Nichtlustig

von Michael Rieneck
Rezension von Janett Cernohuby | 13. August 2009

Nichtlustig

Mit seinen "nicht lustigen" Cartoons hat Joscha Sauer nicht nur eine breite Fangemeinde gewonnen, sondern auch Kultstatus erreicht. Mehrere Bände zu den abstrusen Figuren sind bereits erschienen, in Newslettern erhält man regelmäßig neue Comicstrips präsentiert und auch die Figuren selber kann man sich mittlerweile etwa als Lemminge in die eigenen vier Wände hängen. Sie ist es eigentlich nicht überraschend, dass auch im Bereich Brettspiele "Nichtlustig" seinen Einzug gehalten hat. Das gleichnamige Spiel dazu stammt von Michael Rieneck. Dieses wollten wir uns einmal genauer ansehen.

Ausgestorbene Dinos, verrückte Professoren, einsame Yetis, selbstmordgefährdete Lemminge, ein in der Mauer lebender Herr Riebmann und natürlich der Tod mit seinem Pudel - sie alle sind dem Kenner der "Nichtlustig"-Cartoons gut bekannt und auf sie trifft man auch in gleichnamigen Gesellschaftsspiel.
Das Spielprinzip ist eigentlich denkbar einfach: Durch die passende Würfelkombination sammelt man so viele Karten wie möglich, um am Ende die meisten Punkte zu haben. Doch Vorsicht, der Tod kann diese Punkte auch in Minuspunkte umwandeln. Doch wie funktioniert das nun genau?
Das Spiel besteht aus insgesamt 37 Cartoonkarten, welche sich in jeweils fünf Karten für Herrn Riebmann, Yetis, Lemminge, Professoren und Dinosaurier aufteilen. Hinzu kommen weitere sechs Tod-Karten sowie sechs Sonderkarten. Zusätzlich finden sich sieben Würfel in der Box. Von diesen gibt es jeweils zwei schwarze, rote und weiße sowie einen rosafarbenen Würfel. Eine jede Farbe gehört zu einer bestimmten Personengruppe, wobei Professoren und Dinosaurier eine Ausnahme bilden. Denn bei diesen gilt es spezielle, auf den Karten angezeigte Werte zu erwürfeln. Bei den Würfeln handelt es sich um sechsseitige Würfel, wobei die Ziffer 6 durch ein Symbol ersetzt wurde. Dieses deutet auf eine Sonderkarte hin, wobei auf den rosafarbenen Würfeln ein Pudel abgebildet ist, der natürlich den Pudel des Todes darstellt.
Zu Beginn des Spiels werden die Karten mit den Figuren, auch Zielkarten genannt, in die Mitte des Tisches gelegt. An deren Rand werden anschließend die Tod- und Sonderkarten gelegt. Nun kann das Spiel auch schon beginnen. Wer an der Reihe ist, würfelt mit den sieben Würfeln. Während eines Spielzuges darf man bis zu dreimal würfeln. Nach jedem Wurf darf man beliebig viele Würfel aussortieren. Der Rest darf ein weiteres Mal geworfen werden. Einmal aussortierte Würfel dürfen aber nicht mehr geworfen werden. Kann ein Spieler nach dem dritten Wurf mit seinem Ergebnis die Werte einer oder mehrerer Zielkarten erfüllen, darf er sich diese nehmen. Liegt die begehrte Zielkarte bereits bei einem anderen Spieler, ist aber noch nicht gewertet, darf man sich diese ebenfalls zu seinem Stapel hinzulegen. Gewertet werden Karten durch das Ergebnis des rosafarbenen Würfels. Denn dieses zeigt nicht nur an, welche Tod-Karte der aktive Spieler am Ende seines Zuges nehmen muss, sondern auch, welche Karte umgedreht und somit gewertet werden dürfen. Einmal gewertete Karten sind Punkte und dürfen von anderen Spielern nicht mehr weggenommen werden. Doch Vorsicht! Die am Ende einer Runde gezogene Tod-Karte muss immer sofort auf eine gewertete Zielkarte gelegt werden. Dies hat zur Folge, dass die dadurch erreichten Punkte ungültig werden. Zuerst werden natürlich die Lemming-Karten belegt, da diese Figuren freiwillig "hier" schreien, sobald sie den Tod sehen. Die Dinosaurier hingegen sind bereits ausgestorben, wodurch die Tod-Karten auf sie keinen Einfluss haben.
Dann gibt es da noch die Sonderkarten, bei denen einige positive Ergebnisse bringen, etwa das erneute Würfeln, oder negative Ereignisse zur folge haben, wie etwa das Aussetzen einer Runde.
Das Spiel endet, sobald fünf oder weniger Zielkarten ausliegen. Nun kommt es zur Endabrechnung. Gewonnen hat derjenige, der am Schluss die meisten Punkte hat.

"Nichtlustig" ist ein nettes, unterhaltsames Kartenspiel für zwei bis vier Spieler. Das Spielprinzip ist einfach, rasch erklärt und genauso schnell begriffen. Hat man die Regeln einmal gut durchgelesen, ist ein erneutes Nachschlagen in der Beschreibung eigentlich nicht mehr erforderlich.
Neben den leichten Spielregeln sind es auch die geringen Vorbereitungen, die einen raschen Spielbeginn ermöglichen. Denn die Karten sind rasch in der Tischmitte ausgelegt und weitere Vorbereitungen sind nicht zu treffen.
Der Spielverlauf ist locker, lustig und sorgt für allerlei Trubel. Dies kommt nicht zuletzt dadurch, dass man sich öfter bei seinen Mitspielern bedient und ihnen wertvolle Karten wegnimmt. Bei diesen sollte man auch zusehen, sie rasch zu werten - was größtenteils jedoch auch von dem Würfelergebnis seiner Mitspieler abhängt. Taktisches Vorausplanen oder spielen ist bei diesem Spiel kaum möglich. Sicher kann man durch gezieltes Sammeln der Karten sich sehr früh wertvolle Punkte sichern oder durch das Ergebnis des rosa Würfels gewisse Karten werten oder nichtwerten, doch das war es dann auch schon. "Nichtlustig" ist ein Spiel, das auf Glück und vor allem Schadenfreude abzielt. Denn seinem Mitspieler wertvolle Zielkarten oder sogar Sonderkarten wegzunehmen, kann manches Mal heiter werden. Besonders, wenn eine der positiven Sonderkarten von einem Spieler zum anderen wandert, jedoch niemals zur Wertung gelangt.
Allerdings hält sich der Langzeitmotivation von "Nichtlustig" in Grenzen. Sicherlich mag die eine oder andere Partie lustig sein, doch bereits nach der dritten Spielrunde wird es langweilig und man greift wahrscheinlich zu einem anderen Spiel. Denn dafür sind die Regeln und auch das Spielprinzip insgesamt zu einfach und anspruchslos gehalten. Was aber vermutlich auch daran lag, dass die Gestaltung mehr auf das Thema "Nichtlustig" ausgerichtet war, als auf ein tiefer gehendes Spielprinzip. Denn die einzelnen Karten sind durchaus witzig und werden beim ersten zur Hand nehmen des Spiels wohl eher durch die Hände aller Beteiligten gehen. Auf ihrer Vorderseite, die auch gleichzeitig die Bedeutung der Karte angibt, findet sich ein lustiges Bild des jeweiligen Charakters - stets in einer anderen Pose. Auf der Rückseite, welche nach der Wertung offen liegt, findet sich dann ein Cartoon zur jeweiligen Personengruppe. Diese stammen zum größten Teil aus dem Comicband "Nichtlustig 3", worauf auch schon die rote Verpackung mit dem darauf abgebildeten Tod hinweist.

Somit ist das Gesellschaftsspiel "Nichtlustig" eine nette Idee für alle Fans der Comicstrips. Es ist allerdings eher darauf ausgerichtet, heitere Bilder und lustige Cartoons zu zeigen, als durch ein tiefer gehendes Spielprinzip zu überzeugen. Daher wird es wohl eher wahre Fans der gleichnamigen Comics ansprechen, als jene, die ein unterhaltsames Spiel mit Langzeitmotivation suchen.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    02/2009
  • Umfang:
    1 Spiel
  • Typ:
    Hardcover
  • ASIN:
    3440690601
  • ISBN 13:
    4002051690601
  • Spieldauer:
    30 Minuten

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Spieltiefe:

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