Inhibitor-Zyklus

Chasm City

von Alastair Reynolds
Rezension von Stefan Cernohuby | 01. Oktober 2026

Chasm City

Als Science-Fiction-Autor hat man verschiedene Optionen. Man kann sich in ausufernden Reihen verlieren oder Einzelromane schreiben. Oder eine Hauptreihe verfassen und andere Romane im selben Universum ansiedeln. Alastair Reynolds hat in seiner „Revelation Space“-Reihe mehrere Ansätze miteinander verwoben. Aber in jedem Fall so, dass er mit „Chasm City“ einen unabhängigen Roman schreiben konnte, der dennoch mit den Ereignissen der anderen Bände verwoben ist.

Tanner Mirabell ist auf der Suche nach einem Flüchtigen. Einem Mann, der seinen ehemaligen Auftraggeber und dessen Frau getötet hat. Als er ihm mit einem Orbitallift in den Orbit des Planeten Sky’s Edge folgen will, geschieht etwas Unerwartetes. Noch während er unterwegs ist, wird die Bodenstation des Aufzugs mit einem Nuklearsprengsatz zerstört. Ihm gelingt es zwar zu überleben und etliche Menschen zu retten, danach wird es allerdings sehr chaotisch. Denn als er das nächste Mal erwacht, ist es in einem völlig anderen Sternensystem. Er hat die meisten seiner Erinnerungen verloren, befindet sich inmitten einer von einer techno-biologischen Seuche heimgesuchten Zivilisation und wurde darüber hinaus noch mit einem Idoktrinationsvirus infiziert, welches ihn Flashbacks von Sky Haussman erleben lässt. Einem der größeren Verbrecher der Menschheitsgeschichte, welcher auf dem nach ihm benannten Planeten von einer Gruppierung als Gottheit verehrt wird. Inmitten von Chaos, Pestilenz, Feinden, unplanbaren Erinnerungen an ein anderes Leben und wachsendem Zweifel an seiner eigenen Identität versucht Tanner, seinen Racheplan umzusetzen. Einen Mann namens Argent Reivich zu töten. Doch das ist gar nicht so einfach, wenn so viele Geister aus der Vergangenheit im eigenen Hinterkopf herumspuken.

Was den Roman so interessant macht, sind die Ereignisse in drei unterschiedlichen Zeitebenen. Da ist die fragmentierte Gegenwart, die zum Teil über Jahrzehnte springt, wenn interstellare Entfernungen zurückgelegt werden. Da sind die Ereignisse, die zum Tod vom Auftraggeber des Protagonisten und dessen von beiden Männern geliebten Frau geführt haben. Und da ist die Lebensgeschichte Sky Haussman, der unsagbare Verbrechen begangen hat. Die Wechselwirkung der drei Geschichten aufeinander, obwohl zwischen ihnen zum Teil Jahrhunderte liegen, machen die Faszination des Werks aus, dessen Kerngeschichte man sonst als verhältnismäßig simpel gestrickt bezeichnen könnte. Nunja, wenn sich nicht Elemente wie Kryostasis, elektronische Bewusstseinsspeicherungen, genetische Veränderungen, unbekannte fremde Lebensformen und Generationenschiffe eine Rolle für die Handlung spielen würden. Eine Handlung, die zwar Fragmente dessen streift, was in den Büchern von Reynolds‘ Hauptreihe eine Rolle gespielt hat, aber dennoch für sich allein stehen kann. Und das sogar sehr gut. Besonders die verschiedenen Wendepunkte in den unterschiedlichen gleichzeitig erzählten Geschichten machen den Roman zu einem Sonderfall und einem der besten Science-Fiction-Romane des frühen 21. Jahrhunderts.

„Chasm City“ von Alastair Reynolds ist beides. Ein Einzelroman und ein Teil des „Revelation Space“-Universums, in welchem die Hauptreiche von Reynolds angesiedelt ist. Gleichzeitig ist er aber noch einer der großartigsten Romane im Genre Science Fiction, welchen die frühen 2000er hervorgebracht haben. Unabhängig davon, ob man den Rest der Reihe kennt, sollte man als Fan des Genres und insbesondere von Space Operas, diesen Roman unbedingt gelesen haben.

Details

Bewertung

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  • Erotik:
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