Aquaman

Aquaman - Stille Wasser


Held von Atlantis
von Kelly Sue DeConnick, Robson Rocha (Illustration)
Rezension von Gabriel Zupcan | 22. Dezember 2019

Aquaman - Stille Wasser

Arthur Curry lebt! Aber er hat vergessen, wer er ist. Als Überlebender an eine unbekannte Insel gespült, lebt er in einem Dorf, wo noch Hexerei und Aberglaube praktiziert werden. Aquaman hat seine Superkräfte vergessen, doch er wird sie schon sehr bald brauchen, denn ein dunkles Geheimnis liegt über der Insel und ihren Einwohnern.

Als „Andy“ lebt Aquaman unter exzentrischen Dorfbewohnern, die der See Opferrituale darbringen. Er selbst ist hier angespült worden und hat Angst zu ertrinken. Die Ironie ist beträchtlich. „Andy“ versucht zu ergründen wer er ist, und stößt dabei mit der schönen Caille zusammen. Die Hexe hat ein Geheimnis, um das nur die Dorfbewohner wissen. Wenn er ihr hilft, kann er auch wieder mehr über sich selbst erfahren und vielleicht in seine Heimat zurückkehren. Dort, in Atlantis, wird er für tot gehalten, und seine Frau Mera erwartet schon als Abbild der Penelope die aufwartenden Freier.

Nachdem der britische Sci-Fi-Spezialist Dan Abnett (u.a. „Gaunt’s Geister“, Warhammer 40k) seine Aquaman-Serie vollendet hat, wurde das Autorenzepter an Kelly Sue DeConnick weitergegeben. Sie hat zwar in der Welt von DC Comics noch nicht viel geschrieben, aber bei Marvel ist sie ein großer Name. Bekannt wurde sie vor allem durch ihre Version von Captain Marvel (Carol Danvers), der sie ihren aktuellen, modernen und unter Fans durchaus umstrittenen Anstrich gegeben hat. „Eine starke Persönlichkeit“ sagen die einen, „ständig wütend und unsympathisch“ sagen die anderen. DeConnick, die sich klar als Feministin positioniert, hat hier ein Statement abgegeben. Mit Aquaman nimmt sie sich bei DC ebenfalls einen Charakter vor, der zwar bekannt ist, aber keineswegs zur ersten Reihe des Verlags gehört. Die Aufmerksamkeit ist ihr gewiss, hat doch der Aquaman-Film mit Jason Momoa sich als beachtlicher Erfolg an den Kinokassen erwiesen. Als Hinweis darauf bekommt Aquaman zu seinem hippen Vollbart auch gleich ein Tattoo der pazifischen Ureinwohner spendiert. Jason Momoa wird diese Hommage sicher freuen.

DeConnicks Aquaman beginnt bei Null. Kein Gedächtnis, keine bekannten Gesichter um ihn herum, er ist allein und gefangen. DeConnick taucht ihn in eine zutiefst mythische Welt ein. Eine Insel ohne Namen, abgeschnitten von jeglicher Außenwelt. Die skurrilen Bewohner entpuppen sich bald als weitaus mehr, als es zunächst den Anschein hat. Der große Mythos der See wird beschworen. Alte Sagen und Legenden, die Epen der alten Völker. Ein Hauch von Odysseus weht über der Geschichte. Beinahe liest sich „Stille Wasser“ wie ein modernes Märchen oder ein Stück Fantasy. Die Action kommt am Ende auch nicht zu kurz, als es zum überaus epischen Showdown kommt. Das Blut trieft jedoch nicht in derartigen Mengen wie noch zuletzt gewohnt. Die wunderschönen Bilder von Zeichner Robson Rocha geben der Geschichte den notwendigen, überirdischen Look. So wie Rocha Wasser und Monster zeichnen kann, sieht man sofort, dass er für Aquaman geboren ist. Die Gischt sprüht einem direkt aus den Seiten entgegen.
Die Stilrichtung ist eine komplett andere, als beim Vorgänger. Wer die Aquaman-Serie besonders zu schätzen gelernt hat, nach der letzten Storyline, sollte hier ein wenig vorsichtig reinlugen. Es ist immer noch Arthur Curry, aber die Stilrichtung weicht deutlich ab. Fans von moderner Fantasy hingegen, die sonst wenig mit Superhelden anfangen können, sollten hier unbedingt einen Blick riskieren. Es könnte ihnen sehr gut gefallen

Eine unerwartete Geschmacksrichtung hat das Salzwasser bekommen. Nicht schlechter, nicht besser, aber anders als man es bislang kannte. Sehens- und lesenswert gibt Kelly Sue DeConnick ihren Einstand bei Aquaman.

Details

Bewertung

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