Ich hasse Weihnachten! Ein Wichtel packt aus
Zwischen Nachtschichten, Performancedruck und eindeutig zu schwachem Punsch
von Sandra Ruhland
Des einen Freud, des anderen Leid: Weihnachtswichtel. Wie ein Wirbelsturm brach der Hype über uns aller herein. In einem Jahr noch kaum bekannt, im nächsten gab es kein Geschäft mehr, das nicht mindestens Wichtelfiguren und Wichteltüren verkaufte. Wichtel gehören mittlerweile so fest zu Weihnachten dazu wie der Weihnachtsbaum. Doch wie geht es den kleinen Wesen mit Zipfelmütze mit dem plötzlichen Ruhm?
Von wegen Weihnachtsstimmung
Schlecht, verdammt schlecht. Das lassen zumindest Buchtitel und Untertitel dieses kleinen Adventskalenderbüchleins erahnen. Das Wichtel-Dasein ist schon lange kein Zuckerschlecken mehr. Was aber wirklich hinter den Kulissen abläuft, das verrät uns hier ein Insider.
Verpackt in 23 Episoden, plus einem Nachtrag aus dem Urlaub, nimmt uns ein Wichtel mit in seinen stressigen Arbeitsalltag zwischen 1. und 23. Dezember. Denn jetzt müssen die Wichtel vom Nordkap zu den Menschen ziehen, wo ihnen kleine, schäbige Wohnungen in Wänden zur Verfügung gestellt werden. Wohnungen, in denen es arschkalt ist, deren Eingangstür oftmals selbst gebaut ist und mindestens genauso klapprig wie die davor aufgestellte Trittleiter. Hier also sollen Wichtel nun einen Monat lang zwischen Stress, Familienbespaßung und Wunscherfüllung ausharren.

Zwischen Weihnachtsmarkt und Produktivität
Anfangs machte ihnen das ja noch Spaß. Doch wie so oft wurde aus einem kleinen Familienunternehmen ein Riesenkonzern mit festen Strukturen, sinnlosen Online-Meetings, unverständlichem Marketing-Geschwurbel und Corporate-Ideen zum Davonlaufen. So quält sich unser Wichtel von einem Tag zum nächsten, trifft sich zwischendurch mit Wichtelfreunden auf dem Weihnachtsmarkt, wo man Glühwein trinken und den Stress vergessen will, wo aber dank mehr als einer Tanne mit Würstelbude und Glühweinstand ein Zusammenfinden schwierig ist. Obendrein gibt es beim Glühwein nur zwei Temperaturen: brennheiß oder eisigkalt.
Während der Konzern auf die glorreiche Idee kommt, einen Social Media Auftritt ins Leben zu rufen, die sogenannte Produktivität weiter steigern will und auch KI keinen Halt vor der Wichtelwelt macht, lebt da draußen eine Menschenfamilie zwischen Bedarfsorientierter Erziehung, Adventshektik und einer Weihnachtsstimmung, die nichts mehr mit den Vorstellungen von Wichtelweihnacht zu tun hat. Doch zum Glück sind diese 24 Tage schnell rum und dann warten wieder elf Monate Erholung auf den Wichtel.

Nicht ganz ernst gemeinter Adventskalender für Erwachsene
Und während die Wichtelberichte Tag für Tag trostloser, frustrierter und stimmungsloser werden, fragt sich der Lesende, wohin das Buch eigentlich will. Ja, die Wichtelbegeisterung steigert sich immer mehr und ja, man darf durchaus fragen, wo endet dabei eigentlich die Besinnlichkeit und geht in einen Performance-Stress über? Gleichzeitig fragt man sich aber auch, was arbeitet unser Wichtel eigentlich den lieben langen Tag? Er wird nicht müde über die Konzernstrukturen zu schimpfen. Er stöhnt in einer Tour über seine Familie, seine schäbige Unterkunft, die ständig bereitgestellten Kekse mit dem Glas Milch, über die er Nacht für Nacht stolpert - aber was genau ist seine Aufgabe? Bis auf den 23. Dezember sieht man ihn eigentlich kaum in Interaktion mit seiner Menschenfamilie. Vielmehr wirkt es, als würde er an ihr vorbeileben. Die erwähnten Nachtschichten und der Performancedruck lesen sich mehr wie eine Kritik an allgemeinen Firmengebaren und weniger als Kritik an den völlig ausufernden Wichtelscherzen, die sich Familien Jahr für Jahr einfallen lassen, um ihren Kindern eine besonders aufregende Adventszeit zu bescheren. Und so bleibt man am Ende etwas enttäuscht zurück, denn auch, wenn vieles von dem, was der Wichtel hier zur Sprache bringt, richtig ist, ist das mit Humor vorgehaltene Spiegelbild über die übertriebene Wichtelmanie etwas verschleiert geraten.

„Ich hasse Weihnachten“ Ein Wichtel packt aus“ ist ein kleines Adventskalenderbuch, das mit seinen 24 Erzählungen eines Wichtels fragen will, wann der Wichtelzauber zu einem Geschäftsmodell verkommen ist. An manchen Stellen ist der Kerl mit der Zipfelmütze etwas zu sehr ins Konzerndenken und weg vom Familiengeschehen abgebogen, dennoch wird klar, dass weniger mehr ist und wir alle vielleicht etwas weniger anspruchsvoll in allem sein sollten.
Details
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Erschienen:09/2026
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Umfang:64 Seiten
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Typ:Hardcover
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ISBN 13:9783742330987
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Preis (D):9,00 €
