Betritt man eine Fabrikhalle, in der Roboter eingesetzt werden, kann man diese in der Regel sehr einfach identifizieren. Sie sind für repetitive Aufgaben konzipiert, die simpel sind, aber schnell automatisiert erledigt werden können. Der Gedanke, dass derartige Roboter bewusstes Denken entwickeln könnten, ist vielleicht weit hergeholt, aber dennoch die Vorgeschichte zu Becky Chambers „Monk & Robot“-Doppelroman. Auf Deutsch ist der erste Roman unter dem Titel „Ein Psalm für die wild Schweifenden“ erschienen.
Manchmal muss man im Leben einfach raus aus der Stadt, rein in die Natur. Damit beginnt der Roman. Denn Dex geht es genauso. Als Teemönch hat Dex sehr viel mit Menschen zu tun, hilft anderen dabei ihren Platz im Leben zu finden. Für sich selbst gelingt das nicht ganz so gut. Die Lösung scheint eine abenteuerliche Reise zu sein, weg von den Gefilden des Landlebens, hinein in die richtige Wildnis. An einen Platz, wo keine Menschen mehr leben, sondern nur noch Hinterlassenschaften eines früheren Zeitalters existieren. Eines Zeitalters, in dem Menschen noch Roboter nutzten, bevor diese irgendwann erwachten und irgendwo in der Wildnis verschwanden. Doch das größte Abenteuer ist nicht die Reise, sondern die Begegnung mit Helmling (im englischen Original Mosscap). Einem Roboter, dessen erste Frage lautet: „Was brauchen die Menschen?“ Das ist eine Frage, die Dex nicht beantworten kann, nicht einmal für sich selbst. Dieser Roboter hat sich freiwillig gemeldet, um sich mit Menschen auszutauschen und beschließt kurzerhand, Dex bei seiner Expedition zu begleiten. Dabei lernen die beiden viel voneinander und noch mehr über sich selbst. Besonders was Begriffe wie „Funktion“ und „Sinn“ betrifft.
Welche Funktion hat ein Mensch? Keine. Ein Roboter, der für einen bestimmten Zweck gebaut wurde, natürlich schon. In einer Welt, in der sich Maschinen dagegen entschieden haben, ihren ursprünglich geplanten Daseinszweck zu erfüllen, ist die Suche von Menschen nach ihrer Funktion oder den Sinn in ihrem Leben noch paradoxer. Becky Chambers wählt diese Gegensätze mit Bedacht, auch um die Leser*innen genauso behutsam an Fragen und Gedanken heranzuführen. Das aus dem Englischen 1:1 zu übersetzen ist schwierig, umso mehr als sie mit Mosscap und Dex zwei Charaktere geschaffen hat, die kein Geschlecht besitzen. Aus dem „they“ der englischen Ausgabe wurden in der deutschsprachigen Übersetzung Neopronomen, die nicht bei allen Leser*innen gut angekommen sind. Doch eher problematisch als die größtenteils gelungene Verwendung der Pronomen ist der nicht ganz nachvollziehbare deutsche Titel. Denn während es im englischen Original um „wild-built“ geht, was sich auf nicht-Fabrikgefertigte Roboter bezieht, sind es auf Deutsch die wild Schweifenden. Das ergibt zwar hinsichtlich der Handlung Sinn, war aber so nicht gemeint. In beiden Fällen ist das Werk jedoch spannend, unterhaltsam und besitzt philosophischen Tiefgang.
„Ein Psalm für die wild Schweifenden“ ist ein philosophischer Kurzroman von Becky Chambers und erster Band eines Zweiteilers. Roboter und Mönch versuchen einander und sich selbst zu verstehen. Hier soll zusätzlich Respekt für die Übersetzung von Karin Will ausgesprochen werden, welche die non-binäre Natur beider Hauptpersönlichkeiten durchgängig in deutsche Sprache übertragen hat.
Details
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Originaltitel:A Psalm for the Wild-Built
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Übersetzer*in:Karin Will
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Band:1
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Erschienen:01/2024
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Umfang:188 Seiten
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Typ:Hardcover
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ISBN 13:9783910914100
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Preis (D):18,00 €
