Leona

Der Zweck heiligt die Mittel

von Jenny Rogneby, Julia Nachtmann (Sprecher/-in)
Rezension von Janett Cernohuby | 10. Oktober 2016

Der Zweck heiligt die Mittel

Wie oft sind Menschen dazu bereit, sich für das Erreichen einer guten Sache auf fragwürdige Wege zu begeben? Bedenken darf man keine haben, ebenso wenig Skrupel, wenn man Grenzen überschreiten will. Jenny Rognebeys Protagonistin Leona hat diese schon lange abgelegt, wovon man sich im zweiten Band "Der Zweck heiligt die Mittel" überzeugen kann.

Wieder einmal wird Stockholm von einem grausamen Verbrechen heimgesucht. Ein Mann zündet einen Sprengstoffgürtel, um das Parlamentsgebäude in die Luft zu sprengen. Sein Plan geht nicht ganz auf, sondern er wird schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Dort verweigert er zunächst jede Aussage. Leona, die mitten in der Scheidung von ihrem Ehemann und der Aufarbeitung des Tods ihres Sohnes steckt, wird hinzugezogen. Sie soll herausfinden, welche Motive der Täter hatte. Schnell wird ihr klar, dass es weder ein religiöses noch politisches Attentat war, sondern dass der Täter eigene Rachepläne verfolgt. Zudem ist ein weiteres Attentat geplant und Leona muss herausfinden, wann und vor allem wo. Währenddessen wird sie jedoch von ihrer eigenen Vergangenheit eingeholt. Einer ihrer Geschäftspartner fordert die versprochene Bezahlung ein, die Leona jedoch nicht leisten kann. Das Leben ihrer Tochter wird bedroht. Leona unternimmt alles, um sie zu schützen - doch die Wege der Legalität hat sie schon lange verlassen.

Mit "Der Zweck heiligt die Mittel" setzt Jenny Rogneby ihre Romanreihe um die schwedische Ermittlerin Leona Lindberg fort. Dieser zweite Roman ist genauso spannend und fesselnd wie der erste. Einziger Unterschied ist jedoch, dass der Hörer Leona und ihre Einstellung zu Recht und Ordnung bereits kennt. Daher braucht die Autorin in diesem Band kein Versteckspiel betreiben, muss keine Informationen bezüglich der Polizistin zurückzuhalten, sondern kann ihr doppeltes Spiel, ihr doppeltes Leben offen präsentieren. Das mindert die Spannung aber keineswegs. Im Gegenteil, denn nun hat der Hörer die Gelegenheit, Leonas dunkle Seele so richtig kennen zu lernen. Wie denkt sie? Wie plant sie und vor allem, wie hart und skrupellos kann sie wirklich sein? Leona hat nach dem Tod ihres Sohns einiges aufzuarbeiten. Nicht nur, dass ihre Ehe in Trümmern liegt und die Scheidung läuft, auch lebt ihre Tochter derzeit bei ihrem Exmann. Angesichts der Drohungen gegen das Mädchen ist Leona davon natürlich ganz und gar nicht angetan. Doch sie kann auch nicht viel dagegen unternehmen, da sie sonst ihr dunkles Geheimnis offenbare müsste. Zudem arbeitet sie in einer Psychotherapie den Tod ihres Kindes auf - nachdem sie allerdings einen Blick auf die Notizen der Psychiaterin wirft, hat Leona doch arge Zweifel an deren Kompetenz.
Und natürlich dreht die Polizistin auch wieder ihr eigenes Ding. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn schließlich will ein Geschäftspartner aus ihrem geplatzten Plan noch seine Bezahlung sehen. Doch wie kommt man innerhalb kürzester Zeit an viel Geld? Richtig, durch ein weiteres krummes Ding - und genau das plant Leona, während sie gleichzeitig versucht, Stockholm vor einer Katastrophe zu bewahren.
Der Roman ist wieder unglaublich spannend und fesselnd. Das Ende lässt vieles offen, was wohl erst im dritten und letzten Band der Trilogie abgeschlossen wird. Doch eines ist klar, Leona kann nicht mehr zurück. Sie hat sich für den Weg der Kriminalität entschieden und auch wenn sie bisher mit einem blauen Auge, Kratzern und Prellungen davongekommen ist, bleibt es spannend, ob sich das Blatt im letzten Buch nicht vielleicht doch noch wendet.
Die Hörbuchfassung zum Roman wird erneut von Julia Nachtmann gelesen. Wieder gelingt es ihr, die Handlung facettenreich und vor allem äußerst mitreißend vorzulesen. Gekonnt zeigt sie die zwei Gesichter von Leona, die einmal mitfühlend und zerbrechlich sein können, im nächsten Augenblick aber schon wieder kalt und skrupellos. Der Leser wird gleichermaßen von Handlung und Sprecherin gefangen und von den Ereignissen davongetragen.

"Leona: Der Zweck heiligt die Mittel" ist ein starker, spannender und äußerst mitreißender zweiter Band der Trilogie von Jenny Rogneby. Einmal mehr reißt sie den Hörer oder Leser mit, lässt in ihn eine düstere Handlung eintauchen. Nach wie vor kann man nicht abschätzen, wie alles ausgehen wird. Doch eines ist klar, auch wenn Leona sich cool und überlegen gibt, kann der Weg, den sie eingeschlagen hat, sie nicht zu einem guten Ziel führen. Erfahren wird man das allerdings erst im letzten Band. Bis dahin sollte man unbedingt diesen zweiten Band zur Hand nehmen - ganz gleich ob als Hörbuch oder Taschenbuch.

Details

Bewertung

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