Das Kind auf der Treppe

von Karla Schmidt
Rezension von Stefan Cernohuby | 17. April 2010

Das Kind auf der Treppe

Viele Autoren und Verlage sind der Meinung, dass sich ein Buch heutzutage besser verkauft, wenn es aufregt, schockiert oder einfach nur anstößige Inhalte besitzt. Dies beschränkt sich mittlerweile nicht mehr auf fiktionale Quasi-Lebensbeichten, sondern hat auch in anderen Bereichen der Unterhaltungsliteratur Schule gemacht. So scheint auch Karla Schmidt in ihrem Roman "Das Kind auf der Treppe" auf diese Schiene aufspringen zu wollen, wird doch schon im Vorfeld von einem Kindesentführer und einem misshandelnden Ehemann erzählt.

Leni Draugur ist auf der Flucht, größtenteils vor sich selbst und ihrer Vergangenheit, aber auch vor ihrem Ehemann. Denn dieser trachtet ihr mutmaßlich nach dem Leben. Nachdem sie seine Beinahe-Vergewaltigungen, perversen Spielchen und Folterungen lange genug ertragen hat, ließ sie sein Kind abtreiben und machte sich aus dem Staub. Bei ihrer Halbschwester Zicky angekommen, macht sie die Bekanntschaft eines blassen und kränklichen Jungens, der schon bald eine wichtige Rolle in ihrem Leben spielen wird. Abgesehen davon entdeckt die junge Musikerin das gesangliche Talent der blinden Lebensgefährtin ihrer Schwester, nimmt mit ihr gemeinsam eine Platte auf und hat mit ihr Sex. Darüber hinaus hat sie eine kurze aber schmutzige Affäre mit einem Polizisten, kümmert sich um den kleinen Nicky, für deren Mutter sie Babysitter spielt. Dieser Fünfjährige wird von seiner Mutter einerseits noch gestillt, andererseits hält sie an einem interessanten Ernährungsplan für ihn fest. Und da ist noch der geile alte Nachbar, der schon einmal großen Einfluss auf die Vergangenheit einer der involvierten Persönlichkeiten hatte. Dramatisch läuft alles auf ein haarsträubendes Finale hin...

Grundsätzlich klingt eine Zusammenfassung der Inhalte ziemlich spannend, gibt es doch kaum Platz für Langeweile. Das ist wahr, allerdings gibt es auch keine klare Linie, auf der man sich über das Fortschreiten der Handlung freuen kann. Denn das passiert nicht. Es gibt keinen Fortschritt, sondern immer nur eine Aneinanderreihung von Ereignissen, die jedes für sich spannend, gegebenenfalls ekelhaft und schockierend und möglicherweise Stoff für einen eigenen Roman wären. Doch in einem Buch von gerade einmal 315 Seiten zusammengefasst ist dies einfach nur eine Wulst von Ereignissen, der weder zusammenpasst, noch eine sinnvoll strukturierte Geschichte erzählt. Ein kurzer Auszug daraus, welche Schlagworte in diesem Buch behandelt werden, sollte illustrieren, wie der Verfasser dieser Kritik das meint. Vergewaltigung, Kindesmissbrauch, Inzest, Homosexualität, Kannibalismus, Entführung, Folter, Verstümmelung, Mord, Alkoholismus, mörderische Bestatter und Abtreibung sind längst nicht alle Inhalte, welche die Autorin in einen Roman zu pressen versucht. Anspruchslosere Leser, die auf mehr oder weniger schockierende Inhalte aus sind, werden dem Werk vermutlich sogar etwas abgewinnen können. Andere, die einfach nur mal wieder nach einem vermeintlich interessanten Krimi greifen wollten, sind hier hingegen völlig an der falschen Adresse.

Karla Schmidt hat mit ihrem Werk "Das Kind auf der Treppe" versucht, einen etwas anderen Roman zu schreiben. Ein Werk, das nicht nur auf einer Ebene schockiert, sondern auf allen vorhandenen. Gelungen ist ihr das allerdings kein Bisschen. Interessant ist das Buch daher nur für Leute mit starkem Magen, die sich gerne ekeln. Alle anderen Leser sollten besser einen weiten Bogen um diesen Roman machen. Denn das Geld für den Kaufpreis ist anderorts sicher besser angelegt.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    03/2010
  • Umfang:
    315 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • ASIN:
    349225781X
  • ISBN 13:
    9783492257817
  • Preis:
    8,95 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Gewalt:
  • Gefühl:
  • Erotik:

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