Breakfast on Pluto

von Patrick McCabe
Rezension von Janett Cernohuby | 01. Februar 2009

Breakfast on Pluto

Auch in unserer heutigen, aufgeklärt erscheinenden Gesellschaft sind für einen Teil der Menschen Themen wie Homosexualität und Transsexualität anstößig oder gar tabu. Umso undenkbarer war das Thema erst in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Genau in dieser Zeit spielt auch der vorliegende Roman "Breakfast on Pluto", welcher genau diese und weitere Themen aufgreift.

Patrick "Pussy" Braden hat ein aufregendes Leben hinter sich und schreibt dieses nun für seinen Psychiater nieder. Geboren im Irland der fünfziger Jahre, wächst Patrick in einer Pflegestelle auf. Viel Liebe und Geborgenheit erfährt er jedoch nicht: Seine Kindheit ist begleitet von Alkoholeskapaden, Schlägen und Beschimpfungen seiner Pflegemutter. Schon früh weiß Patrick, dass er nur das Ergebnis eines wollüstigen Fehltritts des katholischen Paters seines Heimatdorfes Tyreleen ist. Und daraus macht der Junge kein Geheimnis. Wann immer sich die Gelegenheit bietet, erinnert er sowohl seinen Erzeuger, als auch die Dorfgemeinde an diesen Fehltritt. Doch dabei verspürt er weder Genugtuung noch Geborgenheit und so flüchtet er sich immer mehr in Tagträume und seine Liebe zur Musik - an seiner Seite seine zwei besten und einzigen Freunde Charlie und Irwin. Als junger Teenager beginnt Patrick sich Lippenstift und Miniröcke zu kaufen, was er in seinem kleinen Heimatdorf nicht lange geheim halten kann. Doch Patrick stört sich nicht an den bösen Zungen seiner Nachbarn und geht seinen Weg. Als seine erste große Liebe, ein irischer Politiker, ermordet wird, beschließt er schließlich nach London zu gehen. Dort startet er eine verwegene Karriere als Transvestit auf dem Piccadilly-Straßenstrich. Pussy, wie sich Patrick mittlerweile nennt, führt ein Leben zwischen Abgrund und Luxus. Dazwischen versucht er verzweifelt seine Mutter zu finden.

"Breakfast on Pluto" ist ein skurriler, sarkastischer Roman, bei dem man oft nicht weiß, ob man zuerst lachen oder weinen sollte. In kurzen Episoden erzählt der Autor das Leben von Patrick "Pussy" Braden. Dabei lässt er seinen Protagonisten naiv, leichtgläubig, oberflächlich und verletzlich erscheinen. Patrick ist nicht nur auf der Suche nach Liebe und Geborgenheit, sondern auch nach seiner Mutter. Immer wieder träumt er davon, wie sein Leben verlaufen wäre, wenn er in einer intakten Familie aufgewachsen und seine Mutter nicht das Opfer des lüsternen Dorfpfarrers geworden wäre. Eine Tat, die er seinem Erzeuger nicht verzeihen kann weswegen er immer wieder mit dem Finger auf diesen zeigt.
Die Geschichte spielt vor dem Hintergrund der 1970er Jahre in Irland und England. Pussy ist wenig interessiert an Politik und dem Auflodern des irischen Bürgerkrieges. Sein Interesse gilt nur sich, seinem Aussehen und seinem Liebesleben. Doch er kann nicht vor der Realität flüchten und so wird er immer wieder Zeuge von Mord, Gewalt und Bombenanschlägen der IRA. Diese Welle der Gewalt hinterlässt weitere Spuren auf Pussys Seele.
Der Autor dieses Werkes, Parrick McCabe, wurde 1955 in Clones, Irland geboren. Von ihm erschienen bisher sieben Romane, ein Erzählungsband, ein Drama sowie ein Kinderbuch. Für seine Romane erhielt er höchste literarische Anerkennung. Bereits sein Buch "Der Schlächterbursche" wurde verfilmt und wurde in Cannes mit der Goldene Palme ausgezeichnet. Nun wurde auch "Breakfast on Pluto" von Neil Jordan verfilmt und kam im März 2006 in die deutschen Kinos.

Fazit: Mit frischem Schwung und provokantem Humor führt Patrick McCabe den Leser in die grausam-groteske Welt des Transvestiten Patrick Braden.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    06/2006
  • Umfang:
    219 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • ISBN 13:
    9783442450824
  • Preis:
    7,95 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Gewalt:
  • Gefühl:
  • Erotik:
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