Jordan Mechner präsentiert „Replay“ im Jüdischen Museum Wien
Ein spannender Talk über Nationalitäten, Religion und Identität
Beitrag von Stefan Cernohuby | 03. März 2026
Familiengeschichten haben immer ein wichtiges Merkmal – sie erstrecken sich über mehrere Generationen. Familienbande sind auch der Grund, warum ein ungewöhnliches Werk eines international bekannten Computerspielautors in einem kleinen österreichischen Verlag aus Tulln erschienen ist. Und das ist sehr erfreulich, denn „Replay“ von Jordan Mechner ist eine besondere Graphic Novel.

Wer ist Jordan Mechner eigentlich? Das ist eine Frage, die auf mehreren Ebenen betrachtet werden muss. Aber der bekannteste Aspekt an erster Stelle. Er ist ein berühmter Spieleentwickler („… keine Legende, denn Legenden gibt es nicht“ – O-Ton Jordan Mechner), der hauptsächlich für die Erfindung des Kultspiels „Prince of Persia“ mit all seinen verschiedenen Inkarnationen bekannt ist. Auch am Kinofilm von 2010 (unter anderem mit Jake Gyllenhall und Ben Kingsley) war er beteiligt.
Darüber hinaus stammt er jedoch auch aus einer jüdischen Familie, die tief in der österreichischen Geschichte verankert ist. Während sein Großvater aus einem heute in der Ukraine liegenden Teil der K&K-Monarchie stammte, wuchs sein heute 95-jähriger Vater in seiner Kindheit in Wien auf. Beide waren sehr akribische Chronisten ihrer eigenen Geschichte und gaben diese auch an Jordan weiter, der sie im Laufe der Zeit digitalisierte. Und irgendwann beschloss dieser, die Geschichten dreier Generationen in Form einer Graphic Novel niederzuschreiben. Die von ihm selbst gezeichneten Illustrationen wurden in drei unterschiedlichen Kolorierungen ausgeführt, um die verschiedenen Handlungsstränge von der Zeit im 1. Weltkrieg seines Großvaters, der Flucht seines Vaters vor der Verfolgung im NS-Regime und seiner eigenen persönlichen Geschichte mit Computerspielen, Beziehungen und Reisen zwischen den USA, Frankreich und Österreich unterscheidbar zu machen.
Oft entkam seine Familie nur durch Glück oder Voraussicht lebensbedrohlichen Situationen. Verletzungen im ersten Weltkrieg und Bomberangriffe in Südfrankreich waren offensichtliche Gefahren. Dass zwei Hitler-Aquarelle – von einem Verwandten Jahre zuvor gekauft – dann letztendlich die Ausreise finanzierten, ist schon beinahe filmreif.
Der Autor beantwortete auch einige Fragen – unter anderem nach dem im Buch thematisierten Verschwinden einiger Aufzeichnungen aus den Memoiren seines Großvaters. Dabei stellte er auch klar, dass alle Ereignisse in der Graphic Novel wahr wären, der Dramaturgie willen aber teils in der Reihenfolge verändert, beziehungsweise etwas überspitzt dargestellt wurden. Wobei ersteres allerdings keine Rolle spielt, denn das Buch springt in seinen Erzählungen zwischen den Zeiten relativ frei hin und her.
Die Hauptthemen sind Hoffnung, der Zusammenhalt einer Familie und wie wichtig es ist, sich die Erinnerung an Ereignisse zu bewahren. Es ist ein eindrucksvolles Statement gegen Hass und Vorurteile. Und, nach der Fragenrunde war auch klar – es ist auch ein eindrucksvolles Plädoyer des Autors für gegenseitiges Verständnis und Offenheit. Denn Jordan Mechner sieht sich gleichzeitig als Amerikaner, Österreich und Angehöriger der jüdischen Gemeinde und begegnet anderen offen und unvoreingenommen. Eine Haltung, die man nur unterstützen und sich zum Vorbild nehmen kann.
Replay - Erinnerungen einer entwurzelten Familie
Jordan Mechner
gebunden, 320 Seiten
Vermes Verlag, Januar 2026
ISBN: 978-3-903553-23-1
