Zerbrochene Lebensträume, zwei Außenseiter, eine Freundschaft, die auch nach langer Pause ungebrochen ist und Neuanfänge, die so nicht geplant waren. Mit feinem Gespür verarbeitet Liz Moore all das in einem bewegenden Roman, der in diesem Frühjahr erneut aufgelegt wurde.
Zwei Menschen, zwei Schicksale und eine besondere Freundschaft
Arthur Opp, ehemaliger Literaturprofessor, hat sein Haus in Brooklyn seit über einem Jahrzehnt nicht mehr verlassen. Nicht zuletzt deswegen, dass er sich mit seinen mittlerweile 250 Kilogramm nicht nur für sein Aussehen schämt, sondern sich auch immer mehr von der Welt zurückgezogen hat. Bis ihn eines Tages ein Brief einer ehemaligen Studentin erreicht, zu der er seit Ewigkeiten keinen Kontakt mehr hatte. Dabei standen sie sich einst recht nahe. Nun bittet sie Arthur um Hilfe. Ihr 17-jähriger Sohn Kel kämpft mit dem Schulabschluss. Um einen Schulabbruch zu verhindern, bittet sie Arthur darum, Kel Nachhilfe zu geben. Doch während beide zögerlich über ihr Leben erzählen und Wahrheiten ans Licht bringen, die schmerzlich sind, kommt es zur Tragödie. Kels Mutter leidet an einer chronischen Krankheit, die sie immer mehr verzweifeln lässt, bis sie sich schließlich das Leben nimmt. Kel bleibt allein zurück und versucht mit dem Scherbenhaufen seines jungen Lebens klarzukommen. Warum hat sein Vater sie verlassen? Wo lebt er jetzt? Wie soll es mit der Schule weitergehen? Wozu braucht er einen Abschluss, wenn er das Sportstipendium erhält?
Der schwere Weg
Während Kel sein Leben auf die Reihe bringen möchte, kämpft Arthur mit seinen Problemen. Denn er will dem Jungen helfen, schämt sich aber zugleich für sich selbst. Sein Aussehen, sein Dasein. Als ersten Schritt organisiert sich der Übergewichtige, der sich selbst als fett bezeichnet, eine Haushaltshilfe, die sein Haus, das in den letzten Jahren genauso verwahrlost ist wie Arthurs Körper, in Ordnung bringen soll. Während der Kontakt zu Kel und seiner Mutter ins Stocken gerät, beginnt sich zwischen Arthur und der jungen Haushälterin eine Bindung aufzubauen. Die junge Frau ist schwanger, von ihrer Familie verstoßen, beim Vater des Kindes nicht gut aufgehoben. Unbewusst helfen sich die beiden gegenseitig, ihr Leben wieder auf die Reihe zu bringen und sich an ihre Träume zu erinnern. Schritt für Schritt gehen sie gemeinsam und doch jeder für sich einen Weg, der sie daran erinnert, was sie einmal sein wollten. Genauso, wie Kel es dank seiner Freunde für sich tut. Bis Arthur und Kel bereit sind, jene Beziehungen und Kontakte zuzulassen, vor denen sie sich zunächst gefürchtet haben.
Intensiv und ergreifend
Liz Moore erzählt ihren Roman auf zwei Ebenen: aus der Sicht des ehemaligen Literaturprofessors Arthur Opp und der von Kel. Glaubt man zunächst, die beiden würden aufeinandertreffen und gemeinsam ihren Weg finden, zeigt sich immer mehr das Gegenteil. Beide stehen vor dem Scherbenhaufen ihres Lebens, den sie nur alleine aufräumen können - und damit den Grundstein für etwas Neues legen. Durch die immer wieder wechselnde Perspektive gewährt uns die Autorin einen sehr tiefen und intensiven Einblick in die Figuren. Kel ist voller innerer Zerwürfnisse, Unsicherheiten und vor allem Ängsten vor der Zukunft. Einer Zukunft, in der seine Mutter tot ist, sein vermeintlicher Vater sich als nicht der leibliche entpuppt und ihm keiner eine Antwort geben kann, wer sein wahrer Vater ist. Denn die Einzige, die das weiß, ist seine Mutter - und die gibt es nicht mehr. Doch auch wenn Kel sich einsam fühlt, ist er es nicht. Er kommt bei den Familien seiner Schulfreunde unter, die ihre Wohltätigkeit vielleicht aus den falschen Motiven heraus, aber nicht zu seinem Schaden führen.
Auf der anderen Seite der Geschichte ist der extrem übergewichtige Arthur Opp. Scham und Ängste brachten ihn dazu, sich immer mehr zurückzuziehen. Was er zum Leben braucht, lässt er sich über den Lieferservice bringen. Sein Kontakt zu anderen Menschen beschränkt sich auf wenige Worte, bei denen sich Arthur stets verstellt und etwas vorspielt. Diesen Kreislauf zu durchbrechen und seine Welt zu verlassen, wird für ihn zur größten Aufgabe. Auch Arthur ist einsam, doch es ist eine gewählte Einsamkeit, die er zwar selbst zu verlassen versucht, aber oft von Angst überrollt wird. Doch hier spielt ihm irgendwann das Leben rein und zwingt ihn immer wieder, Grenzen zu überschreiten, bis er am Ende genug Mut hat, Kel gegenüberzutreten.
„Der andere Arthur“ ist ein ergreifender und intensiver Roman über zwei unterschiedliche Figuren, die beide mit sich selbst und dem Scherbenhaufen ihres zum einen noch sehr jungen, zum anderen alten Lebens zu kämpfen haben. Zwei völlig verschiedene Charaktere, mit eigenem Ziel und dennoch einer Gemeinsamkeit, die sie verbindet. Und die sie am Ende heilen lässt.
Details
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Originaltitel:Held
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Übersetzer*in:Cornelius Hartz
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Erschienen:02/2026
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Umfang:377 Seiten
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Typ:Hardcover Download
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ISBN 13:9783406843334
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Preis (D):26,00 (Buch) €

