Das Artefakt

von Andreas Brandhorst
Rezension von Stefan Cernohuby | 21. März 2012

Das Artefakt

Findet man bei Ausgrabungen Überreste früherer menschlicher Erzeugnisse, spricht man in der Archäologie von einem Artefakt. Die Bedeutung eines solchen kann sich je nach Hintergrund unterschiedlich gestalten. Geht man aber davon aus, ein zehn Millionen Jahre altes technologisches Artefakt mit einer unbekannten aber noch intakten Funktionalität zu finden, ist dies definitiv über den Fund eines Faustkeils zu stellen. Von einer ähnlichen Begebenheit handelt "Das Artefakt" von Andreas Brandhorst.

Als Rahil Tennerit erwacht, ist dies ein unbequemes Erlebnis. Denn er findet sich in einem neuen Körper wieder, was bedeutet er wurde getötet. Der Missionar der Ägide hatte die Aufgabe ein geheimnisvolles Artefakt auf dem Planeten Heraklon zu untersuchen. Obwohl ihm die Erinnerung an ein volles Jahr fehlt, wird er mit Exekutorrechten ausgestattet, um zu retten, was in der Krise noch zu retten ist und sich über die Gesetze notfalls hinwegzusetzen. Fentomaschinen in seinem Blut und eine sich an die Umgebung anpassende Rüstung gehören zu seiner Ausrüstung, als er sich auf den Weg macht. Gemeinsam mit einem Polymorphen, einem Einheimischen von Heraklon, hat er zahlreiche Hindernisse zu überwinden, bevor er überhaupt auf dem Planeten eintrifft. Denn die Menschheit ist an einem Scheideweg. Nach einem Fehler, der zu einem einschneidenden galaktischen Ereignis geführt hat, bei dem zahlreiche Völker nahezu ausradiert wurden, ist der Menschheit von den hohen Völkern eine Zeitspanne von 600 Jahren eingeräumt worden. Während dieser sollen sie als Friedenstifter fungieren und sich so den Zugang zur Kosmischen Enzyklopädie verdienen, die unbegrenztes Wissen bedeutet. Doch seitdem das Artefakt entdeckt wurde und alle galaktischen Mächte den Verdacht haben, es könne sich um eine Superschmiede handeln - einen Ort, der alles produzieren kann was man möchte - ist dieser Frieden mehr als nur etwas gefährdet.

Auch wenn sich in den Subgenre-Kategorisierungen von Science-Fiction in den letzen Jahren einiges getan hat, kann man einen Punkt mit Sicherheit festhalten. Eine Space-Opera ist und bleibt eine Space-Opera. Um nichts anderes handelt es sich bei "Das Artefakt". Die Handlung, die sich zwar ursprünglich nur über einen sehr kurzen Zeitrahmen erstreckt, offenbart später Hintergründe, die nicht nur Jahrtausende sondern sogar Jahrmillionen zurückliegen. Dabei ist überraschender Weise weder der Protagonist besonders übermächtig, noch dienen die außerirdischen Machenschaften dazu, letztendlich das Universum zu vernichten oder alle anderen Völker auszulöschen. Dies alles trägt zur positiven Entwicklung des Gesamteindrucks bei. Nur einige Details fallen auf, regen jedoch eher zum Nachdenken an, als dass es wirkliche Kritikpunkte wären. Darunter zum Beispiel die Frage, warum der Autor bekannte Begrifflichkeiten umbenennt - unter anderem seine Femtomaschinen. Normalerweise sind sie unter "Nano" bekannt, was aber natürlich nur eine andere Größenordnung darstellt. Somit könnte man sie beim nächsten Mal auch "Pikomaschinen" nennen. Darüber hinaus kann man anhand einiger vorkommender Elemente ermessen, welche Bücher der Autor selbst liest und deren Anregungen verarbeitet wurden. Preis-Leistung und Qualität stimmen bei diesem Buch.

Andreas Brandhorst hat mit "Das Artefakt" eine klassische Space-Opera unter das Leservolk gebracht. Eine interessante Handlung, glaubwürdige Charaktere und ein angemessen epischer Hintergrund machen das Werk für alle Fans von Science-Fiction empfehlenswert. Kritikpunkte kann man an einer Hand abzählen, der einzig größere behandelt den Drang, klassischen Elementen des Genres neue Namen zu geben. Aber auch damit kann man sehr gut leben und das Buch trotzdem genießen.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    01/2012
  • Umfang:
    656 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • ASIN:
    3453528654
  • ISBN 13:
    9783453528659
  • Preis:
    14,99 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Gewalt:
  • Gefühl:
  • Erotik:

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