Hörbuchpräsentation Stephansdom-Sagen

Lesung mit Lena Raubaum, Wiens charmantem Teufel

von Janetts Meinung | 19. Oktober 2018

Wonach entscheidet es sich, ob ein Buch zu einem Hörbuch wird? Ist es der Erfolg des verkauften Buchs? Der Erfolg des Autors? Der Wunsch, noch mehr Leser, bzw. Hörer für das Werk zu gewinnen? Beim Tyrolia Verlag war es vermutlich ein äußerst charmanter Teufel, der dem Verlagshaus einflüsterte, die Sagen des Stephansdoms als Hörbuch zu inszenieren. Das Ergebnis wurde am 18. Oktober 2018 in der Wiener Tyrolia Buchhandlung am Stephansplatz präsentiert.

Stephansdom-Sagen Hörbuch

Von Zahnweh, Teufeln, Wind und Wetter

Der Wiener Stephansdom ist nicht nur das Wahrzeichen der Stadt und Fels in der Brandung für alle Wiener, er ist auch ein altehrwürdiges Gemäuer mit einer Fülle an Sagen und Überlieferungen. Mit vielen von ihnen sind die Wiener aufgewachsen, haben sie immer wieder erzählt bekommen und erzählen sie weiter, darunter die Sage vom Zahnwehhergott, der Dienstbotenmuttergottes oder Meister Puchsbaum. Andere sind weniger bekannt und hat man seltener gehört, etwa jene vom Starhemberg-Bankerl. Und dann gibt es sogar noch neue Sagen, die extra für das Buch dazugeschrieben wurden, darunter „Der unsichtbare Stephansdom“.  Barbara Schinko trug für ihr Sagenbuch über den Stephansdom eine bunte Sammlung zusammen, aus der sich Lena Raubaum neun Titel aussuchte und sie für das Hörbuch einlas. Begleitet wurde sie dabei von Konstantin Reymaier, dem Domorganisten zu St. Stephan und Priester der Erzdiözese Wien.

Hörbuch-Präsentation

Ein Hörbuch mit Sagen über den Stephansdom braucht aber nicht nur eine großartige Sprecherin, wie sie mit Lena Raubaum gefunden wurde, sondern auch musikalische Untermalung. Und was passt zu einem Dom besser als Orgelmusik? Dem Verlag gelang es, den Domorganisten zu St. Stephan und Priester der Erzdiözese Wien Konstantin Reymaier für das Projekt zu gewinnen. Seit seiner Kindheit fasziniert ihn die Improvisation und so sind auch seine musikalischen Beiträge für das Hörbuch allesamt Improvisationen. Dabei legte der Domorganist großen Wert darauf, in diese  auch Elemente der anschließenden Geschichten einzubauen. So kommt der Hörer gleich in die richtige Stimmung.

Die anwesenden Besucher der Hörbuch-Präsentation kamen an jenem Abend natürlich in den Genuss Auszüge jener Orgelmusik zu hören, aber auch zwei Geschichten aus dem Hörbuch vorgelesen zu bekommen. Während die Musik natürlich vom Band kam, las Lena Raubaum live. Welch ein Genuss! Welch ein Spaß und welch eine Freude! Stimmgewaltig überträgt sie die Stimmung der jeweiligen Erzählung auf ihr Publikum. Sie verleiht den handelnden Personen und Figuren nicht nur eine eigene Stimme, sie lässt sie vor den Augen der Zuhörer auch Gestalt annehmen. Ja, ein Teufel klingt bei ihr wie ein kleiner, listiger Kerl, der an nichts mehr Freude hat, als eben Gottes Werk zu stören. Schabernack spricht auch aus der Stimme des Windes, wenn der nur mal eben noch einen Handwerker vom Gerüst schubsen will. So kam das Publikum aus dem Schmunzeln, Lachen und vor allem Genießen nicht heraus. Zurecht dürstete es die kindlichen Besucher  nach mehr. Aber dieses mehr gibt es ja zum Glück auf CD.

Aufschlussreiche Werkstattgespräche

Spannend war auch das Werkstattgespräch zur Entstehung des Hörbuchs. Lena Raubaum erzählte nicht nur über ihren Beruf als Sprecherin, sondern erklärte auch, nach welchen Kriterien sie die Sagen für dieses Hörbuch auswählten. Denn dass nicht alle Erzählungen aus dem Buch hier Platz fanden, versteht sich von selbst. Domorganist Konstantin Reymaier gewährte den Besuchern dagegen Einblick in die Tonaufnahmen für die Musikstücke. Gespielt wurden diese nämlich an der Rieger-Orgel des Stephansdoms. Die Aufnahme selbst gestaltete sich als Abenteuer, das bis spät in die Nacht hinein dauerte. Sei es, weil eine Gruppe Besucher die Akustik störte oder eine herunterfallende Opferkerze für Unruhe sorgte. Doch am Ende hatte man alle Aufnahmen auf Band und konnte sie mit Lena Raubaums vorgetragenen Sagen zusammenbringen.

Traditionell bei Brot und Wein ließ man den Abend ausklingen. Es entstanden kleine Gespräche, man ließ sich CDs und Bücher signieren und feierte ein Hörbuch, dass ein Stück Kulturgut auf unterhaltsame und moderne Art an junge Leser weitergibt.

STephansdom-Sagen Das Sagenbuch zum Stephansdom
Barbara Schinko, Leonora Leitl (Illustration)
96 Seiten, ab 8 Jahren

Die meisten Wiener kennen sie, die Sagen vom Meisterkegler von Wien, der sein Schicksal herausforderte und eine List gegen den Tod ersann. Von Meister Puchsbaum, der mit dem Teufel einen Pakt einging, um den Nordturm schneller zu errichten. Von den drei Studenten, die sich über eine Jesusstatue lustig machten und anschließend von fürchterlichem Zahnweh heimgesucht wurden. Von Neidhard Fuchs, dem die Bauern aus Neid übel mitspielten, vom Fenstergucker, der Himmelspförtnerin, der Diensbotenmuttergottes, dem Hahn auf dem Stephansdom oder den Tattermännern. Neu dagegen ist die Sage von den Wasserspeiern, die rund um den Stephansdom zu finden sind, genau wie jene vom Streit zwischen Wien und Linz, wer die höchste Kirche hat, und von der Händlerin, die sich wünschte, den Dom nicht mehr sehen zu müssen.

[zur vollständigen Rezension]

 

Stephansdom-Sagen Stephansdom-Sagen
Barbara Schinko, Lena Raubaum (Sprecherin), Konstantin Reymaier (Musik)
Spielzeit: 64:04 Minuten, ab 8 Jahren

Der Wiener Stephansdom ist nicht nur das Wahrzeichen der Stadt und Fels in der Brandung für alle Wiener, er ist auch ein altehrwürdiges Gemäuer mit einer Fülle an Sagen und Überlieferungen. Mit vielen von ihnen sind die Wiener aufgewachsen, haben sie immer wieder erzählt bekommen und erzählen sie weiter, darunter die Sage vom Zahnwehhergott, der Dienstbotenmuttergottes oder Meister Puchsbaum. Andere sind weniger bekannt und hat man seltener gehört, etwa jene vom Starhemberg-Bankerl. Und dann gibt es sogar noch neue Sagen, die extra für das Buch dazugeschrieben wurden, darunter „Der unsichtbare Stephansdom“.  Barbara Schinko trug für ihr Sagenbuch über den Stephansdom eine bunte Sammlung zusammen, aus der sich Lena Raubaum neun Titel aussuchte und sie für das Hörbuch einlas. Begleitet wurde sie dabei von Konstantin Reymaier, dem Domorganisten zu St. Stephan und Priester der Erzdiözese Wien.

 

Fotos von Michael Seirer Photography
Hörbuchpräsentation Stephansdom-Sagen