Aus finstrem Traum

von Sascha Dinse
Rezension von Stefan Cernohuby | 19. Januar 2019

Aus finstrem Traum

Wo Licht ist, ist auch Dunkelheit. Und wo es lichte Träume gibt, muss auch das Gegenteil existieren. Gerade die dunkle Seite des Seins ist etwas, das Autoren oft liegt. Insofern ist es kein Wunder, dass Sascha Dinse im Verlag p.machinery eine Kurzgeschichtensammlung mit dem Namen „Aus finstrem Traum“ veröffentlicht hat. Eine Geschichtensammlung, die man uns ans Herz gelegt hat und der wir uns selbstverständlich auch gewidmet haben.

Der Protagonist der Geschichte „23b“ hat ein Apartment, das mit einem anderen verbunden ist. Als dort eine Frau namens Jill einzieht, ändert sich für ihn alles. Denn seltsame Dinge geschehen in ihrem Bekanntenkreis, weswegen er sich im Gewahrsam der Polizei wiederfindet.
In „Alioth“ existieren mehrere Schichten der Realität gleichzeitig, einige sind fragiler als andere. Und das hat einen Grund: das Leben einer bestimmten Person.
Künstler sind ohnehin seltsame Zeitgenossen. Bildhauer noch mehr. Und wenn diese von einer Person getrieben werden, die seltsame Gelüste auf die Spitze treiben, kann das fatal enden. Oder wenn sie das denken...
Es geht weiter ins Weltall, wo einzelne Individuen ums Leben kämpfen, an Orte, wo Schuld ewig andauert, wo gewisse Dinge reine Projektionen sind, gute Menschen nicht unbedingt am Leben sind und irgendwo eine allerletzte Endstation auf alle wartet.

Was sind Sascha Dinses Geschichten auf keinen Fall? Positiv, harmlos, familienfreundlich und unblutig. Im Gegenteil. Es fliegen buchstäblich die Fetzen. Körperteile, Eingeweide und Blut werden großzügig eingesetzt. Mord, Folter und reichlich ungewöhnliche Gelüste gehören ebenfalls zum Menü. Das macht das Werk nur schwer genießbar für Leser mit einem schwachen Magen. Darüber hinaus enthalten viele der Geschichten verschachtelte Handlungen, unterschiedliche, anscheinend kollidierende Realitäten, den Kampf gegen den Wahnsinn und immer wieder einen dunklen Ort. Wer genau diese Art der Literatur mag – also jene, wo es keinerlei Zurückhaltung gibt und wo der Horror beidhändig mit der großen Axt und dem Skalpell zugange ist, wird an „Aus finstrem Traum“ sicher seine Freude haben. Wer aber lieber die psychologische Wirkung des Horrors auf (scheinbar) normale Menschen verfolgt, sollte besser zu einem anderen Werk greifen. Denn hier gibt es nur eine Richtung. Abwärts, ins Dunkel.

„Aus finstrem Traum“ hat Sascha Dinse seine Horro-Kurzgeschichtensammlung genannt, die im Verlag p.machinery in der Rubirk „Außer der Reihe“ erschienen ist. Das kommt dem, was das Buch ausmacht, ziemlich nahe. Es überschreitet Grenzen, verletzt Tabus und ignoriert die Erwartungen von Lesern, um sich selbst zu präsentieren. Das gefällt sicher einigen Lesern, aber bestimmt nicht allen. So viel Blut, Gewalt und Wahnsinn sind nicht jedermanns Sache. Die entsprechende Nische wird aber bestens bedient.

Details

Bewertung

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