Himmelssturz

von Alastair Reynolds
Rezension von Stefan Cernohuby | 13. November 2017

Himmelssturz

Hat ein aufstrebender Autor einmal einen Bestseller abgeliefert, muss er sich damit abfinden, immer wieder an diesem gemessen zu werden. Sind es derer zwei, hat er es schon etwas leichter. Alastair Reynolds ist es mit knapp über 40 Jahren gelungen, bereits zwei Bestseller und einige weitere, von Kritikern wohlmeinend bedachte, Werke zu verfassen. „Himmelssturz“ ist ein Roman, der qualitativ - wenn auch nicht storytechnisch - dort weitermachen muss, wo „Ewigkeit“ aufgehört hat. Eine Herausforderung, die einem mittlerweile routinierten Autor nur wenig Schwierigkeiten bereiten sollte.

Als Mitte des 21. Jahrhunderts der Jupitermond Janus plötzlich aus seiner Umlaufbahn ausschwenkt und ein Ziel außerhalb des Sonnensystems anvisiert, ist der Menschheit sofort klar, hierbei muss es sich um ein außerirdisches Raumschiff handeln. Die einzige Crew, die den ehemaligen Trabanten schnell genug erreichen kann, ist die Besatzung der „Rockhopper“. Ein Raumschiff, das gewöhnlich für die Erde lebensnotwendige Eiskometen einfängt. Nach einigen Differenzen geht man auf die völlig unübliche Mission, Daten über ein unbekanntes Flugobjekt zu sammeln. Doch dann kommt es zur Katastrophe. Zum einen stellt sich heraus, dass die Crew offensichtlich belogen wurde. Mit den vorhandenen Vorräten an Treibstoff schafft man es nicht mehr zurück zur Erde. Und dann beschleunigt der Flugkörper und reißt die „Rockhopper“ in seinem Sog mit. Es kommt zu einer Abstimmung und dann zu einer Meuterei, mit dem Ergebnis, dass kein Versuch zum Rückflug unternommen wird. Man muss sich auf dem Flugkörper niederlassen und den Dingen harren, die da kommen. Währenddessen kommt es immer wieder zu Unruhen, Mordfällen und Wechseln in der Führung. Problematisch, angesichts eines späteren Kontakts mit Außerirdischen.

„Himmelssturz“ handelt von einer extremen Situation, in die eine wackere Mannschaft aus Bergbauarbeitern versetzt wird. Um eine solche erfolgreich zu meistern, bedarf es bedingungsloser Kooperation und engem Zusammenhalt zwischen allen Beteiligten. Etwas, was aber offensichtlich unmöglich ist. Die Handlung wogt immer wieder zwischen den beiden Protagonisten Bella Lind und Svetlana Barseghian hin und her. Zu Beginn sind sie die besten Freundinnen, am Ende haben sie es geschafft, jahrzehntelang nicht mehr miteinander zu sprechen.
Probleme hatte der Heyne Verlag offensichtlich wieder einmal mit der Übersetzung des Titels. Aus „Pushing Ice“ wurde „Himmelssturz“. Ein weiteres Highlight in der Liste der misslungensten Titeltranskriptionen. Aber lassen wir dieses leidige Thema, widmen wir uns lieber der Qualität des Romans. Die Handlung ist gut und überzeugend erzählt und weist, abgesehen von der Tatsache, dass der ewige Hickhack zwischen den beiden Hauptpersonen etwas zu sehr ausgereizt wird, erfreulich wenige negative Punkte auf. Alastair Reynolds behält sich auch sichtlich vor, den Roman fortzusetzen, wenn ihn das Thema wieder reizen würde.
Den Leser erwartet beim Kauf von „Himmelssturz“ wieder einmal ein überdurchschnittlich guter Roman, wenn dieser auch nicht so herausragend ist wie „Chasm City“. Dennoch ist Alastair Reynolds mittlerweile zu einem Autor geworden, dessen Romane man auch ohne den Klappentext zu lesen, kaufen kann. Man wird nicht enttäuscht.

„Himmelssturz“ ist ein sehr guter, spannender und schlüssiger Science-Fiction Roman, dessen Handlung nicht in seinem „Relevation Space“-Universum angesiedelt ist. Ein Werk, bei dem man bedenkenlos zugreifen kann, wenn man Science-Fiction mag. Man wird bestimmt nicht enttäuscht.

Details

  • Originaltitel:
    Pushing Ice
  • Verlag:
  • Erschienen:
    09/2010
  • Umfang:
    784 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • ISBN 13:
    9783453522435
  • Preis:
    9,95 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Gewalt:
  • Gefühl: