Der letzte König von Osten Ard

Die Kinder des Seefahrers, Band 2

von Tad Williams
Rezension von Stefan Cernohuby | 20. Januar 2026

Die Kinder des Seefahrers, Band 2

Es kommt der Tag, an dem auch die längste Serie eines Autors oder einer Autorin zu Ende geht. Also zumindest gesetzt den Fall, die Person beendet selbige und drückt sich nicht davor, dies zu tun. Tad Williams hat zum Glück eine andere Einstellung als bestimmte Kollegen und hat mit dem zweiten Band von „Die Kinder des Seefahrers“ nun tatsächlich einen Schlussstrich unter seine „Osten Ard“-Romane gezogen. Endgültig? Das wird man sehen.

Schon im ersten Teil des aktuellen Romans war klar, dass die Nornenkönigin Utuk‘ku ein sehr endgültiges Ende für die gesamte Welt im Sinn hat. In einem ersten großen und unvermeidlichen Höhepunkt im Buch wenden sich sogar einige ihrer engsten Berater gegen sie, was letztendlich dazu führt, dass sie tatsächlich getötet wird. Etwas, das eine ganze Weltordnung auf den Kopf stellt, denn sie war Jahrtausende an der Macht. Und leider ist es auch nicht so, dass mit ihrem Tod sofort eine neue Ära des Friedens anbricht und sich alle verfeindeten Völker miteinander versöhnen. Denn es gibt immer noch eine Menge Personen, die auf ihren eigenen Vorteil aus sind und kein Interesse am Ende von Konflikten haben. Da ist zum einen der ehemalige Stadthalter Pasevalles, der erfolglos versucht hat, das Herrscherpaar auf dem Hochhorst zu töten und zum anderen viele, für welche die vorherige politische Lage günstig war und denen die neue Situation zutiefst missfällt. Es mangelt also keineswegs an Gefahren und missgünstigen Zeitgenossen, die verhindern wollen, dass „Die Kinder des Seefahrers“ ein Happy End hat.

Schon auf der ersten Seite des Buchs fühlt sich selbiges beim Lesen an wie ein langsames Abschiednehmen von einem liebgewonnenen Freund – oder in diesem Fall von einer ganzen Welt mitsamt all ihrer Wesen, die einem ans Herz gewachsen ist. Man kann auch so viel vorwegnehmen, dass man sich auch von etlichen Charakteren verabschieden muss. Denn Auseinandersetzungen, Kriege, Intrigen, Attentate und andere Täuschungen fordern ihren Tribut, bevor man daran denken kann, ein uraltes Schiff zu einem unbekannten Ziel aufbrechen zu lassen. Trotz seiner über 600 Seiten liest man das Buch sehr schnell. Handlungsfäden, die bisher weit nebeneinander hergelaufen sind, verknüpfen sich. Freunde treffen einander wieder, Familien werden wieder zusammengeführt. Gibt es ein glückliches Ende? Vielleicht für einige der Charaktere. Aber ist es wirklich das Ende, ein für alle Mal? Nun, das behält sich der Autor vor, in Frage zu stellen. Es gibt zumindest noch eine Möglichkeit, an die Ereignisse anzuknüpfen. Ob das jedoch passieren wird, ist fraglich, denn Tad Williams hat schon andere große Pläne. Pläne, die möglicherweise die Rückkehr in eine andere seiner Welten bedeuten.

Der zweite Band von „Die Kinder des Seefahrers“ von Tad Williams ist beinahe ein Wohlfühlband. Beinahe, weil es trotzdem viele Kämpfe und Tote gibt. Aber dennoch nimmt die Handlung für etliche der Charaktere eine so positive Wendung, dass einem das Abschiednehmen von liebgewonnenen Persönlichkeiten nicht ganz so schwerfällt. Ein würdiges Ende einer epischen Geschichte.

Details

Bewertung

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