, auch ein Hauch Ewigkeit wird verströmt, wenn es um die Belange von Himmel und Hölle geht. Lediglich Leser die klare Linien, realistische Handlungen und eine strikte Trennung von Realität und Fiktion bevorzugen, werden mit diesem Buch vermutlich keine Freude haben. Doch für jene gibt es sicherlich eine Menge anderer interessanter Werke.

So manches Romandebüt endete als Missglückter Versuch sich an Vorreitern verschiedener Genres zu orientieren. Theresa Prammer hingegen hat ein Abenteuer mit Abstechern ins Surreale geschaffen, das man weder eindeutig zuordnen kann noch muss. Vielmehr handelt es sich um gute Unterhaltung, die nicht nur weiblichen Lesern zu gefallen weiß. Ein Geheimtipp, für den man nicht einmal Fan von Frank Sinatra sein muss.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    10/2013
  • Umfang:
    292 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • ASIN:
    3944264282
  • ISBN 13:
    9783944264288
  • Preis:
    12,5 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Gewalt:
    Keine Bewertung
  • Gefühl:
  • Erotik:

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