Abbau Ost

von Olaf Baale
Rezension von Janett Cernohuby | 23. Januar 2009

Abbau Ost

Als 1990 mit der deutschen Wiedervereinigung die DDR an die BRD angeschlossen wurde, glaubte man noch daran, eine Einheit zu schaffen. Jetzt, zwei Jahrzehnte später, hat man dies noch immer nicht erreicht. Zwar gibt es auf dem Papier eine Bundesrepublik Deutschland, doch die Kluft zwischen den Menschen in Ost und West ist noch immer sehr groß. Der Ossi schimpft auf den Wessi, dieser wiederum weist die Schuld zurück und eigentlich hat doch keiner den anderen gewollt oder will ihn jetzt. Warum, fragt man sich da? Was ist schief gelaufen bei der deutschen Wiedervereinigung? Olaf Baale geht diesen Fragen in seinem Buch "Abbau Ost" auf den Grund.

Um zu verstehen, was sich in den letzten zwei Jahrzehnten in Deutschland zugetragen hat, muss man einen Blick auf die Ausgangssituation werfen. Genau damit beginnt auch Olaf Baale sein Werk. Er skizziert die wirtschaftliche Situation, in denen sich DDR und BRD vor und zum Zeitpunkt der Wende befanden, nur um dann auf das eigentliche Thema, den Zusammenschluss beider Länder, einzugehen. Hier betrachtet er freilich einen sehr großen und bedeutenden Meilenstein, der auch gleichzeitig einer der bekanntesten Kritikpunkte der Wiedervereinigung ist: die Währungsunion. Quasi über Nacht erlebte die bis dahin eher bedeutungslose Ost-Mark eine Aufwertung von 400 Prozent, was für jede Wirtschaft fatale Folgen hat. Doch nicht nur das Geld wurde umgewandelt, auch die sozialistischen DDR-Schulden wurden zu Realschulden und damit zu einem großen Problem für die Region.
Ein weiteres großes Thema in Olaf Baales Werk ist die Privatisierung der Volkseigenen Betriebe. Detailliert und direkt schildert er, wie ein ganzer Landstrich entwertet wurde. Die Volkseigenen Betriebe wurde an die Treuhand übergeben, welche die Aufgabe hatte, diese zu privatisieren. Tatsächlich erfolgte seitens der korrupten Anstalt aber eher eine willkürliche Bewertung der Unternehmen, welche oftmals zur Liquidierung führten.

Bücher und Berichte zum Thema Wiedervereinigung gibt es viele und so fragt man sich, was einen in diesem Band Neues erwartet. Wenn man ehrlich ist, nichts. Die Themen, die der Autor hier aufgreift, wurden alle schon mehr als einmal behandelt und ausdiskutiert. Trotzdem ist das Werk lesenswert, besonders für alle diejenigen, die noch immer lieber den Parolen lauschen, als die Situation einmal aus einem kritischen Blickwinkel zu betrachten. Dies tut der Autor dafür umso mehr. Anhand von Fallbeispielen mit den dazugehörigen Zahlen und Daten schildert er die Situation in den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung. Er geht sehr hart zu Gericht mit den Beteiligten und schreckt auch nicht davor zurück, diese direkt beim Namen zu nennen. Auf brachiale Art wurde hier ein Zusammenschluss erzwungen, der eigentlich über einen längeren Zeitraum und kontrollierter vonstatten hätte gehen müssen. In sachlicher Ausdrucksweise schildert er die Ereignisse, bringt Belege, die diese Aussagen untermauern. An ihnen gezweifelt hätte sicherlich niemand, denn dass Fehler gemacht wurden, wissen wir mittlerweile alle. Hier stellt sich dem Leser eher die Frage, was genau hätte man besser machen können? Wie hätte man mit der Situation vernünftiger umgehen können, damit die ehemaligen DDR-Bürger sich nicht der Bundesregierung hätten unterordnen müssen? Zwar erwähnt der Autor immer wieder, dass man an viele Dinge hätte überlegter herantreten müssen, aber wie genau das hätte aussehen können und ob es wirklich besser gewesen wäre, schreibt er nicht. Da bleibt am Ende dann wieder nur die Frage, ob es tatsächlich eine glücklichere Lösung für beide Seiten gegeben hätte.

Trotzdem ist "Abbau Ost" ein gelungenes Sachbuch, welches die Angliederung der DDR an die BRD noch einmal aufarbeitet, darstellt und dem Leser kritisch darstellt. Mit seinem Buch richtet sich Olaf Baale keineswegs an eine bestimmte Zielgruppe, widmet es aber dennoch den ehemaligen Bürgern der DDR.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    03/2008
  • Umfang:
    304 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • ISBN 13:
    9783423344685
  • Preis:
    12,9 €

Bewertung

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