Die Leiden des jungen Verlegers

von Holger M. Pohl
Rezension von Stefan Cernohuby | 10. August 2021

Die Leiden des jungen Verlegers

Bücher, speziell Romane, bestehen zu einem Großteil aus geschriebenen Worten. Es gibt auch eine Menge Bücher, die über das Schreiben von Büchern philosophieren und dozieren. Selten jedoch wird über eine ganz andere Disziplin geschrieben, nämlich das Verlegen von Romanen. In einer Zeit, in der Selfpublishing und andere Modelle immer häufiger werden, ist das Konzept beinahe schon ein Klassisches. Da ist es nur passend, dass Holger M. Pohls Werk „Die Leiden jungen Verlegers“ in einem klassischen Kleinverlag erschienen ist, der sich vor allem für gute Bücher interessiert.

In der Fantasie gibt es unendlich viele Welten, das ist bekannt. So ist es auch kein Wunder, dass es auch in einer phantastischen Welt phantastische Verleger geben muss. Doch nicht jeder ist zum Verleger geboren, so mancher benötigt erst den einen oder anderen Anstoß. So wie Anselm Arac. Der Arachnoide beginnt sein Wirken in der Literaturbranche mit dem Wunsch, Schriftsteller zu werden. Doch es gibt Fallstricke und Fehlannahmen, weswegen dieses Unterfangen nicht von Erfolg gekrönt ist. Mit von der Partie bei allen Niederlagen ist der Drache Kasimir Drago. Seinetwegen geht die selbst gedruckte Erstauflage von Anselms Roman in Flammen auch. Er ist es jedoch auch, der ihm eine Alternative vorschlägt und so gründen Drache und Arachnoide – obwohl sie sich gegenseitig eigentlich nicht leiden können – einen Verlag. Den Verlag PHABULOS VOR, der sich auf Phantastik spezialisiert. Damit geht es erst richtig los. Es gilt sich mit anderen (Klein-)Verlagen der Szene zu vernetzen, Manuskripte zu sichten (und manchmal zu verbrennen, schließlich ist Kasimir ein Drache). Und schließlich gibt es andere Widrigkeiten, wie PUVs (Pseudo-UnVerlage), die ihren Autoren für die Veröffentlichung Geld aus der Tasche ziehen wollen, die besonders den Indie-Autoren dräuenden Binkwisition, unabhängige Lektorats-Hexen, die sich an Autoren bereichern und nicht zuletzt den Ganz Großen Gründer!

Wer Ahnung von der Phantastischen Kleinverlagsszene hat, der weiß bei vielen Alternativnamen trotzdem, wer gemeint war. Starautor Krid der Boom beispielsweise oder ein Verleger namens „der Marcige Ham“. Man kann sich also durchaus den Aufbau eines neuen Kleinverlags in der Szene vorstellen, auch wenn Menschen in dieser Welt ein absolutes No-Go sind. Viele Elemente sind trotz des Humorgehalts der Geschichte sehr ernst gemeint, wie zum Beispiel die Warnung vor Druckkostenzuschussverlagen, die hier einfach nur einen anderen Namen haben. An anderen Stellen schlägt ein wenig die Grundeinstellung von Autor Holger M. Pohl durch. Wenn es um Veröffentlichungen auf alternativen Formaten geht (dem Äquivalent von digital), meint man auch gewisse Vorbehalte gegenüber manchen Selfpublishern herauszulesen, mit denen vielleicht nicht alle Leserinnen (und Autorinnen) konform gehen werden. Der einzige Wermutstropfen des Buchs ist gleichzeitig auch seine größte Stärke. Um es genießen zu können, muss man Teil dieser Szene sein. Ansonsten ist das Buch zwar stellenweise sehr witzig, stellenweise auch informativ, letztendlich bleiben aber doch viele Fragezeichen zurück. Anders als beim Verfasser dieser Kritik, der über den vorkommenden Nafets Aussie ein wenig die Stirn gerunzelt hat. So bleibt das Werk für eine breite Leserschaft Durchschnitt und blüht erst im richtigen Umfeld richtig auf.

„Die Leiden des jungen Verlegers“ sind eine Hommage von Holger M. Pohl an die Kleinverlagsszene der Phantastik. Die Abenteuer eines Verleger-Arachnoiden und seines Drachen-Kollegen beinhalten viele Anspielungen, Informationen und mehr als nur ein wenig der Persönlichkeit des Autors. Für das gemeine lesende Idividuum, das vielleicht sogar glaubt ein Mensch zu sein, mag das Gesamtergebnis eher durchschnittlich anmuten. Alle Kenner der Szene werden aber sicher einen zusätzlichen Punkt für die Gesamtbewertung vergeben.

Details

Bewertung

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