Die Magdalenen Morde

von M. J. Rose
Rezension von Janett Cernohuby | 08. Februar 2009

Die Magdalenen Morde

Maria Magdalena ist eine Heilige, mit der man Laster und Sünde verbindet. Jahrhunderte lang wurde sie als erotische Verführerin dargestellt, die von Jesus auf den rechten Weg geleitet wurde. Nachdem dieser sie von Besessenheit befreit hatte, schloss sie sich ihm als Jüngerin an und begleitete ihn nach Jerusalem. Dort floh sie nicht, sondern blieb sogar bis zur Kreuzigung. Nach der Beisetzung verharrte sie weinend am Grab und wurde eine der ersten Zeuginnen, die den auferstanden Jesus sahen. Das Motiv, Maria Magdalena als reuige Sünderin darzustellen, findet sich auf vielen Gemälden und Dichtungen des Mittelalters. Auch heute noch wird ihr Name gerne mit Sünde in Verbindung gebracht, so zum Beispiel im Roman "Die Magdalenen Morde".

In diesem treibt ein Serienmörder sein bizarres Spiel. Er lockt Prostituierte in ein Hotelzimmer, um sie dort eiskalt zu ermorden. Alle Frauen sind wie Nonnen gekleidet und mit unterschiedlichen religiösen Gegenständen und Symbolen umgeben. Noah Jordain vom New Yorker Police Department glaubt, dass er zur Überführung des Täters die Hilfe der Sexualpsychologin Morgan Snow braucht. Obwohl eines der Opfer einst ihre Patientin war, hilft sie dem Detective nur widerwillig. Als eine weitere ihrer Patientinnen spurlos verschwindet und der Verdacht größer wird, dass auch sie sich in der Gewalt des Psychopaten befindet, entschließt Morgan sich, der Polizei auf ihre Art und Weise zu helfen und stellt selbst Nachforschungen an. Denn Morgan hütet ein gefährliches Geheimnis, das sie auf die Spur des Täters führen soll...

Nach einem viel versprechenden Anfang, der einen spannenden Erotik-Thriller verspricht, wird der Leser herb enttäuscht, als sich die Handlung immer mehr zu einer Selbstfindung der Psychologin Morgan Snow entwickelt. Die Suche nach dem Täter und dem verschwundenen möglichen Opfer wird zu einer Nebensache. Vielmehr ist Morgan damit beschäftigt, ihr eigenes Schicksal zu verarbeiten und ihr Leben in den Griff zu bekommen. Nach einer schweren Kindheit - die Mutter war Medikamentenabhängig - und einer gescheiterten Ehe, versucht sie nun einen Neuanfang. Dabei wird die Psychologin - so kommt es einem fast vor - lediglich von der ständigen, übertriebenen Sorge um das Wohl ihrer Tochter und der Mordserie an den Prostituierten gestört. Nachdem eine ihrer Patientinnen, zu der sie sich besonders hingezogen fühlt, spurlos verschwindet, glaubt der Leser schon fast, dass nun endlich die lang ersehnte Spannung aufkommt. Irrtum. Es taucht lediglich Detective Noah Jordain auf. Der Charakter Noah Jordains ist nicht weiter erwähnenswert. Er versteht sich gut auf Psychologie - man möchte fast meinen, er hat den falschen Beruf ergriffen - und hat sich zum Ziel gesetzt, Morgen von den Geistern ihrer Vergangenheit zu befreien. Dass sich zwischen den beiden eine dramatische Liebesbeziehung ergibt, versteht sich schon fast von selbst. Die Handlung und die Aufklärung der Morde bleiben flach und spannungsarm wie zuvor.
Der so genannte Erotik-Thriller' dümpelt also vor sich hin und wirkt immer mehr wie eine Familiengeschichte. Überhaupt, den Roman als 'Erotik-Thriller' zu bezeichnen, ist sehr gewagt. Krimi - ja. Thriller - könnte ich mir noch einreden lassen. Aber Erotik? Ich habe bisher Bücher anderen Genres gelesen, die mehr Erotik aufweisen konnten, als das hier vorliegende Werk. Natürlich werden Liebesszenen detailliert dargestellt und auch zwischendurch wird oft über Sex und Sexualpraktiken gesprochen. Aber deswegen ist das Buch in meinen Augen noch kein Erotik-Thriller.
Der Erzählweise des Romans ist sehr gewagt und gewöhnungsbedürftig. Die Autorin beginnt, den Roman in der dritten Person zu erzählen und wechselt dann plötzlich in die Ich-Form. Dieser Wechsel findet im Laufe des Buches immer wieder statt. Hauptsächlich wird die Geschichte aus Morgan Snows Perspektive erzählt. Aber wenn die Autorin zum Serienkiller oder dessen Opfer schwenkt, wechselt sie dabei in die dritte Person. Für mich, die sehr gerne Bücher in der Ich-Form liest, war dies nicht nur irritierend sondern auch störend und beinahe unprofessionell. Den Leser, der sich gerade in die Gedankenwelt der oder des Protagonisten hineingelesen hat, reißen solche Wechsel förmlich aus der Stimmung und zwingen ihn zur Neuorientierung. Hat man dies endlich geschafft, folgt auch schon der nächste Wechsel.

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"Die Magdalenen Morde" hätte ein spannender und packender Thriller, sogar Erotik-Thriller, werden können, wenn die Autorin sich mehr auf den eigentlichen Kern, die Morde an den Prostituierten und weniger auf die Probleme ihrer Protagonistin konzentriert hätte. So wurde viel Potenzial und noch mehr Spannung verschenkt.

Details

  • Autor/-in:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    12/2006
  • Umfang:
    364 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • ISBN 13:
    9783899412949
  • Preis:
    7,95 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
    Keine Bewertung
  • Humor:
  • Gewalt:
  • Gefühl:
    Keine Bewertung
  • Erotik: